Volkshaus

Bibliothek und Veranstaltungsort

Ernst Abbe, genialer Wissenschaftler und sozial engagierter Unternehmer, war ein Mann der Gerechtigkeit. Durch Stiftungsbetriebe, aber auch gemeinnützige Einrichtungen und Maßnahmen profitierten besonders die Arbeiterschaft, aber auch mathematisch-naturwissenschaftliche Projekte in Forschung und Lehre. Auch das Volkshaus gehört in diese außergewöhnliche Reihe des sozialen Unternehmers: „An erster Stelle verdient das ‚Volkshaus‘ genannt zu werden, das völlig aus Abbes Duldsamkeitsstreben entstand“, schreibt Herbert Koch in seiner „Geschichte der Stadt Jena“ im Jahr 1966. „[D]er Sozialdemokratischen Partei war es fast unmöglich, für ihre Veranstaltungen geeignete Räumlichkeiten zu finden. Gastwirte, die dafür ihre Räume zur Verfügung stellten, wurden derart schikaniert, daß sie sich nur unter den größten Schwierigkeiten zu behaupten vermochten. Es war vielleicht bei Abbe weniger ein Sympathisieren mit den Sozialdemokraten als seine Empörung über die Ungleichmäßigkeit der Behandlung, da seiner Meinung nach diese Partei genau die gleichen rechte hatte wie jede andere, und so setzte er den Bau des nach den Entwürfen von Arwed Roßbach-Leipzig erbauten Volkshauses durch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß es ausnahmslos jeder politischen Partei ohne Rücksicht auf ihre Färbung offenstehe, abgesehen davon, daß es auch sonstigen Zwecken, Konzerten, Vorträgen, Feierlichkeiten usw. zur Verfügung stehen sollte.“* Das Volkshaus wurde 1903 eröffnet.

Nicht zuletzt wegen des Volkshauses sei Jena – bis 1945 -eine Kongressstadt gewesen, erklärt Koch weiter die herausragende Stellung des Volkshauses. In der DDR-Zeit wurde das Volkshaus in erster Linie als Kulturhaus des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena genutzt. Hier fanden etliche Volkskunstkollektive, Zirkel und Arbeitsgruppen sowie zwei Jugendklubs ein Zuhause. Heute wird das Gebäude für die Ernst-Abbe-Bücherei, die Jenaer Philharmonie sowie das Sinfonieorcester Carl-Zeiss-Jena und das Tanztheater Jena genutzt. Da die Räumlichkeiten für die Bibliothek nicht mehr ausreichend sind, wird mit einem Stadtratsbeschluss vom 15. Juni 2016 am Engelplatz/Neugasse ein Neubau mit einem Bürgerservice auf den Weg gebracht. Das Volkshaus soll in ein Kultur- und Kongresszentrum umgebaut werden.


*Herbert Koch, Geschichte der Stadt Jena, Stuttgart 1966 [ND 1996], 305.