Tag des offenen Denkmals erstmals digital

Leipzig. Mit einer digitalen Kampagne will die Stadt auf ihre eher versteckten Kulturdenkmale hinweisen. Anlässlich des bundesweiten Tages des offenen Denkmals im September sind die Leipzigerinnen und Leipziger zudem aufgerufen, über soziale Kanäle unter dem Hashtag #denkmalLE ihr Lieblingsdenkmal miteinander zu teilen. Aufgrund der Corona-Pandemie verlagert sich der diesjährige Aktionstag damit in den digitalen Raum. Der bundesweite Ausrichter – die Deutsche Stiftung Denkmalschutz – hatte die üblichen Vor-Ort-Veranstaltungen zum 13. September abgesagt und das digitale Format vorgegeben.

In Kurzfilmen stellen verschiedene Leipziger Paten nun ihr Denkmal vor – unter den Testimonials sind etwa Eigentümer, Mitarbeiter des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, aber auch Restauratoren und Vereinsmitglieder. Den Zuschauerinnen und Zuschauern soll so ein persönlicher Zugang zu den Denkmalen gewährt werden, ein Blick hinter die Kulissen, der auch an einem regulären Tag des offenen Denkmals oftmals verborgen bleibt. „Wir wollen zudem auch auf ‚kleine‘ Kulturdenkmale hinweisen, die in der Regel zum Aktionstag nicht präsentiert werden“, sagt Amtsleiterin Kathrin Rödiger. Die Filme sind ab 1. September sukzessive auf dem städtischen Facebook- und Instagram-Kanal zu sehen, zudem sind sie dann online abrufbar unter www.leipzig.de/offenes-denkmal/.

Mit rund 15.000 Einzeldenkmalen ist Leipzig eine der denkmalreichsten Großstädte Deutschlands – unter anderem, weil in Sachsen keine Flächendenkmale und Ensembles ausgewiesen werden, sondern jedes Objekt einzeln gezählt wird. Zudem wurde zwischen 1949 und 1989 nicht so viel Bausubstanz in Leipzig abgerissen, wie in vergleichbaren anderen Städten. Und obwohl Leipzig eine wachsende Stadt ist, werden beispielsweise Industriedenkmäler nachgenutzt und müssen nicht etwa Wohnungen weichen.

Auch kommen in Leipzig jährlich neue Denkmalausweisungen hinzu – etwa weil inzwischen auch Bauwerke der späten DDR-Architektur oder postmoderne Bauten der Nachwendezeit unter Schutz gestellt werden. So unter anderem der Plastikgarten, der in 1980er Jahren als Dauerausstellungsfläche unter freiem Himmel entstand und als Verbindung wirkt zwischen Johannapark und Innenstadt. Auch der in den Jahren nach 1982 geschaffene Erholungspark Dölitz-Dösen mit Pergolen, Skulpturen, Spielflächen sowie der Gaststätte „Zur Schäferei“ am Schäferteich ist mittlerweile als Kulturdenkmal eingetragen.

Die Filme im Überblick:

Als technisches Denkmal im Denkmal gut versteckt aber von vielen Leipzigern geliebt ist der Paternoster im Neuen Rathaus der Stadt Leipzig. Klaus Jestaedt, Abteilungsleiter der Denkmalschutzbehörde erklärt: 1986 wurde er durch das Aufzugswerk Leipzig ins Neue Rathaus eingebaut. Der Paternoster erschließt mit 15 Kabinen insgesamt sechs Geschosse vom Keller bis zur vierten Etage. Dabei hängen die Kabinen wie bei einer Perlenkette aneinander – weshalb er als pater noster „Vaterunser“ bezeichnet wird. Der Aufzug ist ein gutes Beispiel dafür, dass das Rathaus im Laufe seiner über 100-jährigen Baugeschichte immer wieder an die veränderten (Arbeits-)Verhältnisse angepasst wurde.

