Khatchkar (armenischer Kreuzstein)

Am 28. April 2014 wurde die Aufstellung eines armenischen Kreuzsteines (Khatchkar, auch: Chatchkar) in Kulturausschuss beschlossen. Hintergrund ist der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich. „Wir bezeichnen die Massaker als das, was es war: ein Völkermord“, erklärte der Abgeordnete Dr. Franz Josef Jung (CSU/CSU) am 2. Juni 2016 im Deutschen Bundestag. […]

Am 28. April 2014 wurde die Aufstellung eines armenischen Kreuzsteines (Khatchkar, auch: Chatchkar) in Kulturausschuss beschlossen. Hintergrund ist der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich. „Wir bezeichnen die Massaker als das, was es war: ein Völkermord“, erklärte der Abgeordnete Dr. Franz Josef Jung (CSU/CSU) am 2. Juni 2016 im Deutschen Bundestag. An diesem Tag wurde der Antrag zum Gedenken an Völkermord an Armeniern beschlossen. Es gab lediglich eine Gegenstimme und eine Stimmenthaltung. Auch das heutige Deutschland sei in der Pflicht, so Dr. Gregor Gysi (Die Linke). Schließlich habe Deutschland vor hundert Jahren „Beihilfe zum Völkermord“ geleistet, erklärt der Parlamentarier im Bundestag.

In Jena wird seit einigen Jahren die am 24. April zum Gedenken an den Völkermord die armenische Flagge am Technischen Rathaus auf halbmast gehisst. Allerdings war die Aufstellung des Kreuzsteines nicht unumstritten: So gab es keine öffentliche Debatte hierzu und die Entscheidung im Kulturausschuss wurde vorgezogen, obwohl es keine „Eilbedürftigkeit“ gab. Die Verbesserungsvorschläge von Ortsteilbürgermeisterin Rosa Maria Haschke wurden aufgenommen.

Ursprünglicher Textvorschlag Realisierte Fassung
24. April 1915

24. April 2015

1915

2015

Zum 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich gedenken wir der 1 500 000 getöteten Armenier. Wir trauern ebenso um die ermordeten Aramäer, Assyrer und kleinasiatischen Griechen. Zum Gedenken an die 1,5 Millionen Opfer des Völkermordes an den Armeniern, den Aramäern, Assyrern und kleinasiatischen Griechen vor 100 Jahren.
Die Stadt Jena bekennt sich zur deutschen Mitverantwortung.  
Dieser Kreuzstein soll ein Signal der Versöhnung senden. Dieser Kreuzstein ist ein Zeichen der Versöhnung.
Die Kunst des Kreuzsteins/Khatchkars ist seit der frühchristlichen Zeit (305 n. Chr) in der armenischen Kulturlandschaft präsent. Sie wurde als künstlerische Gattung in jeder kulturellen Epoche weiter entwickelt und markiert Spuren der armenischen Gemeinschaften. Armenischer Kreuzstein/ Chatschkar Kreuzsteine gehören seit der frühchristlichen Zeit (305 n. Chr) zur armenischen Kultur. Sie sind zugleich Gedächtnis-Steine und Kunstwerke.
Jeder Khatchkar ist ein Unikat. Die eingearbeiteten Symbole repräsentieren Leben, Fruchtbarkeit, Fortdauer, Menschlichkeit und Liebe. Jeder Chatchkar ist ein Unikat. Die eingearbeiteten Symbole repräsentieren Leben, Fruchtbarkeit, Fortdauer, Menschlichkeit und Liebe.

 

Die Begründung des Beschlusses (Beschl.-Nr. 15/0414-BV)

Der in Deutschland lebende Armenier Paul Guloglou, Inhaber der Niederlassung PAGUS Maschinenhandel in Jena/ Laasdorf, möchte in Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern durch die Türken vor 100 Jahren einen Gedenkstein in Form eines armenischen Kreuzsteins (Khatchkars) in Jena stiften. Der Khatchkar ist seit der frühchristlichen Zeit in der armenischen Kultur bekannt.

Er gehört zu den eigenständigen Formen der armenischen Kunst und verkörpert eine Synthese von Bild, Schrift, Skulptur und Architektur. Seine Bedeutung als Symbol für Heimat sowie für geistige und religiöse Toleranz wirkt für die Armenier bis in die heutige Zeit hinein.

Der Khatchkar in Jena soll als Mahnung sowohl für die Geschichte der Armenier als auch für die Geschichte Deutschlands wirken, als Zeichen für Mitverantwortung und Versöhnung, in dem der Völkermord von 1915 in den Kanon der eigenen städtischen Erinnerung aufgenommen wird.

Der Stein wird von einem armenischen Künstler hergestellt, von Herrn Guloglou finanziert und auch von ihm aufgestellt. Darüber hinaus übernimmt Herr Guloglou die Kosten für die Pflege und Wartung des Steins. Die Gestaltung folgt dem gleichen Grundprinzip wie alle Khatchkare: Auf der Vorderseite eines mannshohen quaderförmigen Natursteins sind reliefartig filigrane Ornamente eingemeißelt, deren Hauptmotiv die Kreuzdarstellung bildet.

Der Standort ist ein Vorschlag in Absprache von JenaKultur mit dem Fachbereich Stadtentwicklung/Stadtplanung, dem Fachbereich Stadtumbau sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde.

Die Fläche ist bereits neu gestaltet und wird künftig nicht verändert werden. Die Hecke im mittleren Bereich kann als Einfassung und rückwärtiger Abschluss des Steins, der auf der Rückseite nicht gestaltet und flach poliert ist, genutzt werden.

Zur Vermittlung von Informationen werden zwei Begleitsteine mit Text neben dem Kreuzstein aufgestellt.

 

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