Johannistor

Denkmal

Das Johannistor gehört zusammen mit der Stadtmauer, dem Haus auf der Mauer und dem Pulverturm zum größten, heute noch vorhandenen Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Dem Johannistor waren Gräben und die Johannisvorstadt vorgelagert. Laut einer bei Bauarbeiten am Pulverturm im Jahr 1816 gefundenen Inschrift wurde das Ensemble 1304 fertiggestellt. 1305 wurden der Turm und das Johannistor erstmals urkundlich erwähnt. Es ist überliefert, dass im Jahr 1536 der Torwart im Johannistor 10 Groschen für die Sauberhaltung des Tores erhielt. Außerdem war er dafür verantwortlich, dass er das Wasser aus der Bachstraße in die Stadt leite und aufpasste, dass kein trübes Wasser durch die Rohrkästen fließe. Beim Johannistor floss das Wasser in einem offenen Kanal in die Stadt. Vor der Jüden- und Marktmühle wurde das Wasser gestaut. Zweimal in der Woche wurde dieses Wasser dann für die Straßenreinigung verwendet.

Einen Nachklang finden wir im studentischen Lied „Und in Jene lebt sich’s bene“ (um 1850):

Und die Straßen sind so sauber,
Sind sie gleich ein wenig krumm;
Denn ein Wasser wird gelassen
Alle Wochen durch die Straßen,
In der ganzen Stadt herum.

Während der Geheimrat Johann Wolfgang v. Goethe vorhandene Stadttore wie das Löbdertor 1819 (heute ungefähr am Holzmarkt/Nonnenplan gelegen) oder das Saaltor 1843 (heute etwa Saalstraße/Löbdergraben) abreißen ließ, wurden der Pulverturm und das Johannistor vor diesem Schicksal bewahrt. Auch der Bombenangriff im 2. Weltkrieg verschonte das mittelalterliche Bauwerk.

Das Johannistor ist eine fünfgeschossige, quadratische Toranlage aus Werkstein. Es hat im Erdgeschoss spitzbogige Toröffnungen, die im Inneren in eine kreuzgratgewölbte Halle führen. Über dem westlichen Toreingang befindet sich ein Balkon, genannt „Käsekorb“. Dieser wurde bei Umbauarbeiten im 15. Jahrhundert angebaut. Überliefert ist, dass hier „besonders zänkische, unzüchtige und diebische Weibsbilder“ zur Schau gestellt worden sein sollen. Darüber befindet sich eine Plattform mit Steinbrüstung und Entwässerungsrohren, die an den Ecken mit Wasserspeiern (Affen- und Teufelsgesichter) enden. Ein achteckiger Steinkegel bildet den Abschluss.

 

Um 1300 bestand diese Stadtbefestigung aus Gräben, der Stadtmauer, Zwingerbereichen, drei Tortürmen, vier Eckbastionen und 12 nachträglich eingefügten Rondellen. Die Stadtmauer war rund 12 Meter hoch und 2 Meter dick. Die alte Handelsstraße von Erfurt nach Altenburg führte durch das Johannistor und das Saaltor über die Camsdorfer Brücke. Die Johannisvorstadt, eine von vier Vorstädten des mittelalterlichen Jena, lag vor den geschützten Stadtmauern. Der heutige Name des Tores wird von dieser Vorstadt abgeleitet. Die Vorstadt selbst wurde nach der Kirche Johannis Baptist benannt. Im Tor selbst ist eine Nische zur Stadtseite angebracht, in der wohl eine Statue des Heiligen stand, die aber nicht erhalten ist.

Im Hofraum des Johannistores siedelte sich Handwerk an. Ein studentischer Mythos ist besonders unter den Medizinern verbreitet: Wer durch das Tor geht, fällt durch seine Prüfung. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war direkt an der Toranlage ein kleinerer Durchgang. Das Johannistor wurde 1816 und 2001 restauriert und saniert. Im März 2017 fielen Stücke der Mauerkrone  an der Nordwest-Ecke auf das Dach des Nachbarhauses. Der Durchgang wurde daraufhin gesperrt.