Landtagspräsidentin zum 20. Jahrestag der Ermordung des ersten NSU-Opfers

Marktplatz

Erfurt. Aus Anlass des 20. Jahrestags des ersten Mordanschlags des NSU gedenkt Landtagspräsidentin Birgit Keller der Opfer des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds. Am 9. September 2000 war der Blumenhändler Enver Simsek in Nürnberg in seinem Kleintransporter beim Sortieren von Blumen mit neun Kugeln niedergestreckt worden. Der 38 Jahre alte Familienvater starb zwei Tage später an den Folgen des Anschlags.

„Zehn Morde, 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle – dass eine solche Serie rechten Terrors möglich war, ist und bleibt schändlich“, so Landtagspräsidentin Birgit Keller. „Noch immer sind wir tief betroffen und bewegt. Wir gedenken der Opfer und fühlen mit ihren Angehörigen und Freunden. Ihnen wurde unermessliches Leid zugefügt; zum einen durch die Taten selbst und zum anderen durch das Handeln von Behörden, die die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannten oder willentlich ignorierten.

Mit seinen beiden Untersuchungs-Ausschüssen hat der Thüringer Landtag einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung des Rechtsterrorismus und des Behördenhandelns geleistet. Doch viele Fragen sind noch ungeklärt. Die Aufarbeitung muss weitergehen und die Taten dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb begrüße ich es, dass die Landesregierung der Bitte des Landtags folgt, den Opfern des NSU eine Erinnerungsstätte in Erfurt zu erreichten.“

Marktplatz

Darüber hinaus warnt Landtagspräsidentin Keller vor der weiterhin bestehenden Bedrohung von rechts: „Auch wenn es das Trio um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nicht mehr gibt, ist die Bedrohung durch den Rechtsterrorismus nicht aus der Welt. Im letzten Jahr erschütterten uns der Anschlag in Halle, der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dieses Jahr der Anschlag in Hanau. Wir alle sind weiterhin aufgefordert, rechter Gewalt, Rassismus und Hetze entschieden entgegenzutreten.“


Marktplatz