Anzeige
  • Tagung zum 100. Geburtstag der evangelischen Landeskirche in Thüringen
  • „Erst braun, dann rot?“ – umstrittene Geschichte wird diskutiert

Erfurt. Die Evangelische Akademie Thüringen organisiert vom 6. bis 8. November eine Tagung mit dem Motto „100 Jahre evangelische Landeskirche in Thüringen“ in der Tagungs- und Begegnungsstätte Zinzendorfhaus Neudietendorf sowie in Eisenach. Zum Programm gehören unter anderem Vorträge, Diskussionsrunden und Zeitzeugengespräche, das Landeskirchenarchiv präsentiert Tondokumente, Fotos und Filme, und die Festveranstaltung der EKM in Eisenach wird besucht. Die Tagung ist ausgebucht.

Im Jahre 1920 – bereits zweieinhalb Monate vor der Gründung des Landes – wurde die evangelische Landeskirche in Thüringen gegründet. „Sie erlebte eine wechselvolle Geschichte“, sagt Dr. Sebastian Kranich, Direktor und Studienleiter für Theologie, Geschichte und Politik der Evangelischen Akademie Thüringen. Erst habe die Landeskirche in der Zeit der Weimarer Republik als tolerant gegolten: konservative Lutheraner, liberale Protestanten, religiöse Sozialisten und deutsche Christen – alles sei vorhanden gewesen. Dann hätten mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten die „Deutschen Christen“ das Ruder übernommen. Später, in der DDR, sei der „Thüringer Weg“ unter Landesbischof Moritz Mitzenheim ebenso prägend wie umstritten gewesen. „Erst braun, dann rot“, zitiert Kranich die Kritiker.

„Die Thüringer Landeskirche ist ohne Einbettung in die sich wandelnde Gesellschaft überhaupt nicht zu verstehen. So geben die Zeiträume der politischen Geschichte den Rahmen vor, in dem die Kirchengeschichte auf der Tagung behandelt wird. Exemplarisch soll an prägenden Personen der Wechselbeziehung von Kirche und Gesellschaft nachgespürt werden“, erklärt der Tagungsleiter.

Die Tagung findet vom 6. bis 7. November in Neudietendorf statt. Zum Programm gehören Vorträge zu Themen wie „Ein Ort evangelischer Duldsamkeit?“ zum Pluralismus und Antipluralismus der 1920er Jahre und „Ein Hort der Deutschen Christen?“ zur NS-Zeit. Das Dissertationsprojekt „Die Thüringer Kirchenzeitung ,Glaube und Heimat‘ 1946-1989“ wird vorgestellt, und zu den Zeitzeugengesprächen kommen Landesbischof a.D. Roland Hoffmann, Pfarrerin i.R. Magdalena Seifert, KMD i.R. Alwin Friedel, Propst a.D. Hans Mikosch, Landesbischof a.D. Christoph Kähler, Superintendent Ralf-Peter Fuchs und Landesbischöfin a.D. Ilse Junkermann. Am Morgen des 8. November geht die Fahrt nach Eisenach zur Festveranstaltung der EKM anlässlich des Jubiläums.

Weitere Informationen im Internet: www.ev-akademie-thueringen.de

Anzeige