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Mit Bürgersinn und Verantwortung zusammenstehen und dabei Abstand halten

Mit einem „Tübinger Appell“ wenden sich Oberbürgermeister Boris Palmer, der Erste Bürgermeister Cord Soehlke und Bürgermeisterin Dr. Daniela Harsch sowie Dr. Lisa Federle, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Tübingen, und Professor Dr. Michael Bamberg, Leitender Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Tübingen, an die Bevölkerung:

Liebe Tübingerinnen und Tübinger,

dieser November wird sich uns allen tief ins Gedächtnis einprägen. Die von Bund und Ländern angeordneten Verbote und Eingriffe in das Leben aller sind eine schwere Bürde. Nicht jede einzelne Maßnahme ist selbsterklärend, das Ziel aber ist klar: Die Zahl der nahen Kontakte mit anderen Menschen soll so weit wie möglich reduziert werden, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen.

Das fällt aus vielen Gründen schwer. Wir sind soziale Wesen und können ohne andere Menschen nicht leben. Gastronomie und Kultur werden wir sehr vermissen. Doch ist es ungewiss, ob die dadurch vermiedenen Kontakte ausreichen, die Dynamik der zweiten Welle zu brechen. Schulen, Kitas und viele Betriebe sind anders als im April nicht geschlossen. Es bleiben also sehr viel mehr Kontakte erhalten als im ersten Lockdown. Und jetzt wird es nicht Sommer, sondern Winter. Es ist daher zu befürchten, dass die Maßnahmen weit über den November hinaus verlängert und sogar verschärft werden müssen.

Damit wir mit den nun beschlossenen Entbehrungen die erhoffte Eindämmung des Corona-Virus erreichen, möchten wir an Sie alle appellieren, die neuen Regeln nicht nur zu respektieren, sondern einen Schritt weiter zu gehen: Fragen Sie sich auch bei jedem Kontakt, ob er nötig ist oder so gestaltet werden kann, dass ein Infektionsrisiko so weit wie möglich ausgeschlossen ist.

In Tübingen haben wir schon seit Monaten versucht, die Strategie der Kontaktreduktion durch eine zweite Säule zu ergänzen: den besonders intensiven Schutz der Risikogruppen. Schulen und Kitas offen zu lassen, ist für das Wohl unserer Kinder elementar wichtig. Damit wird es bei den Jüngeren aber unvermeidlich eine größere Zahl von Corona-Infektionen geben. Den Kindern und Jugendlichen wird das nach allem, was wir heute wissen, wenig anhaben können. Ganz anders sieht es aus, wenn sie die Infektion an die Generation der Großeltern weitergeben. Das müssen wir verhindern.

Aus diesem Grund haben wir in Tübingen besondere Konzepte zum Schutz der Älteren entwickelt und realisiert:

  • In der Stadt Tübingen haben wir schon Anfang September regelmäßige Corona-Tests des Personals in Alten- und Pflegeheimen eingeführt. Jetzt sind wir auch Vorreiter darin, vor Besuchen im Heim einen Schnelltest durchzuführen. Mit diesem Schutzkonzept hoffen wir, das tödliche Eindringen des Virus in die Heime weiterhin zu verhindern.
  • Seit April besteht die Möglichkeit für alle Menschen über 60 Jahre, ein Anrufsammeltaxi zum Tarif des TüBus zu nutzen – also ohne Aufpreis für die Inhaber von Dauerkarten und zum Preis von 2,50 Euro für alle anderen. Wir bitten alle Senioren, den TüBus im November nicht mehr zu benutzen und für die unabdingbaren Fahrten dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Wir bitten alle, die fit genug sind, nicht den Bus, sondern das Fahrrad zu nutzen, auch wenn es jetzt kälter wird.
  • Mit dem Handel- und Gewerbeverein haben wir im April vereinbart, ein Zeitfenster für die Risikogruppen beim Einkauf einzurichten. Diesen Appell wollen wir erneuern: Bitte überlassen Sie die Zeit von 9.30 Uhr bis 11 Uhr zum Einkauf all jenen, für die eine Infektion mit dem Virus eine große Gefahr bedeutet, und kaufen Sie zu anderen Zeiten ein, wenn Sie unter 65 sind und keine Vorerkrankungen mit großem Covid-19-Risiko tragen.
  • Schon im April haben wir die ältere Generation kostenfrei mit Masken versorgt. Damals waren nur Stoffmasken verfügbar. Nun sind auch medizinische Masken in ausreichender Zahl vorhanden. Die Stadt wird allen Menschen über 65 Jahren eine Erstausstattung dieser FFP2-Masken mit entsprechenden Informationen kostenlos zur Verfügung stellen. Wir bitten alle, die der Risikogruppe angehören – und das sind statistisch insbesondere alle Menschen im Seniorenalter: Schützen Sie sich selbst, vermeiden Sie wirklich alle unnötigen Kontakte und benutzen Sie nur noch medizinische Masken (FFP2), wenn Sie einen näheren Kontakt riskieren müssen.

Zur Kontaktreduktion und zum besseren Schutz für die Risikogruppe muss eine effektivere Kontaktverfolgung hinzukommen, damit der befürchtete Engpass in Krankenhäusern und auf den Intensivstationen sicher verhindert werden kann. Taiwan und Südkorea haben mit Einsatz modernster Technik die Kontaktverfolgung so optimiert, dass sie schneller sind als das Virus, und es komplett unter Kontrolle gebracht. Die deutsche Corona-Warn-App ist bisher leider weniger effektiv. Aber die App könnte einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie von mehr Menschen genutzt würde. Eine Verdopplung der Nutzerzahlen vervierfacht die Bremswirkung auf die Pandemie, da entsprechend mehr Menschen direkt gewarnt werden, wenn Kontakt zu einer infizierten Person bestand. Wenn Sie etwas für die Wiederöffnung von Gastronomie und Kultur wie auch für den Schutz der Älteren tun wollen, dann aktivieren Sie bitte spätestens jetzt die Corona-Warn-App.

Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, schützend um die Alten, Kranken und Schwachen zusammenzustehen und dabei Abstand zu halten. Das ist überaus herausfordernd, doch wir sind zuversichtlich, dass wir dies mit Bürgersinn und Verantwortung gerade in unserer Stadt schaffen werden.

Boris Palmer, Oberbürgermeister
Cord Soehlke, Erster Bürgermeister
Dr. Daniela Harsch, Bürgermeisterin
Dr. Lisa Federle, DRK-Präsidentin
Prof. Dr. Michael Bamberg, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums.

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