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Digitalisierte Geisteswissenschaft

Weimar. Ab dem 1. Januar 2021 wird das Projekt »Text-Bild-Gefüge. Digital Humanities und der Diskurs der Moderne« an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar für zwei Jahre mit insgesamt fast 400.000 Euro durch das Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG) gefördert. In diesem interdisziplinären angelegten Vorhaben arbeiten Forscherinnen und Forscher an den Professuren Theorie medialer Welten, Computer Vision in Engineering und Web Technology and Information Systems zusammen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln eine virtuelle Forschungsumgebung für digitale Bibliotheken, die eine computergestützte Analyse des Verhältnisses von Text und Bild ermöglichen wird. Leitende Annahme ist dabei, dass der Diskurs der Moderne sich seit Ende des 19. Jahrhunderts durch eine zunehmende Verzahnung von Text und Bild auszeichnet.

Das bewilligte Projekt ist im Bereich der »Digital Humanities« angesiedelt. Seit einigen Jahren gelten die Digitalen Geisteswissenschaften als beispielhaft interdisziplinäres Feld. Sie bringen geisteswissenschaftliche Disziplinen, wie etwa die Linguistik oder die Geschichtswissenschaft, in enge Verbindung mit technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen, wie Computer Science und Information Science. Das daraus entstehende Potenzial zur übergreifenden Zusammenarbeit zwischen einzelnen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, etwa der Literaturwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Medienwissenschaft, bleibt bisher allerdings weitgehend ungenutzt.

Dieses Potenzial soll nun an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar voll ausgeschöpft werden: Unter dem Titel »Text-Bild-Gefüge. Digital Humanities und der Diskurs der Moderne« soll eine virtuelle Forschungsumgebung entwickelt werden, die eine enge Verknüpfung von text- und bildzentrierten Themen und Techniken erlaubt. »Methodologisch orientiert sich das Projekt dabei an Foucaults Theorie der Diskursanalyse und den daran anschließenden Überlegungen und Verfahren zur Analyse von Bilddiskursen und -rhetoriken«, erklärt der Projektleiter Prof. Dr. Henning Schmidgen. Die Forschungsumgebung wird so den Zugriff auf einen digitalen Korpus von historischen Print-Quellen ermöglichen, die sowohl Texte als auch Bilder enthalten. Ausgangspunkt sind dabei wissenschaftliche Zeitschriften des späten 19. Jahrhunderts, z.B. die »Zeitschrift für Sinnesphysiologie« und »Philosophische Studien«. Mit Hilfe von flexiblen und lernfähigen Informationsextraktionsverfahren sowie Text- und Bildanalysetechnologien wird dieser Korpus dann systematisch erschlossen.

Die Richtlinie »Förderung der Forschung« des TMWWDG, durch welche das Projekt ab dem kommenden Jahr gefördert wird, dient der Unterstützung und dem nachhaltigen Ausbau von Forschungsschwerpunkten an Thüringer Hochschulen sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Mit der Förderung von »Text-Bild-Gefüge. Digital Humanities und der Diskurs der Moderne« wird neben den klassischen MINT-Bereichen nun auch ein Projekt in den Geisteswissenschaften gefördert.

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