Unbekannt, Ella Bergmann-Michel mit 35mm-Kinamo-Kamera, Schwarz-Weiß-Fotografie, 1932 oder später, Sprengel Museum Hannover, Archiv Robert Michel und Ella Bergmann-Michel, Schenkung aus dem Nachlass der Künstler © Sünke Michel
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Neue Ausstellung im Bauhaus-Museum Weimar zeigt „Weggefährtinnen der Moderne“

Weimar. Vom 3. Oktober 2020 bis 4. Januar 2021 stellt das Bauhaus-Museum Weimar die Avantgarde-Künstlerinnen Magda Langenstraß-Uhlig (1888–1965) und Ella Bergmann-Michel (1895–1971) vor. Die Ausstellung „Weggefährtinnen der Moderne“ zeigt graphische Arbeiten, Malerei, Filme sowie biographische Zeugnisse der beiden Frauen, deren künstlerische Karrieren bereits an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Künste, der Vorgängerinstitution des Weimarer Bauhauses, begannen. Die rund 60 Objekte spiegeln die Entwicklung der Künstlerinnen vom Expressionismus bis zum Futurismus, Surrealismus und Konstruktivismus wider.
Angefangen mit der Ausstellung „Weggefährtinnen der Moderne“ stellt die Klassik Stiftung künftig Werke und Biographien von Frauen am Bauhaus in den Fokus. Eine Überblicksschau zu Biographien von „vergessenen Bauhäuslerinnen“ ist für Herbst 2021 geplant.

Vor dem Bauhaus studieren Magda Langenstraß-Uhlig und Ella Bergmann-Michel an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Künste in Weimar und gehören damit zu den ersten Frauen, die an einer deutschen Kunsthochschule eingeschrieben sind. Der „Mythos Bauhaus“ überdeckt leicht, dass Frauen schon ab 1902 in Weimar Kunst studieren können.

Magda Langenstraß-Uhlig zeichnet während des Ersten Weltkrieges in verschiedenen Lazaretten und stellt nach dem Krieg gemeinsam mit Kurt Schwitters in der Berliner Galerie „Der Sturm“ aus. Sie arbeitet zunächst expressionistisch und beschäftigt sich später vor allem mit abstrakter Kunst. Ihr starkes Gespür für Rhythmus und Bildkomposition zeigt sich in ihren Textilentwürfen, die am Bauhaus entstehen. Ein Aquarell, dessen Farbabstufungen sich rhythmisch von Blau zu Grün bewegen, ist in der Ausstellung zu sehen. Die alleinerziehende Mutter erhofft sich vom Studium am Bauhaus nicht zuletzt, mit ihrer Kunst Geld zu verdienen.

Ella Bergmann-Michel entwickelt sich – beeinflusst von Dadaismus, Futurismus und Surrealismus sowie vom Bauhaus – ab den 1930er-Jahren zu einer sozial engagierten Filmemacherin. Fünf dokumentarische Filme, die im Umfeld des „Neuen Frankfurt“ entstehen und in der Ausstellung zu sehen sind, geben einen Einblick in die sozialen und politischen Verwerfungen der späten Weimarer Republik. Daneben zeigen Werke wie die frühe Collage „Sonntag für Jedermann“ den innovativen Stil der Künstlerin, die noch vor Kurt Schwitters mit „gefundenen Materialien“ arbeitet.

Die vielversprechenden Karrieren der beiden Frauen erfahren einen Bruch in den Jahren 1932/33, als ihre künstlerische Arbeit verboten oder als „entartet“ diffamiert wird. Ella Bergmann-Michel verarbeitet diese Zeit des „Abtauchens“ in ihren sogenannten Unterwasser-Zeichnungen. Beide versuchen später, an ihre früheren Errungenschaften anzuschließen und ihr Werk weiterzuentwickeln. Erst seit den 1970er-Jahren wird das Oeuvre von Magda Langenstraß-Uhlig und Ella Bergmann-Michel nach und nach wiederentdeckt und einem breiteren Publikum vorgestellt.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, für Dezember ist eine Podiumsdiskussion zum Thema Bauhaus-Frauen und Frauen im akademischen Betrieb heute in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar geplant.


Ausstellungsdaten
Weggefährtinnen der Moderne. Magda Langenstraß-Uhlig und Ella Bergmann-Michel
3. Oktober 2020 bis 4. Januar 2021
Mo–So | 9.30–18 Uhr
Bauhaus-Museum Weimar | Sonderausstellungsfläche (3. OG)
Stéphane-Hessel-Platz 1 | 99423 Weimar
Die Ausstellung ist im Eintritt für das Bauhaus-Museum inbegriffen.

Kurator*innenführungen
11. und 25. Oktober, 22. November 2020, 3. Januar 2021 | jeweils 11 Uhr
3 Euro zuzüglich Eintritt

Vortrag
Ella Bergmann-Michels filmisches Werk
Vortrag von Kristina Jaspers, Deutsche Kinemathek Berlin
7. November | 18 Uhr
Bauhaus-Museum Weimar

Podiumsdiskussion
Bauhaus-Frauen – Eine „Klasse für sich“?
Podiumsdiskussion mit Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar
16. Dezember | 18 Uhr
Bauhaus-Museum Weimar

Publikation
Ute Ackermann, Ulrike Bestgen, Stephan Dahme (Hg.), Frauen am Bauhaus: Magda Langenstraß-Uhlig und Ella Bergmann-Michel. Bauhaus / Aspekte, Publikationsreihe des Bauhaus-Museums, Klassik Stiftung Weimar, 2020.
ISBN: 978-3-7443-0401-6
Preis: 8 Euro

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