»Apoll«: APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD vergibt Preis für Fashion Clips

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Weimar | Apolda. Insgesamt fünf Preise und zwei Lobende Erwähnungen vergab die Jury des »Apoll« an internationale Studierende der Medienkunst / Mediengestaltung. Ausgezeichnet wurden Modefilme, die im Rahmen des APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD 2020 entstanden sind. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die aufwändige Fashion-Show nicht realisiert werden. Nun sollen die Fashion Clips die Ergebnisse des Awards in die Welt tragen.

Alle drei Jahre reisen die zwei der besten Modedesign-Absolventen ausgesuchter europäischer Modehochschulen nach Apolda. Anlass ist der APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD, auf dem die besten Nachwuchskollektionen der Europäischen Mode-Hochschulen ausgezeichnet werden. Die Veranstaltung mit aufwändiger Modenschau konnte in diesem Jahr pandemiebedingt nicht stattfinden. Die langjährige Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar ruhte trotzdem nicht: »Gerade weil die große Fashion-Show vor Publikum in Apolda in diesem Jahr ausfallen musste, war es für unsere Media-Art-and-Design-Studierenden umso wichtiger, für die besten jungen Kollektionen überzeugende Mode-Filme zu produzieren, wenn auch unter schwierigen Bedingungen«, beschreibt es Prof. Wolfgang Kissel. »Wir hoffen mit den wirklich gelungenen Filmen, die nun entstanden sind, den europäischen Mode-Nachwuchs online bekannter zu machen.«

Die Studierenden des Studiengangs Medienkunst / Mediengestaltung übersetzten die die für den APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD nominierten Modekollektionen in aufregende kurze Modefilme. Um auch die Arbeit der Filmschaffenden zu würdigen, wurde in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal der »Apoll« von den Veranstaltern des Awards ausgelobt. Folgende Preise, die mit jeweils 200 Euro dotiert sind, wurden vergeben:

Platz 1: »Smile Or Die« von Kristin Jakubek und Alena Kroker
Die Kollektion der finnischen Nachwuchsdesignerin Mirjami Nyman von der Aalto University Helsinki inspirierte die beiden Filmemacherinnen zu der dystopischen Vision einer Welt, in der jedes Lächeln verboten ist. In präzisen Bildern, einem stilistisch stringenten Ausstattungskonzept und einem brillanten Casting entfaltet das Werk die eindringliche Atmosphäre eines Ortes, in dem Emotionen nichts verloren haben – in blasser Farbigkeit. Die Ambivalenz und Vielschichtigkeit, mit der das Regie-Duo und Team die Kollektion in bewegte Bilder, bewegende Klänge und abstrakte Räumlichkeiten übersetzt, überzeugte die Jury.
»Smile or Die« auf Vimeo: https://vimeo.com/443995214

Platz 2: »n´existent« von Ivan Djambov
Präzise arrangiert, eindeutig geleuchtet und auf den Punkt inszeniert bringt uns dieser Clip in kontrastreichem schwarz-weiß unweigerlich ins Hollywood der 40er- und 50er-Jahre und komprimiert eine Gangster-Geschichte im Stil des Film Noir auf dramaturgisch dichte zwei Minuten. Der maskuline Fokus der Kollektion »n’existent« der Designerinnen Dinara Nenortaite und Rebecca Heine der Fachhochschule Bielefeld findet in Umsetzung und Plot dieses Clips seine unmittelbare Entsprechung. Verstörend aktuell reflektiert dieser Clip männliche Resonanzmuster auf die anscheinend bedrohliche Anwesenheit einer unabhängigen Frau. Eine Hommage an großes Hollywood Kino und eine mutige Bestandsaufnahme längst überwunden geglaubter Rollenmuster.
»n‘existent« auf Vimeo: https://vimeo.com/443995018

