Gedenkveranstaltung am 19. September im ehem. sowjet. Speziallager Nr. 2 Buchenwald

Gorodilova, gemeinfrei
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Sowjetisches Speziallager Nr. 2 Buchenwald:
Einrichtung vor 75 Jahren, Auflösung vor 70 Jahren, Beginn der Aufarbeitung seiner Geschichte vor 30 Jahren

Weimar. Im August 1945 richtete die sowjetische Besatzungsmacht in Teilen des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald das Speziallager Nr. 2 ein. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 12.000 Gefangenen waren dort bis Februar 1950 insgesamt 28.500 Menschen interniert. Zumeist handelte es sich um lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche und Denunzierte befanden sich unter ihnen. Mehr als 7.000 Menschen starben an Unterernährung und Krankheiten. Die Familien erhielten keinerlei Nachricht über den Verbleib ihres Angehörigen, auch keine offizielle Benachrichtigung im Falle des Todes. 1950, kurz nach der Gründung der DDR, wurde das Lager aufgelöst. Erst seit 30 Jahren, in Folge der Friedlichen Revolution 1989/90, kann offiziell an das Lager erinnert und dessen Geschichte aufgearbeitet werden.

Die diesjährigen „Tage der Begegnung“ erinnern an die Einrichtung des Speziallagers Nr. 2 vor 75 Jahren, dessen Auflösung vor 70 Jahren und den Beginn der Aufarbeitung seiner Geschichte am Ort des Geschehens vor 30 Jahren.

Die Initiativgruppe Buchenwald 1945-50 e.V., vertreten durch die Vorsitzende Heidrun Brauer, lädt am Samstag, dem 19. September 2020, um 10.00 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung mit ökumenischem Gottesdienst auf dem Trauerplatz Speziallager in der Gedenkstätte Buchenwald ein. Nach Begrüßungen durch Heidrun Brauer und Dr. Julia Landau, Kustodin für die Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in der Gedenkstätte Buchenwald, werden Tina Beer, Staatssekretärin für Kultur in der Thüringer Staatskanzlei, Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Peter Kleine, Oberbürgermeister der Stadt Weimar, und Rolf Staudte, Mitglied des Beirates ehemaliger Internierter des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 an der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie 1. Vorsitzender der Initiativgruppe Buchenwald 1945-50 e. V., das Wort ergreifen.
Um 14.15 Uhr findet in der Gedenkstätte Buchenwald eine thematische Führung zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers statt (Treffpunkt: Besucherinformation). Die Teilnahme ist kostenfrei.

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Aufgrund der Corona-Pandemie sind Begegnungen und Diskussionen in diesem Jahr nur sehr eingeschränkt möglich. Um das gesundheitliche Risiko für die Teilnehmer:innen so gering wie möglich zu halten, sind bei den Veranstaltungen und Angeboten die Regeln zum Infektionsschutz (Abstandsregeln, Aufnahme der Kontaktdaten, Mund-Nase-Bedeckung im geschlossenen Raum) zu beachten.

Aus Anlass der „Tage der Begegnung“ veröffentlicht die Gedenkstätte zwei neue Publikationen zur Auseinandersetzung mit dem sowjetischen Speziallager Nr. 2:
Zum einen wirft eine neue, digitale Präsentation in sechs Kapiteln Schlaglichter auf die wechselvolle Aufarbeitung der Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 seit 1989/90:
www.speziallageraufarbeitung.de (ab Samstag, dem 19. 9. frei geschaltet).
Zum anderen wurde der Katalog der ständigen historischen Ausstellung zur Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in seiner dritten Auflage in Gänze neu gestaltet, aktualisiert und um einen historischen Umriss der Geschichte der Aufarbeitung ergänzt. Er stellt die Dokumente, Fotografien, Objekte und Berichte der Ausstellung in den historischen Kontext und gibt so Gelegenheit, Erkenntnisse zur Geschichte der sowjetischen Speziallager zu gewinnen, die sich aus dem konkreten Wissen der historischen Primärquellen speisen.


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