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Jena. Entgegen der oftmals beklagten Parkplatz-Not gibt es in Jena ausreichend freie Parkplätze – das ergab eine Bürgeranfrage im Stadtrat. Die bündnisgrüne Stadtratsfraktion fordert statt neuer Parkplätze Investitionen in zukunftsorientierte Mobilität sowie ein Park & Ride-System.

Aus der Antwort der Stadt auf die Bürgeranfrage von Dr. Christoph Nonnast „zur Auslastung der Parkflächen im Jenaer Zentrum“ geht hervor, dass derzeit 1.542 Kurzzeitparkplätze im Innenstadtbereich vorhanden sind. Hierzu zählen Parkplätze von Goethe Galerie, Eichplatz, Neuer Mitte, Holzmarkt, Seidelparkplatz, Krautgasse, City Carree sowie am Haeckelplatz.

Die Gesamtauslastung ist zu keinem der angefragten Zeitpunkte wochentags oder am Wochenende höher als 71 Prozent. Zusätzlich werden mit dem Bau des Wiesencenters und dem Parkhaus Inselplatz in Kürze bis zu 1.000 weitere Parkplätze entstehen – das ging aus der mündlichen Beantwortung durch den Stadtentwicklungsdezernenten im Stadtrat am 14. Oktober hervor. Rechnete man diese künftigen zusätzlichen Stellplätze mit ein, wären es sogar nur 43 Prozent maximale Auslastung gewesen.

Dazu erklärt Heiko Knopf, Fraktionsvorsitzender der bündnisgrünen Stadtratsfraktion: „Das zeigt, dass unsere Stadt entgegen einer oftmals beklagten Parkplatz-Not über mehr als ausreichend Parkraum verfügt.“ Die Stadtspitze müsse entsprechend dieser Zahlen reagieren und sollte Vorhaben wie eine teure zweite Ebene für die Tiefgarage am Eichplatz dringend überdenken. „Wir benötigen jetzt vor allem eine nachhaltige und zukunftsorientierte Mobilität, das heißt: In den Nahverkehr investieren und mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrende schaffen. Es wird immer zuerst für das Auto geplant und hinterher geschaut wo für Fußgänger*innen und Radfahrende noch Restflächen bleiben. Das kann so nicht bleiben.“ Es könnten kleinere Parkflächen wie in der Nähe des Universitätshauptgebäudes und am Haeckelplatz umgenutzt werden. Knopf fügt hinzu: „Der CO2-Ausstoß muss weiter reduziert werden und dazu brauchen wir endlich auch beim Thema Verkehr die Bereitschaft, die Signale der Zeit zu erkennen und das Ticket für mehr klimafreundliche Mobilität zu ziehen.“

Kathleen Lützkendorf, Ortsteilbürgermeisterin des Zentrums und Stadträtin von Bündnis 90/ Die Grünen, ergänzt: Es gebe vor allem im Bereich Verkehr noch viel Potenzial für mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum. Statt in Parkplätze in ein durchdachtes Park & Ride-System zu investieren, sei nicht nur finanziell und ökologisch nachhaltiger, sondern spare auch wichtige Flächen in der Innenstadt. Das Wichtigste an Park & Ride-Parkplätzen sei neben der Lage die eng getaktete Anbindung an den ÖPNV und die Möglichkeit, auch Fahrräder oder E-Bikes sicher abzustellen. Dies müsse eingeplant und gewährleistet sein. „Wir brauchen ein intelligentes und zukunftsweisendes Verkehrs- und Parkkonzept für unsere Stadt, das allen dient: den Anwohner*innen der Innenstadt und den Pendler*innen aus dem Umland.“

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