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Thüringer Lehrerverband tlv zur aktuellen Landtagsdebatte

Erfurt. Anlässlich des derzeit stattfindenden Plenums des Thüringer Landtages, im Rahmen dessen auch mehrere bildungspolitische Themen auf der Tagesordnung stehen, fordert der tlv thüringer lehrerverband von der Landesregierung den „Mut zu konsequenten Veränderungen“. Die durch die Coronapandemie ausgelöste Krise wirke wie ein Vergrößerungsglas und zeige in erschütternder Deutlichkeit auf, welch weitreichende Konsequenzen der anhaltende Personalabbau in den Schulen haben werde, so der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch.

„Uns sind Schulen bekannt, wo nahezu 100 Prozent der Lehrpersonen zur Risikogruppe gehören“, berichtet Busch aus der Praxis. „Viele von ihnen kommen trotzdem zum Präsenzunterricht – teils, weil sie aufgrund des Ampelsystems keine andere Wahl haben, teils, um die Schüler nicht im Stich zu lassen. Selbst wenn sie alle gesund durch die Pandemie kommen, was wir sehr hoffen, werden sie in wenigen Jahren altersbedingt ausscheiden.“

Den von der Opposition in den Landtag eingebrachten Vorschlag, ein Zulagensystem zur Personalgewinnung im Schulbereich einzuführen, insbesondere in bestimmten Bedarfsregionen und zur Abdeckung von Mangelfächern, erkenne der tlv als eine Möglichkeit an. „Allerdings ist Geld kein Allheilmittel. Um den Lehrerberuf wieder attraktiv zu machen, muss gleichzeitig an weiteren Stellschrauben gedreht werden.“

Überbelastung durch Multiprofessionelle Teams begegnen

So warte man nach wie vor auf die im Koalitionsvertrag zugesagte flächendeckende Einrichtung von multiprofessionellen Teams in den Schulen. Eine kürzlich veröffentlichte bundesweite repräsentative Umfrage des Verband Bildung und Erziehung (VBE), dessen Landesverband der tlv ist, habe gezeigt: Nur 18 Prozent der Schulen mit inklusiven Lerngruppen erhalten Unterstützung durch Schulpsychologen, 6 Prozent durch medizinisch geschultes Personal. Besser ist die Versorgung mit Sozialpädagogischen Fachkräften (78 Prozent deutschlandweit), allerdings stehen gerade einmal 14 Prozent der Schulen mit inklusiven Lerngruppen die Mitglieder des multiprofessionellen Teams durchgängig an jedem Schultag zur Verfügung. „Jede vierte Schule, in der inklusiv unterrichtet wird, erhält nur zeitweilig und an ausgewählten Tagen Unterstützung.“ In den Grundschulen, so Busch, liege dieser Anteil sogar bei 33 Prozent. Und noch etwas zeige die Studie: In 85 Prozent der betroffenen Schulen gibt es keinerlei Maßnahmen zur Unterstützung bei der Bewältigung möglicher physischer und psychischer Belastungen durch den inklusiven Unterricht.

Gerade jetzt: Bedürfnisse der Beschäftigten und Schulleitungen ernstnehmen

Das Angebot finanzieller Zulagen könne deshalb nur dann greifen, wenn die Bedürfnisse der Beschäftigten auch auf anderen Ebenen wahrgenommen würden. So sei auch die Einrichtung von Schulkonten, wie sie im Rahmen des Plenums vorgeschlagen werden soll, lange überfällig, um beispielsweise die Organisation von Klassenfahrten zu vereinfachen. Zudem, so Busch, bräuchten die Schulen gerade jetzt besondere Unterstützung. „Im Zuge des Infektionsschutzes haben die Schulen zahlreiche weitere Aufgaben übertragen bekommen. Leider steht aber kein zusätzliches Personal zur Verfügung, das etwa in den Pausen die Aufsicht und Kontrolle der Einhaltung der Maskenpflicht übernehmen könnte.“ Auch der im Sinne der Ansteckungsvermeidung geäußerte Vorschlag, die Weihnachtsferien in diesem Jahr zwei Tage früher beginnen zu lassen, sei einfach weggewischt worden. „In Nordrhein-Westfalen wird aber genau das dieser Tage vom Ministerpräsidenten unterstützt. Wir wünschen uns auch von unserer Landesregierung, dass sie sich konsequent für die Bedürfnisse der in den Schulen Beschäftigten einsetzt.“

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