Das Buddehaus in der Lützowstraße 19 ist seit 1993 ein wichtiges Soziokulturelles Zentrum in Leipzig-Gohlis. Jürgen Schrödl, der Leiter des Buddehauses, vermittelt im Kurzfilm fachkundig die Fakten zum Denkmal: Ursprünglich wurde die prachtvolle Villa 1890/91 im Stil der Neurenaissance als Wohnhaus der Familie Bleichert errichtet. Das Gebäude mit Garten und Brunnen ist ein Paradebeispiel einer Fabrikantenvilla in unmittelbarer Umgebung der Produktionsstätte – Bleichert gründete 1874 ein Unternehmen für Drahtseilbahnen. Das ehemalige Werksgelände liegt genau gegenüber.

Die Urban-Kreuztbach-Orgel ist Teil der Sommerfelder Kirche am Arnoldplatz in Leipzig-Engelsdorf. Ursprünglich wurde das Instrument 1861 für die Kirche in Bad Lausick erbaut und nach Kriegsverlust der Sommerfelder Orgel dorthin 1957 umgesetzt. Im Film erklingt sie durch Kantor Wolfgang Bjarsch und Pfarrer i. R. Johannes Ulbricht erläutert, weshalb ihre Restaurierung mit Fördermitteln des Freistaates Sachsen nun sehnsüchtig erwartet wird.

An der Ecke von Lützner und Saalfelder Straße findet sich ein so genannter „Linienverzweiger“ der Deutschen Reichspost. Hier wurden Hauptkabel aus der Telefon-Zentrale in mehrere Kabel aufgefächert, die dann auf kleinere Kabelverzweiger – für mehrere Wohnhäuser – zuliefen und schließlich an den einzelnen Sprechstellen in Endverzweigern mündeten. Uwe Buckendahl, Mitglied des Lindenauer Stadtteilvereins e. V., stellt den um 1925 im Auftrag der Deutschen Reichspost errichteten Linienverzweiger vor.

Das künftige Gymnasium in der Karl-Heine-Straße in Leipzig-Plagwitz wurde zwischen 1927 und 1929 im Stil des Neuen Bauens errichtet. Die Pläne schuf Stadtbaurat Hubert Ritter und setzte dabei Gestaltungsideen um, die damals als revolutionär galten: etwa das Weglassen eines Lehrerkatheders und bewegliche Schultische. Schuldirektorin Mandy Frömmel führt über die Baustelle, auf der zum Schuljahr 2021/22 ein campusartiges Gelände entsteht.

Eines der jüngsten eingetragenen Kulturdenkmale der Stadt Leipzig ist der Dorotheenplatz mit der gestalteten Platzsituation sowie den als Einzeldenkmalen geführten Plattenbauhäusern. Der Baukomplex entstand von 1983 bis 89 auf dem Gelände des untergegangenen barocken „Apels Garten“. Die postmodernen Plattenbauten mit teilweise vorgelagerten Arkadengängen und Erkern nehmen Bezug auf die im Krieg verlorene Gründerzeitbebauung. Juliane Richter ist Denkmalpatin – sie hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Geschichte der Anlage beschäftigt.

Die 1922 als hölzerne Fachwerk-Konstruktion errichtete Tribüne des Bruno-Plache-Stadions von LOK-Leipzig ist als eine der „letzten ihrer Art“ in gutem Zustand erhalten und wird bis heute in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Als Denkmal vorgestellt wird die Tribüne von Thomas Löwe, dem Präsidenten des geschäftsführenden Vorstandes von LOK-Leipzig.

Lieblingsdenkmal von Kathrin Rödiger, der Amtsleiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, ist die Reklametafel „Milchbar Pinguin“. Der Schriftzug und das namensgebende Tier wurden 1964 am Wohn- und Geschäftshaus in der Katharinenstraße 2 im Zentrum der Stadt angebracht. Die Werbung ist eines der wenigen erhaltenen Exemplare, der seit den 1950er Jahren großflächig in der Messestadt angebrachten Leuchtwerbung.

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