3. Platz: »Why me, why me« von Jenny Kleine und Pia Mozet
Ein voluminöses Kleid an einer blassen Priesterin, ein übergroßer Kimonomantel enthüllt mehr, als er bedeckt. Ungezähmte Haarspitzen blitzen unter einem Habit hervor. Dieser Fashion Clip, der die Kollektion der jungen Absolventin der Academy of Fine Arts in Łódź, Marlena Czak in Szene setzt, verknüpft Elemente aus Realität, Fiktion und Religion zu einem Märchen um Mode und Mythos. Die Filmemacherinnen spielen mutig und augenzwinkernd mit aktuellen Fragestellungen des Feminismus und kleiden diese in einen altrosa Umhang aus religiöser Tradition – gewagt und dennoch verschleiert. So gelingt es ihnen, widersprüchliches aufzudecken und eine uralte Geschichte mit ganz eigener Übersetzung ins Hier und Jetzt zu holen. Die konsequente Bildgestaltung und passgenaue Musik haben die Jury ebenso überzeugt wie das künstlerische Konzept.
»Why me, Why me« auf Vimeo: https://vimeo.com/443996117

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Spezialpreis der Jury: »Error 404« von Angel Genkov
Eine Begegnung auf offenem Feld; Ein Spiel mit Berührungen, mit Blicken und offenen Fragen: Wer sind die jungen Männer, ist es Zufall oder ein Treffen, von dem niemand wissen soll? Die Gesichter der Protagonisten sind offen und verletzlich, ihre Kleidung wie eine seidene Schutzhaut. Die Stoffe, die Christiane Alagna vom Ravensbourne College London für ihre Kollektion verwendet hat, sind förmlich auf der Haut spürbar. Die sensible Inszenierung spielt mit Sehnsüchten und Erinnerungen an Berührungen und Begegnungen und erzählt von der kraftvollen Idee eines neugierigen, offenen Schauens ohne drängendes Wollen, erzählt vom unverstellten Blick auf den anderen. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln, aber gekonntem und stilsicherem Einsatz von Kamera, Schnitt und sensibler Bewegungs- und Blickechoreographie gelingt es dem Filmemacher Angel Genkov die Betrachter in einen Sog zu ziehen und die Begegnung zwischen Fremden beinahe körperlich erfahrbar zu machen.
Avantgarde-Award: »Save Room« von Adam Streicher
»Error 404« auf Vimeo: https://vimeo.com/443994720

Avantgarde Award: »Save Room« von Adam Streicher
Ausgehend von der game-affinen Kollektion des Modedesigners Victor Clavelly, der mit diesen Arbeiten die École Duperré in Paris absolviert hat, werden die ästhetischen Einflüsse und Bezüge von Video-Spielen deutlich sichtbar weitentwickelt. Im Dialog zwischen Modeschöpfer und Filmemacher konnten die Anmutung und die Visualität der Gaming-Welt weitergeführt und virtuos in einen Fashion Clip übertragen werden. So führt uns Regisseur und Kameramann Adam Streicher scheinbar mühelos in einen besonderen Kosmos hinein: »Save Room« ist (s)eine eigene virtuelle Welt, die in den letzten Monaten im Rahmen des Projekts erdacht, gefilmt, errechnet und montiert wurde und deren hypnotische Präsenz weit über die Konventionen aktueller Fashion Clips hinausweist.
»Save Room« auf Vimeo: https://vimeo.com/443999245

Lobende Erwähnungen erhielten darüber hinaus:

»Transgenesis« von Pia Mozet
Modedesignerin: Irene Jia, Ravensbourne College London
»Transgenesis« auf Vimeo: https://vimeo.com/443995520

»Urban Recycle« von Jenny Kleine und Pia Mozet
Modedesignerin: Sára Sedláková, Academy of Arts, Architecture and Design in Prague
»Urban Recycle« auf Vimeo: https://vimeo.com/443995837

Der »Apoll« wurde vom APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD ausgelobt. Alle Fashion Clips sind online auf den Internetseiten des Awards zu sehen: http://fashionclips.apolda-design-award.de/

Die Aufgaben der Jury übernahmen die folgenden Künstlerischen Mitarbeiterinnen im Studiengang Medienkunst / Mediengestaltung:
Nicola Hens (Kamerafrau und Regisseurin)
Lena Liberta (Filmemacherin und Moderatorin)
Franka Sachse (Filmemacherin und Animationsspezialistin)

Das Projekt »Fashion Clips« wurde von Wolfgang Kissel, Professor für Medien-Ereignisse, sowie Olaf Nenninger und Jörg Heiß betreut. Es ist eine Kooperation der Veranstalter des APOLDA EUROPEAN DESIGN AWARD mit der Bauhaus-Universität Weimar.


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