Quelle: Kulturamt Leipzig
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Leipzig kennt – wie viele andere deutsche Städte – das düstere Kapitel der Hexenverfolgung. Seit heute erinnert das Kulturamt der Stadt mit einer Gedenktafel an die Opfer, die bis 1730 wegen Zauberei und Hexerei verurteilt wurden. Die Tafel am Alten Rathaus, marktseitig am Durchgang zum Naschmarkt angebracht, hängt dabei absichtlich an einem prominenten Ort, der die Erinnerung mitten in die Stadtgesellschaft trägt.

Begonnen haben Hexenverfolgungen in Mitteldeutschland schon im 15. Jahrhundert. In der Stadt Leipzig wurden in der Zeit von 1479 bis 1730 nach aktuellem Wissensstand 35 Prozesse zu Hexerei durchgeführt. Von den 250 Verurteilten fanden 72 den Tod. Die Gründe der Hexenverfolgung waren vielfältig: Einerseits herrschte tatsächlich ein Glaube an gotteslästerliche Zauberei. Andererseits nutzte man den Vorwurf, um sich unliebsamer Menschen zu entledigen oder sie zu disziplinieren. Beteiligt an der Verfolgung waren kirchliche und weltliche Kräfte. Es traf jüngere und ältere, reichere und ärmere Menschen; Frauen, Männer und Kinder.

Aber: 80 Prozent der Opfer waren Frauen – und die Folgen der Hexenverfolgung reichen bis in die Gegenwart. Das Bild der Frau nach Beendigung der Hexenverfolgung war ein anderes als zuvor; ihre gesellschaftlichen, familiären, reproduktiven und beruflichen Rechte waren weitestgehend eingeschränkt bis gänzlich verloren gegangen.

Die Initiative zum Gedenkort geht auf einen Antrag des Beirates für Gleichstellung zurück. Engagiert hat sich der „Arbeitskreis zur Aufarbeitung der Hexenverfolgung in Leipzig/Sachsen“ des Themas angenommen: von der Aufarbeitung der historischen Fakten, deren Publikation über die Webseite www.hexenprozesse-leipzig.de bis hin zur Initiierung der Gedenktafel. Auch konnte der Arbeitskreis Spenden für die Gedenktafel sammeln, mit denen die Finanzierung durch die Stadt Leipzig unterstützt wird. Die Gestaltung der Tafel hat die Leipziger Künstlerin Constanze Zorn übernommen.


Der Text der Gedenktafel:

Hexenverfolgung in Leipzig

Im Alten Rathaus hatten das Stadtgericht und der für ganz Kursachsen tätige Schöffenstuhl ihren Sitz. Beide Gerichte fällten auch Urteile zu Zauberei und Hexerei. Von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Jahr 1730 wurden mindestens 250 Frauen, Männer und Kinder verurteilt – davon 72 zum Tod. Das damit verbundene Leid mahnt heute zu Toleranz, Gerechtigkeit und Wahrung der Menschenwürde.

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