Alte Feuerwache Weimar reicht 2. Bauantrag ein

Visualisierung der geplanten Baumaßnahmen, © Felix Raue
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Weimar. Die Alte Feuerwache ist derzeit pandemie-sicherer Spielort des Kunstfestes Weimar. Im Hintergrund schreiten die Planungen für den Umbau voran. Am Montag, den 24. August 2020, reichte Franziska Bernstein, Geschäftsführerin der Alte Feuerwache Weimar Projekt GmbH, den zweiten Bauantrag für das gleichnamige Quartiersprojekt bei der Stadtverwaltung ein.

„Der zweite Bauantrag beschreibt den Um- und Ausbau der ehemaligen Fahrzeugremise und des Verwaltungsbaus hinter dem Turm. Hierfür haben wir das auf Holzbau spezialisierte Planungsbüro raum33 aus Weimar beauftragt.“, erklärt Bernstein. Wie schon bei der Sanierungsplanung der Gründerzeithäuser in der Erfurter und Mozartstraße entstand auch dieser Entwurf in enger Abstimmung mit der Mietergemeinschaft und dem Landesverwaltungsamt, denn auch im zweiten Bauabschnitt sollen förderfähige Sozialwohnungen entstehen.

„Indem wir die alten Dächer der Remise sowie des Verwaltungsbaus hinter dem Turm zurückbauen und durch zwei Stockwerke in Holzständerbauweise ersetzen, können wir Großteils barrierefreie und sogar rollstuhlgerechte Wohnungen bauen. In den denkmalgeschützten Gründerzeithäusern ist dies nicht möglich.“, erklärt Anne Lippmann, Vorstand im Hausverein und Mitglied der AG Planung: „Unsere zwei rollstuhlgerechten Wohnungen möchten Klienten des Lebenshilfe-Werks beziehen, seit 2017 unser Partner. Die barrierefreien Wohnungen sind dank Fahrstuhl gerade für ältere Menschen geeignet, womit wir unserem Anspruch, für alle Generationen zu bauen, gerecht werden.“

Die hofzugewandten Fassaden des Turms und des Verwaltungsbaus sind denkmalgeschützt, ebenso die acht Toreinfahrten der Remise. Diese für den Hof stilprägenden Bauten bleiben erhalten und erinnern auch zukünftig die Besucher an die Geschichte der Feuerwache. Die Gewerbeflächen dahinter sollen jedoch zeitgemäß umgenutzt werden. So plant zum Beispiel die EVG die Eröffnung eines Frischemarkts in einem Teil der Remise. Weitere Flächen sollen gezielt an gemeinwohl-orientierte Projekte und Initiativen vermietet werden.

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„Das soziale Herzstück unseres Quartiersprojektes wird allerdings der Multifunktionssaal mit angeschlossenem Kiezcafé westlich des Schlauchturms.“, betont Lippmann. „Durch Wiederaufbau der eingestürzten Hetzer-Halle mit einem modernen Holz-Bogendach und Nutzung als barrierefreier multifunktionaler Veranstaltungsraum beleben wir den Geist des Ortes neu. Vor der Halle entsteht ein Café, dessen Räume je nach Veranstaltung mitgenutzt werden können.“

Die endgültige Nutzung des Turms ist hingegen noch offen. Derzeit sind nur notwendige Sicherungsmaßnahmen im Finanzierungsplan eingestellt. Für den denkmalgerechten und deshalb kostenintensiven Ausbau des Turms werden derzeit noch Fördermittel akquiriert.

Die Finanzierung der gesamten Umbaumaßnahmen auf dem Gelände der Alten Feuerwache erfolgt zum größten Teil über Bankdarlehen, welche die kommenden Jahrzehnte über die Mieteinnahmen der Wohn- und Gewerbeflächen zurückgezahlt werden. Die Eigenmittel akquiriert die Bürgerinitiative über Direktkredite. Dies sind Nachrang-Darlehen, welche der GmbH von Unterstützerinnen und Unterstützern privat geliehen werden.

„Bisher haben über 130 Menschen aus ganz Deutschland das Quartiersprojekt mit einem Direktkredit unterstützt.“, freut sich Geschäftsführerin Bernstein. „Die Hälfte der Direktkredit-Geberinnen und -Geber kommen aus Weimar. Die andere Hälfte verteilen sich über ganz Deutschland. Aktuell beläuft sich die Summe aller Direktkredite auf 1,05 Millionen Euro und wöchentlich kommen neue Anfragen hinzu. Wir freuen uns über die große Resonanz in der Bevölkerung. Da macht die ehrenamtliche Koordination von Corona-Kino und Kunstfest gleich doppelt so viel Spaß.“

Am Quartiersprojekt interessierte Menschen können sich zu samstäglichen Führungen am 12. September und 26. September ein Bild vor Ort machen. Treffpunkt jeweils 11:00 Uhr auf dem Hof der Feuerwache.


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