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Weimar. Das Graduiertenkolleg »Identität und Erbe«, das im Oktober 2016 von der Technischen Universität Berlin und der Bauhaus-Universität Weimar gemeinsam eingerichtet worden ist, geht in seine zweite Förderperiode. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 6. November 2020 Mittel in Höhe von etwa 4,1 Millionen Euro für weitere viereinhalb Jahre Grundlagenforschung bewilligt.

Neben je sechs Promotionsstellen in Berlin und Weimar sind erstmals auch die Fachhochschulen in Erfurt und Dessau mit je einer Doktorandenstelle beteiligt und im Team vertreten. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Kollegs – Denkmalpflege, Bauforschung, Kunstgeschichte, Architektur, Geschichte, Soziologie, Stadtplanung und Stadtforschung – wird in der neuen Förderperiode um die Archivwissenschaft und die Wissenschaftsphilosophie erweitert.

Im Zentrum des Kollegs steht weiterhin die Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Affirmationsbedarf von Gemeinwesen und der Aneignung von Kulturerbe, welches für Geschichts-und Identitätspolitiken mobilisiert wird. »Die letzten Jahre haben die Aktualität dieser Thematik nochmals verstärkt vor Augen geführt, denkt man beispielsweise an die Übernahme des Identitätsbegriffs durch nationalistische Bewegungen, an die gezielte Zerstörung von Kulturerbe in kriegerischen Konflikten oder auch an die Angriffe auf Denkmäler des Kolonialismus«, veranschaulicht Prof. Hans-Rudolf Meier, neuer Sprecher des Graduiertenkollegs und Professor für Denkmalpflege und Baugeschichte an der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar.

In der zweiten Förderperiode sollen daher vermehrt Identitäts- und Erbefragen im Zusammenhang mit Macht, Gewalt, Konflikten und gezielter Zerstörung von Kulturerbe in den Blick genommen werden. Als Mittel der Kriegsführung in Konflikten eingesetzt, zielt die Zerstörung von Kulturgut ausdrücklich auf Destabilisierung, Verunsicherung, Negierung der Geschichte und Kultur sowie der Selbstverortung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Diese Vorgänge sollen im Einzelfall untersucht werden. Ebenfalls forscherisch im Graduiertenkolleg zu beleuchten sind unterschiedliche Formen von Anteilnahme und Protest in Folge von Kulturgutzerstörung. Dies können zum Beispiel weltweite Unterstützungsbewegungen, solidarische transnationale Verlustgemeinschaften, aber auch Betroffenheits- und Deutungskonkurrenzen sein.

Weitere Informationen:

Graduiertenkolleg: www.identitaet-und-erbe.org
Deutsche Forschungsgemeinschaft: www.dfg.de.

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