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  • „Hybride“ Lehrformate ermöglichen flexible Reaktion auf Infektionsentwicklung
  • Einbruch bei Zahl der Studienbewerber bleibt aus, Zahl der Studienanfänger aber noch unklar

Erfurt. Die Thüringer Hochschulen sind für das Wintersemester 2020/2021 gerüstet. Trotz wieder steigender Infektionszahlen sei er optimistisch, dass der Vorlesungsbetrieb in einer Mischung aus Präsenz- und digitalen Lehrformaten ohne größere Probleme stattfinden könne, sagte Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Carsten Feller nach einer Telefonschaltkonferenz mit den Leitungen der Thüringer Hochschulen, der Studierendenvertretung sowie dem Studierendenwerk. „Offensichtlich wird auch dieses Wintersemester kein ‚normales‘ Semester, aber zumindest ein Semester in neuer ‚Corona-Normalität‘ werden“, so Feller. So seien die Hochschulen diesmal besser vorbereitet als im letzten Sommersemester, als sie binnen kürzester Frist auf die Corona-Pandemie reagieren mussten. Das Wintersemester 2020/2021 ist offiziell bereits am 1. Oktober gestartet, die Vorlesungen beginnen an den meisten Hochschulen allerdings erst am 2. November.

Nach Auskunft der Hochschulen erreicht der Anteil der Präsenzlehre teilweise bis zu 60 Prozent des gesamten Studienangebots. Die Angebote richten sich dabei vorzugsweise an Studienanfänger (90 Prozent Präsenzveranstaltungen) oder Studierende kurz vor dem Abschluss und konzentrieren sich auf die Durchführung von (Labor-)Praktika und Übungen. Vorlesungen finden dagegen vorzugsweise digital, Seminare auch als „Hybridveranstaltung“ mit phasenweiser Präsenz und geteilten Gruppen statt. Um Infektionsschutzbestimmungen einhalten zu können, würden teilweise zusätzliche Räume angemietet und Lehrveranstaltungen auch an Samstagen angeboten. Dabei sei der organisatorische Aufwand für ein solches „Hybridsemester“ allerdings hoch, so der Staatssekretär: „Bei Bedarf muss der Präsenzanteil zurück- und der digitale Anteil hochgefahren werden, um flexibel auf das Infektionsgeschehen reagieren zu können. Das muss alles schon vorab geplant sein. Da vollbringen die Hochschulen jeden Tag eine organisatorische Meisterleistung.“

Bei der sie vom Land finanziell unterstützt werden: Bereits 2018 hatte das Wissenschaftsministerium gemeinsam mit den Hochschulen die „Thüringer Strategie zur Digitalisierung im Hochschulbereich“ aufgelegt. Im Zuge der laufenden Umsetzung dieser Strategie haben die Hochschulen bislang rund 3,5 Millionen Euro zur Digitalisierung in Forschung und Lehre erhalten. Zusätzlich dazu hatte das Land in der aktuellen Corona-Krise einen Sonderfonds „Digitale Lehre“ mit weiteren 2,2 Millionen Euro aufgelegt. „Thüringen hat frühzeitig damit begonnen, die Grundlage für eine durchgreifende Digitalisierung von Forschung und Lehre zu legen, auf der wir jetzt in der Krise aufbauen können“, so Feller.

Vorsichtig optimistisch sei auch die Rückmeldung der Landespräsidentenkonferenz zu den aktuellen Bewerberzahlen gewesen, so Feller weiter: „Es scheint so, als habe es entgegen den Befürchtungen hier zunächst keinen massiven Einbruch gegeben.“ Ein Indikator dafür könnten nicht zuletzt die insgesamt 31 zulassungsbeschränkten Studiengänge an den Thüringer Hochschulen sein: Auf die hier angebotenen gut 2.250 Studienplätze seien 12.766 und damit 1.150 mehr Bewerbungen eingegangen als im Vorjahr. „Allerdings sind Bewerbungen noch keine Immatrikulationen“, machte der Wissenschaftsstaatssekretär deutlich. Das gelte vor allem mit Blick auf die wichtige Gruppe der ausländischen Studienbewerber. „Auch hier gibt es unter dem Strich erfreulich viele Bewerber – aber dass angesichts der Corona-bedingten Visa-Probleme tatsächlich alle am 2. November alle in Thüringen sein werden, halte ich für unwahrscheinlich.“ Hier müssten sich die Hochschulen auf Rückgänge einstellen.

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