18. Int. Kurzfilmfestival cellu l’art

Vom 25. bis 30. April 2017

Das Jenaer Kurzfilmfestival cellu l’art findet in diesem Jahr vom 25. bis 30. April im Volksbad statt. 37 Kurzfilme aus 17 Ländern konkurrieren im internationalen Wettbewerb um fünf Preise – unter anderem um die Auszeichnungen als „Bester Kurzspielfilm“ und als „Bester Experimental-, Animations- oder Dokumentarfilm“.

Wir freuen uns sehr, in unserer internationalen Fachjury Philip Ilson (künstlerischer Leiter des London Short Film Festival), Juliane Fuchs (Festivalleiterin des Weimarer backup-Festivals) und die Leipziger Filmemacherin Letty Felgendreher begrüßen zu dürfen. Auch das Publikum erhält durch die Wahl des Publikumspreises erneut die Gelegenheit, seinen Favoriten zu küren.

Der diesjährige Länderschwerpunkt beschäftigt sich mit dem Iran und präsentiert die iranische Kurzfilmkunst im Spannungsfeld zwischen staatlich geförderten Projekten und unabhängigen Produktionen.

Eine Neuerung stellt die Filmlounge dar, in der Besucherinnen und Besucher sowie Filmemacherinnen und Filmemacher vor und nach Filmvorstellungen verweilen können. Eine vom finnischen Regisseur Otto Kylmälä geführte Diskussion über Musikvideos und ein Trickfilm-Workshop mit dem französischen Künstler Thibault Joyeux füllen die Lounge außerdem mit weiteren spannenden Programmpunkten.

Darüber hinaus können sich die Besucherinnen und Besucher wieder auf diverse Specials freuen: Im Rahmen des 500-jährigen Reformationsjubiläums wird ein Programm zum Thema Glaube und Religion gezeigt. Der Extremsport und das noch junge Genre ‚Mockumentary‘ bekommen dieses Jahr erstmals Platz im Programm. Natürlich sind auch die bewährten Programme ‚Schock-Block‘ und ‚B-Sides‘ dabei. Eine interaktive Veranstaltung im Rosenkeller rundet das Filmprogramm auf unterhaltsame Art und Weise ab.

Eröffnet wird das Kurzfilmfestival wie gewohnt mit einer großen Open-Air-Veranstaltung: Am 25. April ab 19:30 Uhr werden im Faulloch am Johannistor kurzweilige Filme der letzten Jahre über die Leinwand flimmern.

Die Jenaer Band Skavida wird diese Veranstaltung mit Live-Musik begleiten. Ein weiterer Höhepunkt ist die feierliche Preisverleihung, die am Samstag, 29. April ab 20 Uhr im Volksbad stattfindet. Alle prämierten Filme sind dann noch einmal zu sehen.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie demnächst auf unserer
Website www.cellulart.de sowie auf Facebook, Instagram und Twitter.

Länderschwerpunkt 1
in den underground

Seit dem Aufkommen neuer digitaler Medien, müssen unabhängige Filmemacher sich immer weniger auf staatliche Förderung stützen, um ihre Filme zu produzieren. Die Digitalisierung und der einfachere Zugang zum Film hat damit neue Möglichkeiten der Filmproduktion eröffnet. Ohne Zensur fürchten zu müssen, können unabhängige Kreative nun Geschichten erzählen, die ansonsten nicht möglich gewesen wären. Während die Regierung es verbietet, über Themen wie Homosexualität, Frauenrechte und Studenten- und Arbeiterbewegungen zu reden und kritische Haltungen zu iranischer Politik und zur Religion abwehrt, nutzen unabhängige Filmemacher oft eine dokumentarische und alternative Ästhetik, um abweichende Sichtweisen auf politische und unpolitische Konflikte im Iran darzustellen. Für die Filmemacher ist es vor allem wichtig, ihre Stimme gegen die Autorität des Regimes zu erheben. Sogar auf europäischen Festivals ist iranische Anti-Propaganda erfolgreich, wie die Filme von Bahman Ghobadi und Jafar Panahi beweisen. Da Experimente im offiziellen Kino nicht gern gesehen sind, orientieren sich viele junge Regisseure an der französischen Nouvelle Vague und dem Neuen Deutschen Film der 1960er and 1970er, um ihren eigenen Stil zu finden. Avantgarde-Filmemacher wie Godard, Fassbinder und Pasolini sind für viele iranische Filmregisseure, die radikale politische Kunst machen wollen, Vorbilder. Dieser Filmblock entführt in die underground Szene und zeigt Filme, die im offiziellen iranischen Kino nicht zu sehen wären.

