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Hummelshain. Seit Jahren sorgen die ungeklärten Besitzverhältnisses des Neuen Jagdschlosses Hummelshain für Schlagzeilen: ein Nach-Wende-Verkauf trotz ungeklärter Besitzverhältnisse, ein insolventer Besitzer, Verfall und die Aussetzung der Fördermittel, enttäuschte Erben.

Die für den 5. November 2020 geplante Zwangsversteigerung, um den insolventer Schlossbesitzer zu ersetzen, stellt sich inzwischen als Rohrkrepierer heraus und ist zum Politikum geworden. Anfragen von Käufern aus aller Welt bekunden bereits Interesse, sodass dem 2017 eingestuften Kulturgut von nationalem Rang ein ähnliches Schicksal wie Schloss Reinhardsbrunn – Verkauf an eine russische Firma mit anschließendem Verfall über 20 Jahre – drohen könnte.

Um dies zu verhindern, schaltete sich vor einigen Tagen sogar der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) ein. Hoff appellierte an den insolventen Eigentümer, die geplante Zwangsversteigerung und damit eine ungewisse Zukunft des Schlosses zu verhindern. Einen möglichen Ausweg aus dem bevorstehenden Desaster bietet ein Vertreter aus der Erbengemeinschaft der im Zweiten Weltkrieg enteigneten Schlossbesitzer: „Der Abschluss des Verwaltungsgerichtsverfahrens zur Restitution hat Vorrang vor einer Zwangsversteigerung. Es ist älteres Recht.“

Durch Forschungsergebnisse über die NS-Enteignung erhielt das seit 1990 laufende Restitutionsverfahren neue Aspekte und scheint vielversprechend. Tatsächlich könnten jetzt die Interessen des Landes und der Anspruch der Erben eine gemeinsame Basis für eine sichere Zukunft des Schlosses bilden.

„Jegliche Zwangsversteigerung müsste ausgesetzt werden, bis das Restitutionsverfahren letztinstanzlich abgeschlossen ist.“, so der Vertreter der Erbengemeinschaft.

Der Freistaat Thüringen sollte zunächst die Verantwortung für das Schloss übernehmen und – bis die Besitzverhältnisse geklärt sind – es zurück in den Landesbesitz überführen. Dann könnten auch die bewilligten Fördergelder, deren Ausschüttung aufgrund der unklaren Besitzverhältnisse ausgesetzt ist, weiterfließen und der Förderverein begonnene Maßnahmen zur Erhaltung des überaus wichtigen Kulturgutes weiterführen.

Autor: Sören Groß

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