Martin Kranz spricht mit Éva Fahidi-Pusztai (c) ACHAVA e.V. Fotografin: Elena Kaufmann
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Scheinbar Unmögliches möglich machen!
Zeitzeugengespräche in Schulen via ALF anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht 1938

Weimar. Bildung darf und muss auch in Zeiten einer Pandemie weiterhin vermittelt werden. Nachdem in der vergangenen Woche wieder einen Lockdown für November verhängt wurde, stand die Befürchtung im Raum, dass damit auch die bereits geplanten Zeitzeugengespräche in zwei Schulen in Eisenach und Jena ausfallen müssen. Schulfremde Personen sind aktuell nicht befugt, Schulgebäude zu betreten.

Jedoch konnte – dank dem ACHAVA Live Forum ALF – kurzfristig eine Lösung gefunden werden, so dass die Gespräche mit der Buchenwald-Überlebenden Éva Fahidi-Pusztai (Budapest) und dem Rabbiner Dr. Walter Rothschild (Berlin) stattfinden können.

Am 9. November dreht sich die Veranstaltung um das Gedenken an die Opfer und Überlebenden des Holocaust
Éva Fahidi war 18 Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Sie überlebte als Einzige. Bewegt von Fahidis Autobiografie „The Soul of Things“ studiert die Regisseurin und Choreographin Réka Szabó mit Éva Fahidi und der Tänzerin Emese Cuhorka eine Tanzperformance ein.

Der Film – Kurzversion dokumentiert die monatelange Probenarbeit: Schnell entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den drei Frauen. Éva Fahidi stößt dabei aber nicht nur an ihre physischen Grenzen. Der dialogische Prozess schwemmt schmerzhafte Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Mehr und mehr wird die performative Arbeit zur Auseinandersetzung mit dem Trauma.

Vor und nach dem Film findet ein Livestream-Gespräch mit der Protagonistin Éva Pusztai Fahidi statt. Éva überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Sie lebt heute mit ihrer Familie heute in Budapest (Ungarn). Éva Pusztai Fahidi wurde im April dieses Jahres die Ehrenbürgerwürde der Stadt Weimar verliehen.

Am 13. November können die Schülerinnen und Schüler Fragen zum Jüdischen Leben heute stellen. Anschließend folgt ein Zeitzeugen-Gespräch.
Jüdische Lebenswelten sind immer noch unbekanntes Terrain. Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen ist eben nur eine kleine Gemeinschaft. Mehr noch empfinden jedoch viele eine gewisse Scheu, offen mit Jüdinnen und Juden und über die jüdische Religion zu reden.
„Was du immer schon über das Judentum wissen wolltest und nicht zu fragen wagtest“. Genau diese Möglichkeit bietet das Projekt „Frag den Rabbi!“.
Rabbiner sowie Frauen und Männer, die gemäß den jüdischen Traditionen der Thora leben, geben darin ihre Antworten auf Basisfragen wie: „Warum essen Juden eigentlich koscher und was ist das?“, „Ich habe gehört, dass Juden am Schabbat nicht arbeiten dürfen. Müssen sie dann zuhause herumsitzen?“ „Juden beschneiden ihre Söhne. Ist das nicht ein grausamer Brauch?“ „Warum sind Juden eigentlich so etwas „Besonderes“?“
Anschließend wird Éva Fahidi-Pusztai aus Budapest für ein weiteres Gespräch zugeschaltet.

ACHAVA Live Forum – ALF

Das speziell für die ACHAVA Festspiele 2021 entwickelte ACHAVA Live Forum – ein mobiles Fernsehstudio – fungiert hierbei als Relais-Station zwischen Schule und Zeitzeugin.

Die Schulen bekommen ein Aktionspaket samt Laptop, Mikro, Lautsprecher und ausführlicher Gebrauchsanweisung für diesen Tag ausgeliehen und können so – über das ALF – mit Èva Pusztai in Budapest am 9. November und Rabbiner Dr. Walter Rothschild am 13. November jeweils an ihren Rechnern ihre Projektarbeit durchführen.

In Zeiten des (teilweise erzwungenen) gesellschaftlichen Rückzugs und der damit verbundenen Ratlosigkeit, Langeweile und Desinformation sind Berichte aus erster Hand umso wichtiger, wenn sie von Begebenheiten erzählen, die Jugendliche nur noch aus Geschichtsbüchern oder der Presse kennen.

Termine
9. November 2021, 20 Uhr „Hört die Zeugen“ – Éva Fahidi-Pusztai im Gespräch
SchülerInnen im Christlichen Gymnasium Jena (ein Lehrer moderiert die Veranstaltung vor Ort)
Zuschaltung der Universale Freie Gesamtschule Jena
2 Schülermoderator/innen kommen ins ALF im Erfurter Kontor, Gesprächsführung: Martin Kranz

13. November 2021, 10-11:30 Uhr „Frag den Rabbi“ – Jüdisches Leben heute
11:30-13 Uhr „Hört die Zeugen“ – Éva Fahidi-Pusztai im Gespräch
Elisabeth-Gymnasium Eisenach
Eine Produktion der ACHAVA Festspiele in Zusammenarbeit mit den Jüdisch – Israelischen – Kulturtagen Thüringen und ahavta-begegnungen
ALF im Erfurter Kontor mit Martin Kranz und Ricklef Münnich als Moderatoren

Die ACHAVA Festspiele Thüringen danken insbesondere der Thüringer Energie AG (TEAG) für ihre finanzielle Unterstützung bei der Durchführung.

Der Veranstalter bittet darum, geltende Hygiene- und Abstandsregelungen zu befolgen.


Die nächsten ACHAVA Festspiele Thüringen finden vom 19. September bis 3. Oktober 2021 statt.

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