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Projekt SebiLe stellt Nachholbedarf fest

Leipzig. Sexuelle Bildung und Prävention von sexualisierter Gewalt finden einer Studie der Universität Leipzig und der Hochschule Merseburg zufolge in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und im schulischen Alltag viel zu wenig Beachtung. Die kaum vorhandenen Angebote beschränken sich in erster Linie auf biologische Aspekte von Sexualität und die Wissensvermittlung zu Verhütungsfragen, wie eine große, bundesweite Erhebung im Rahmen des im Februar 2018 gestarteten Forschungsprojekts „Sexuelle Bildung für das Lehramt“ (SeBiLe) ergab.

Am Montag (16. November) stellten die Projektleiter Prof. Dr. Barbara Drinck von der Universität Leipzig und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß von der Hochschule Merseburg die Ergebnisse der zum Jahresende auslaufenden Studie vor. Sie präsentierten ein Curriculum, wie Lehrkräfte in diesen Themenbereichen aus-, fort- und weitergebildet werden sollen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt SeBiLe zielte darauf ab, empirische Leerstellen zu schließen und die Aus- und Fortbildungsbedarfe von Lehramtsstudierenden sowie im Schulbetrieb tätigen Lehrkräften in den Bereichen sexuelle Bildung und Prävention von sexualisierter Gewalt zu erheben. In einer Online-Befragung wurden insgesamt 2.771 Studierende auf Lehramt, Personen im Referendariat und schulisch tätige Lehrkräfte erreicht, wovon 1.866 vollständig ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung eingingen. „Damit ist die vorliegende Erhebung in Umfang und Ausmaß die erste ihrer Art und liefert wichtige und vor allem aktuelle Hinweise auf die Qualifizierungsstände von zukünftigen und aktiven Lehrkräften“, sagt Prof. Dr. Voß von der Hochschule Merseburg.

Kaum Fortbildungen zu Themen sexueller Bildung zu finden

Der Befragung zufolge ist der Bedarf groß. „Etwa 70 Prozent der Lehrkräfte haben Schwierigkeiten, passende Fortbildungen zu Themen der sexuellen Bildung und zur Prävention sexualisierter Gewalt zu finden“, berichtet Prof. Dr. Drinck von der Universität Leipzig. Viele der befragten Lehrkräfte wünschten sich interaktive Fortbildungen mit Möglichkeiten, das Erlernte direkt zu erproben.

Bis dato wurden 20 Prozent der Befragten während des Studiums auch zu Inhalten sexueller Bildung ausgebildet. Von Angeboten zur Prävention von sexualisierter Gewalt profitierten acht Prozent. Im Gegenzug dazu sahen es 87 Prozent der befragten Lehrkräfte und 91 Prozent der befragten Studierenden als ihre eigene Verantwortung, im schulischen Alltag Inhalte sexueller Bildung zu vermitteln. Besonders hohe Nachholbedarfe gibt es der Befragung zufolge im Förderschulbereich. „Die Entwicklung einer offenen, sexualitätsfreundlichen Haltung sollte Bestandteil der täglichen Arbeit sein. Somit könnten fächerübergreifend Angebote etabliert werden und Gesprächsräume entstehen, in denen sich Schülerinnen und Schüler anvertrauen können und kompetente Unterstützung erhalten“, sagt Drinck. Formate für das Studium sowie die Fortbildung von Lehrkräften sollten so ausgerichtet sein, dass sie sich am jeweiligen Ausbildungsstand der Zielgruppe orientieren.

Curriculum wird an Universität Leipzig erprobt

Aufbauend auf den ermittelten Bedarfen wurde ein Curriculum mit Inhalten sexueller Bildung und zur Prävention sexualisierter Gewalt für das Lehramtsstudium entwickelt, das aktuell an der Universität Leipzig in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern erprobt und evaluiert wird. „Perspektivisch soll das Curriculum Pilotwirkung haben und bundesweit für andere Universitäten einsetzbar werden“, erklärt Voß. Es umfasst insgesamt 15 Module, beginnend bei einer Einführung zum Thema Sexualität, zu sexuellen Rechten und sexueller Bildung, über die Themen Sexualität und Behinderung, die Kommunikation sexueller Themen im Unterricht bis hin zu sexuellen Ausdrucksformen im Schulalltag, der facettenreichen Thematik sexualisierte Gewalt und einem Theaterstück „Mein Körper gehört mir“.

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