Pulverturm

Denkmal

Der Pulverturm gehört mit dem Johannistor, dem Haus auf der Mauer und dem rekonstruierten Wehrgang zum größten, noch erhaltenen Teil der Stadtbefestigung. Um 1300 bestand diese Stadtbefestigung aus Gräben, der Stadtmauer, Zwingerbereichen, drei Tortürmen, vier Eckbastionen und 12 nachträglich eingefügten Rondellen. Die Stadtmauer war rund 12 Meter hoch und 2 Meter dick.

Der Pulverturm an der Nordwestecke der Stadtmauer ist etwa 20 Meter hoch und hat vier Geschosse mit Umgang. Laut einer bei Bauarbeiten im Jahr 1816 gefundenen Inschrift wurde das Ensemble 1304 fertiggestellt. 1305 wurden der Turm und das Johannistor erstmals urkundlich erwähnt.

Der Pulverturm ist größte und stärkste der vier Ecktürme der Stadtmaueranlage. Er reicht heute ca. 14 Meter tief in die Erde. Durch Aufschüttungen zwischen 1820 bis 1850 aus verkehrstechnischen Gründen ist die im Mittelalter und der frühen Neuzeit vorhandene, imposante Größe heute nicht mehr erkennbar.

Im unteren Drittel befand sich das Verließ, das ca. 6,5 Meter tief war. Daher stammt auch der Begriff „Faulloch“. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Turm als Speicher für Schwarzpulver genutzt. Daher stammt der heutige Name. Bei einer Explosion wären die Jenaer Bürger wegen der starken Mauern des Turmes kaum zu Schaden gekommen. Der mittelalterliche Turm sollte – wie andere Anlagen der Stadtbefestigung wie das Löbdertor oder das Saaltor auf Goethes Vorschlag – abgerissen werden. 1831 baten 24 Bürger und Professoren, den Abriss zu verhindern. Die Stadtverwaltung wollte dort einen Bierkeller einrichten, konnte jedoch den Felsenkeller erwerben. Das Denkmal war damit gerettet.

Der Turm verfügt nur über einen einzigen Zugang, eine niedrige Pforte in rund 7 Meter Höhe. Diese Pforte ist nur über den rekonstruierten Wehrgang erreichbar. Die alte Handelsstraße von Erfurt nach Altenburg führte durch das Johannistor und das Saaltor über die Camsdorfer Brücke. Die Johannisvorstadt, eine von vier Vorstädten des mittelalterlichen Jena, lag vor den geschützten Stadtmauern.

Der Pulverturm wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und ab dem 19. Jahrhundert saniert. Die letzten Sanierungsarbeiten erfolgten 2011. Hier erfolgte wegen einer kontinuierlich zunehmenden Schrägstellung des Turmes eine Gründungssicherung.