Mi, 26. April, 18:00 Uhr (Großer Saal)
Volksbad Jena
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Länderschwerpunkt 2
Propaganda im 21. Jahrhundert

Propaganda-Filme haben eine lange Tradition in der Kinogeschichte – von den ersten Filmen der Sowjetunion bis hin zu dem US-Epos “Birth of a Nation” von D.W. Griffith. Propagandafilme dienen dazu, das Publikum ideologisch zu beeinflussen. Moralische und religiöse Prinzipien sind im offiziellen iranischen Kino tief verwurzelt: Frauen müssen Kopftücher tragen und können keine erotischen Szenen spielen, Küsse und Umarmungen dürfen nicht gezeigt werden. Aber auch für politische Propaganda wird der Film genutzt: beispielsweise gegen die USA, Israel und Saudi-Arabien oder gegen die Studenten-, Frauen-, Arbeiter-, und liberalen Bewegungen werden Filme produziert. Die Ästhetik der iranischen Staatspropaganda in den 1980ern und 1990ern war stark vom Kino der Sowjetunion und der DDR beeinflusst. Seit den 2000ern änderte sich der Stil und die Hollywoodästhetik nahm ihren Einfluss. Der Propaganda-Film des 21. Jahrhunderts kann als Nationalepos, als religiöser Film oder auch als Komödie, Satire und Musikclip auftreten. In diesem Block sehen wir propagandistische und religiöse Filme aus den Jahren 2014 und 2016, die uns modere Propaganda und versteckte Nachrichten zeigen.

Do, 27. April, 22:15 Uhr (Kleiner Saal)
Volksbad Jena
Tickets

Länderschwerpunkt 3
made in Iran
Politik spielt für iranische Filmregisseure eine bedeutende Rolle. Doch anstatt Propaganda- oder Underground-Filme zu produzieren, entscheiden sich viele junge Regisseure dafür, offizielle dramatische Spielfilme zu drehen, um ihre kreative Vision zur Geltung zu bringen. Trotz der Verbote, die die staatliche Zensur mit sich bringt, wie etwa das Verbot jeglicher erotischer Szenen, schaffen sie es, eine neue Ästhetik zu erschaffen, die weltweit respektiert und auf internationalen Festivals honoriert wird. Abbas Kiarostami und Asghar Farhadi sind zwei Beispiele für Filmemacher, deren Filme viele Preise gewonnen haben. Für diese Filmemacher ist die künstlerische Ästhetik des Films wichtiger als die Darstellung politischer Konflikte. Allerdings werden soziale Problematiken oft durch symbolische Darstellung in den Film eingebunden. Viele junge Studenten, die kreativ bleiben, aber keine Rolle in politischen Konflikten einnehmen wollen, produzieren Filme, die einfache, universelle Themen wie Familie, Kindheit und Jugend behandeln. Indem sie eine mehrdeutige filmische Sprache benutzen, fordern sie behutsam die Zensur und die Grenzen, die diese setzt, heraus. Dieser Filmblock gibt einen Einblick in die iranische Filmkultur, und dass es zwischen underground und Propaganda noch einiges mehr gibt.

Fr, 28. April, 20:00 Uhr (Großer Saal)
Volksbad Jena
Tickets

Knebelstraße 10
Jena 07743 Thüringen DE
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Vom 25. bis zum 30. April 2017 Eröffnung: 25. April, ab 19:30 Uhr im Faulloch am Johannistor