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Jena. Die Stadt Jena und Jenakultur fordern bereits seit dem Sommer eine landesweite Abstimmung hinsichtlich der Durchführung oder Absage von Weihnachtsmärkten. In der gestrigen Telefonkonferenz zwischen der Thüringer Staatskanzlei und den Thüringer Oberbürgermeistern und Landräten wurde diese für kommende Woche angekündigt.

Carsten Müller, der für die Märkte und Stadtfeste verantwortliche Co-Werkleiter von JenaKultur, sagt: „Diese kommunal übergreifende Diskussion kommt fast zu spät. Egal ob Absage oder Durchführbarkeit: Die Schausteller, Händler, Künstler und Gastronomen brauchen Planungssicherheit in einer ohnehin dynamischen Lage. Ihre wirtschaftlichen Risiken nehmen täglich zu. Was es unbedingt zu vermeiden gilt sind Einzelentscheidungen. Diese würden nur einen Weihnachtsmarkt-Tourismus befördern, der konträr zu den Bestrebungen der Pandemieeindämmung steht. Eine Durchführbarkeit unter allen Umständen, mit aufwendigsten Infektionsschutz-Konzepten halten wir ebenfalls für nicht zielführend. Die Erfahrungen des Altstadtfestes haben gezeigt, dass die Besucher ausschließlich geschlossene, überregulierte Veranstaltungsflächen nicht annehmen. Gleiches gilt für ein Glühwein-Verbot. Zu Lasten des Umsatzes der Händler und Gastronomen und zu Lasten des monetären Aufwandes auf Veranstalterseite.“ Weiter fügt Müller hinzu: „Die gegenwärtige Situation ist für unsere Weihnachtsmarkt-Partner unerträglich. Viele haben in 2020 noch keine Umsätze erwirtschaften können. Der existentielle Druck ist für sie massiv.“

Die ab Montag beginnende „Wellenbrecherphase“ hat die bereits schwierige Planungssicherheit final in den Bereich des Unmöglichen getrieben: „Weihnachtsmärkte werden mit einem theoretischen Beginn ab 1. Dezember nur noch dreiwöchig möglich sein. Unsere Partner würden allein dadurch eine Woche Umsatz verlieren.“, erklärt Müller.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche ergänzt: „Aus diesem Grund sollte die Thüringer Landesregierung sich für eine Berücksichtigung mindestens dieser Einnahmenverluste für Händler, Schausteller, Gastronomen und Kommunen in den angekündigten Kompensationspaketen der Bundesregierung stark zu machen.“

Die positive Diskussion zu den Verkaufsoffenen Sonntagen muss weitergeführt werden. Thomas Nitzsche ergänzt: „Wenn die Weihnachtsmärkte wegfallen, entfällt auch das bisher geltende Argument zu deren Durchführbarkeit. Der Einzelhandel in den Innenstädten ist aber ebenfalls durch die erneuten Einschränkungen massiv in seinem Betrieb und den Möglichkeiten der Umsatzerwirtschaftung betroffen. Hier ist eine zielführende Lösungsdiskussion unter Einbeziehung der Vertreter von Einzelhandel, Gewerkschaften und Kirchen unter Koordination des Thüringer Gesundheits- und Sozialministeriums dringend notwendig. Besondere Zeiten benötigen besondere Lösungen und vor allem den Willen zur Kompromissbereitschaft.“

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