ThürAZ

Spezialarchiv für Dokumente zu den Themen Zivilcourage, Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur

Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAZ) nimmt als Spezialarchiv unter den Thüringer Archiven eine besondere Position ein. Es trägt den Namen Matthias Domaschks, der sich seit Mitte der siebziger Jahre in der jugendlichen Subkultur im Umfeld der Jungen Gemeinde in Jena bewegte. Am 12. April 1981 starb der Dreiundzwanzigjährige unter bis heute nicht vollständig aufgeklärten Umständen in der Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit in Gera.

Das ThürAZ verwahrt Dokumente zu Zivilcourage, Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur und stellt diese der Öffentlichkeit für Forschungs- und Bildungszwecke zur Verfügung.

Die Materialien dokumentieren die Perspektive von unangepassten Personen, Gruppen und Bewegungen in den ehemaligen DDR-Bezirken Gera, Erfurt und Suhl.

Träger des Archivs ist der Verein Künstler für Andere e. V., der aus der gleichnamigen Oppositionsgruppe hervorging und das Archiv 1991 gründete. Seit Mitte der neunziger Jahre liegen die Sammlungsschwerpunkte auf den Materialien subkultureller Netzwerke der 1970/80er Jahre, Friedens-, Menschenrechts- und Umweltgruppen, der Bürgerrechtsbewegung und Dokumenten, die Alltag, Zivilcourage und Repressionserfahrung in der SED-Diktatur widerspiegeln. Den Kernbestand des Archivs bilden Vor- und Nachlässe ehemaliger Akteure aus Opposition und Widerstand. Der umfangreiche Bestand an biographischen Interviews bietet den Kontext zur Einordnung der Materialien.

Die privaten Überlieferungen (Vor- und Nachlässe) enthalten Egodokumente, darunter Briefe, Gedächtnisprotokolle, Kalender, Tagebücher und Fotografien; Überlieferungen der „Zweiten Öffentlichkeit“ wie Plakate, Flugschriften, politischen und künstlerischen Samisdat, Musik- und Veranstaltungsmitschnitte; Schriftgut von Gruppen und Netzwerken, z. B. Arbeits- und Diskussionspapiere, „Geschäftsunterlagen“ und Bibliotheksbestände sowie staatliches Schriftgut, z. B. die Beantwortung von Eingaben.

Durch das ThürAZ werden Forschungsarbeiten initiiert, begleitet und umgesetzt. Das Archiv erschließt damit in aktiver Form Bestände jenseits des derzeitigen Wissensstandes. Ohne diese Tätigkeit würden wesentliche Teile der Überlieferungen der Opposition und des Widerstandes in der SED-Diktatur dauerhaft verloren gehen. Diese Dokumente werden in der Regel Archiven nicht angeboten, sondern müssen aufgefunden werden.

In seiner historisch-politischen Bildungsarbeit bietet das ThürAZ zielgruppenspezifische Veranstaltungsformate an. Leitbild ist dabei das Archiv als Offener Lernort, an dem durch die Vielfalt der Quellen eine multiperspektivische Herangehensweise möglich ist. Somit kann ein differenziertes Bild der DDR-Geschichte vermittelt werden. Die Bildungsangebote zielen auf die öffentliche Wahrnehmung der im ThürAZ aufbewahrten Bestände und der damit verknüpften Geschichte der Einforderung demokratischer Werte unter den Bedingungen der Diktatur.

Themenbezogen werden Vorträge und Diskussionsrunden sowie Quellenworkshops angeboten.

Auch Zeitzeugengespräche können vermittelt und die Wanderausstellungen des ThürAZ ausgeliehen werden.

Das Archiv ist öffentlich zugänglich. Die Nutzung kann zu den Öffnungszeiten bzw. nach Terminabsprache erfolgen. Im Vorfeld des Archivbesuchs empfehlen wir, sich unter Benennung des Vorhabens anzumelden, da so bereits erste Fundstellen im Bestand ermittelt werden können.

Das ThürAZ bemüht sich, kontinuierlich die Sammlungen zu erweitern. Wenn Sie hierzu beitragen können, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Als nichtstaatliches Archiv ist das ThürAZ außerdem auf Förderung und Spenden angewiesen.

Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten! Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

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