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Leipzig. Wie jeden Donnerstag im Oktober lädt das Bürgerkomitee Leipzig e.V. um 19.00 Uhr zu einem besonderen Filmabend in den ehemaligen Stasi-Kinosaal im Museum in der „Runden Ecke“. „Die Verriegelte Zeit“ ist eine Dokumentation der Regisseurin Sibylle Schönemann. Die sich kurz nach dem Mauerfall auf den Weg macht und die Orte ihrer Verfolgung uns Haft aufsucht und versucht mit den damaligen Tätern ins Gespräch zu kommen. Der Film zeigt die perfiden Seiten der SED-Diktatur und die Schwierigkeit Ihrer Aufarbeitung.

Filmreihe „Zeitgeschichte auf der Leinwand im ehem. Stasi-Kinosaal“ am 22. Oktober 2020

Seit September 2019 lädt das Bürgerkomitee Leipzig e.V. zu der neuen Filmreihe „Zeitgeschichte auf der Leinwand im ehem. Stasi-Kinosaal“ ein. In authentischen Räumen der früheren Stasi-Bezirksverwaltung werden dabei Dokumentar- und Spielfilme vorgeführt, die sich mit der kommunistischen Diktatur in SBZ und DDR und deren Beseitigung während der Friedlichen Revolution sowie der Aufarbeitung beschäftigen. Dieses neue Angebot der politischen Bildung soll dazu beitragen, die Erinnerung an das Unrechtsregime der DDR wach zu halten und für die mit der Friedlichen Revolution wiedererrungenen Werte – Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – zu sensibilisieren. Zugleich können die Filmvorführungen dazu beitragen, die Wahrnehmung des einst einschüchternden Ortes der Diktatur zu verändern. Während der Friedlichen Revolution wurde die „Runde Ecke“ zum symbolischen Ort der siegreichen Bürgerrechtsbewegung über die SED-Diktatur und ist heute ein Ort der Aufklärung und Vermittlung über diese Diktatur sowie deren Überwindung.

„Die verriegelte Zeit“ (1990, 94 Minuten)

„Bestimmte Ereignisse wollen gerne vergessen werden“, sagt Sibylle Schönemann. Zum Beispiel das, was ihr 1985 im Gefängnis, im thüringischen Hohenleuben, passiert ist. Deshalb befragte die Regisseurin 1990 diejenigen, die für ihre Haftzeit verantwortlich waren.

Sibylle Schönemann wollte die Leute mit der Kamera treffen, denen sie im Knast monatelang ausgesetzt war: Angefangen mit dem Vernehmer, dem Richter, bis zur so genannten Erzieherin. „Die haben sich darauf eingelassen. Ich vermute mal, weil sie sich die Chance auch nehmen wollten, ein gutes Bild zu vermitteln. Weil sie nicht wussten, wie wird die Zeit über sie urteilen.“ Die Gespräche mit den Verantwortlichen verliefen vielfach ernüchternd. Die meisten erklärten, „sie haben nur nach Gesetz gehandelt, das gemacht, was ihre Aufgabe war. Damit ist keine Verantwortung verbunden, niemand fühlte sich schuldig.“

Die Aufnahmen des Filmes entstanden 1990, noch vor der Öffnung der Stasi-Akten. Daraus wurde im gleichen Jahr der beindruckende Dokumentarfilm „Die Verriegelte Zeit“, der einen sehr authentischen Blick auf die gleich nach der Friedlichen Revolution beginnende Aufarbeitung und die Schwierigkeiten des Transformationsprozesse hin zu einem vereinigten Deutschland vermittelt.

Innerhalb des Gebäudes gelten die allgemeinen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen.

Die Filmreihe wird gefördert durch den Freistaat Sachsen aus dem Programm.

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