Karmelitenkloster

Ehemaliges Kloster, Salpetersiederei, Druckwerkstatt und Lager, ab 1669 Gasthaus "Zum Goldenen Engel"

Die Klosteranlage „Zum Heiligen Kreuz“ des Ordens „Unserer Lieben Frau vom Berg Karmel“ befand sich vor den Toren der Stadt in der Siedlung Zweifelbach. Am 3. Mai 1525 wurde das Kloster in den Unruhen der Reformation geplündert. Mit dem Erlös aus dem geplünderten Klosterschatz wurden Truppen für die Niederschlagung der aufrührerischen Bauern in Mühlhausen bezahlt.

Der Buchdrucker Christian Rödinger aus Magdeburg durfte auf Erlaubnis des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen („Hanfried“, der Gutmütige) das Hintergebäude des Klosters 1553 beziehen. Am 30. November 1553 erteilte Johann Friedrich dem Buchdrucker Johann Rödinger das Privileg zum alleinigen Druck und Vertrieb von Luthers Schriften. Ab 1555 entstanden hier der XII. Deutsche und der IV. Lateinische Teil der Jenaischen Ausgabe der Schriften Martin Luthers sowie eine korrigierte Lutherbibel. Diese Jenaer Ausgabe der Lutherbibel stand in Konkurrenz zur Wittenberger Lutherbibel, die wegen der Kriegswirren unvollständig und fehlerhaft war.

Ab 1669 wurde im mehrfach umgenutzten Gebäude, das zudem als Steinbruch für den Wiederaufbau der Camsdorfer Brücke genutzt wurde, eine städtische Gastwirtschaft namens Engel eingerichtet. Die Universität mit ihrer Schankstätte, der „Rose“, beschwerte sich beim Landesfürsten wegen der neuen kommunalen Konkurrenz.

Am 9. Juni 1869 sprach August Bebel im „Engel“.

Als Ort der Wiegendrucke soll das in den späteren Jahrhunderten als Steinbruch und Gastwirtschaft genutzte Gebäude ab Ostern 2017 – im Jubiläumsjahr der Reformation – wieder Besucher nach Jena locken. Im Jahr 2016 wurde für die Sanierung und die Errichtung eines musealen Ortes von der Stadt eine Förderung in Höhe von 85 Prozent der Kosten beantragt. Man wollte das brachliegende und vom Zerfall bedrohte Bauwerk vom „Dornröschenschlaf“ befreien. Sakristei und Kapitelsaal des ehemaligen Klosters sollen dann wieder zugänglich sein.

Archäologische Untersuchungen wurden zwischen 1997 und 2003 vorgenommen. Neben den Nachweisen stein- und bronzezeitlicher Siedlungsspuren konnte die mehrphasige Klosterbebauung nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen fanden 2012 und 2015 statt. Dabei konnte der Grundriss des Klosters nachgewiesen werden.