Tonnenwächter Michi wacht in Sachsen auf Biomüll ohne Plaste

Screenshot: www.bio-ohne-plaste.de
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Kampagne für qualitativ hochwertigen Bioabfall startet: Umweltminister Günther übernimmt Schirmherrschaft

Dresden. Unter dem Motto #BioabfallohnePlaste wird in vielen Teilen Sachsens ab sofort für hochwertigen Bioabfall geworben. Wolfram Günther, Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, gab heute als Schirmherr den Startschuss für die Kampagne der Initiatoren aus den kreisfreien Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig, dem Landkreis Leipzig sowie dem Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen. Gemeinsam setzen sie sich unter der Dachmarke „Ihre kommunale Abfallwirtschaft“ für Bioabfall ohne Plaste ein. „Bioabfälle sind wertvolle Rohstoffe, die unter anderem zur Erzeugung von Kompost genutzt werden. Als wertvolle Humus- und Nährstoffquelle ersetzt Kompost teilweise chemisch-synthetische Düngemittel. Weil Plaste oder andere Reststoffe nicht in den Boden oder in die Landschaft gehören, müssen Bioabfälle sortenrein gesammelt werden. So wie eine saubere Getrenntsammlung von Bioabfall für Eigenkompostierer selbstverständlich ist, soll das auch für alle diejenigen eine Selbstverständlichkeit werden, die ihren Bioabfall in der Biotonne sammeln! In diesem Sinne unterstütze ich die Kampagne und wünsche ihr größtmöglichen Erfolg“, erklärt Wolfram Günther.

Bioabfall ist ein wichtiger Rohstoff, aus dem hochwertiger Kompost oder wertvolles Biogas gewonnen werden. „Dieser Kreislauf funktioniert allerdings nur, wenn keine Fremdstoffe in der Biotonne landen. Insbesondere Plastetüten sind für die Verwerter ein Problem, denn diese können nicht vollständig in der Kompostier- beziehungsweise Vergärungsanlage aussortiert werden und können als Mikroplastik in die Natur und damit auch in die Nahrungskette gelangen“, betont Heiko Rosenthal, Verbandsvorsitzender des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Westsachsen. Gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz sind seit 2015 überlassungspflichtige Bioabfälle flächendeckend getrennt zu sammeln. Insbesondere Plastetüten erschweren den Verwertern die Nutzung des Bioabfalls. Nur sortenreiner Bioabfall kann verwertet und damit der Kreislauf geschlossen werden.

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Im Mittelpunkt der Kampagne steht Tonnenwächter Michael. Seine Mission ist es, die Biotonnen von Plaste und anderen Fremdstoffen zu befreien. In Anlehnung an einen Türsteher soll Michi zukünftig die Biotonnen bewachen und nur organische Abfälle hinein lassen. Bewusst haben sich die Initiatoren gegen eine Hochglanz-Kampagne entschieden. „Die Optik des fiktiven Charakters Michi ist grob und ohne Feinheiten und erinnert an Linol- beziehungsweise Holzschnitt. Er passt damit zur heutigen umweltbewussten Do-it-yourself-Gesellschaft“, betont Dirk Behrendt, Betriebsleiter des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebes der Stadt Chemnitz. „Mit seinem Charakter und seiner Gestaltung soll es Michi schaffen, die Bürgerinnen und Bürger für sich einzunehmen und eine Verhaltensänderung erreichen.“ Dafür wurden bereits Biotonnen-Aufkleber, Aufsteller, die Microsite www.bio-ohne-plaste.de und eine Videosequenz von der Leipziger Agentur Klickkomplizen erstellt.

Dass eine Verhaltensänderung dringend notwendig ist, zeigen die Ergebnisse der Leipziger Bioabfallanalyse 2019/2020. „Wir haben den Bioabfall in jeder Jahreszeit und in unterschiedlichen Bebauungsstrukturen analysieren lassen“, fasst Elke Franz, Kaufmännische Betriebsleiterin des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig. „Pro Einwohner, die an die Bioabfallentsorgung angeschlossen sind, haben wir eine Menge von durchschnittlich 40 Kilogramm Bioabfall. Davon sind 68 Prozent Küchenabfälle, 28 Prozent Gartenabfälle und 4 Prozent Fremdstoffe. Insbesondere bei den Großwohnanlagen mit 5,9 Prozent und bei den Mehrfamilienhäusern mit 3,5 Prozent ist die Fremdstoffquote auf einem viel zu hohen Niveau.“

Mit der Kampagne wollen die Akteure noch stärker darauf aufmerksam machen, was mit dem Bioabfall passiert und wie jeder zu Hause einfach trennen kann. „Niemand möchte in seinem Garten oder auf den Feldern Kunststoffreste sehen“, weiß Raimund Otteni, Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Oberes Elbtal „Dabei ist die Trennung sehr einfach: Wer daheim den Bioabfall nicht in Zeitungspapier einwickeln möchte, kann auch in der Küche die organischen Reste in einer Kunststofftüte sammeln. Dann muss diese Tüte aber über der Biotonne ausgeschüttet werden, denn nur die Inhalte sind biologisch abbaubar. Auch Kunststofftüten aus Maisstärke oder anderen biologisch abbaubaren Rohstoffen haben in der Biotonne nichts zu suchen, da die Zersetzung viel länger dauert, als die Verarbeitung des Bioabfalls in einer Verwertungsanlage.“


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