Zeitzeugen der Kriegszerstörung

Kulturministerin Barbara Klepsch: »Archäologie vermittelt beeindruckende Informationen zu unserer jüngsten Geschichte.«

Dresden. Heute (31. Juli) besuchte Kulturministerin Barbara Klepsch die archäologischen Grabungen auf dem Dresdner Ferdinandplatz. Begleitet wurde die Ministerin von der sächsischen Landesarchäologin, Dr. Regina Smolnik, und dem Leiter des Amtes für Hochbau und Immobilienverwaltung der Landeshauptstadt Dresden, Marcus Felchner.

Besonders beeindruckend sind dabei die Zeugnisse der Kriegszerstörungen vom 13. Februar 1945, die von den Fachleuten des Landesamtes für Archäologie Sachsen freigelegt wurden. So hatten die Archäologen in den Kellern der vormaligen gründerzeitlichen Bebauung ausgebrannte Regale voller Weinflaschen, Meißner Geschirr und anderer Gegenstände entdeckt, die womöglich zu einer Weinhandlung oder einem Café gehörten.

Kulturministerin Barbara Klepsch: »Die Archäologie forscht nicht nur in vorgeschichtlichen oder mittelalterlichen Epochen, sondern kann uns auch beeindruckende Informationen zu unserer jüngsten Geschichte vermitteln. Gerade hier wird deutlich, dass sich manche Spur der ehemaligen Bebauung bereits nach 75 Jahren nur noch schwer nachvollziehen lässt. Wie in einer Zeitkapsel haben sich am Dresdner Ferdinandplatz die Spuren der Kriegsereignisse erhalten, die nun von den Fachleuten in Feinarbeit freigelegt und geborgen werden.«

Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik hebt hervor: »Wir stehen noch am Anfang der Untersuchungen. Dank der engen Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Dresden kommen die Arbeiten gut voran und wir erhoffen uns in möglicherweise durch die jüngere Bebauung noch ungestörten Schichten weitere Hinweise zur älteren Geschichte Dresdens.«

Marcus Felchner ergänzt: »Auf dem Ferdinandplatz baut die Landeshauptstadt Dresden bis 2025 das ‚Neue Verwaltungszentrum‘ für die Geschäftsbereiche Stadtentwicklung und Umwelt. Wir sind dem Landesamt für Archäologie dankbar, dass die Grabungen nach einer coronabedingten Pause kurzfristig fortgesetzt werden konnten. Wir haben uns einen ambitionierten Zeitplan gesetzt, und bisher können wir ihn bis auf diese Unterbrechung halten. Parallel läuft das Vergabeverfahren für die Planungs- und Bauleistungen.«

Das Landesamt für Archäologie Sachsen führt auf der ehemals als Parkplatz genutzten etwa einen Hektar großen Fläche umfangreiche Ausgrabungen durch, bevor die Landeshauptstadt Dresden hier ihr Neues Verwaltungszentrum errichtet. Ein achtköpfiges Grabungsteam ist dafür von März 2020 bis März 2021 im Einsatz. Das Areal lag ursprünglich außerhalb der Stadtmauern des mittelalterlichen Dresden. Die Fachleute rechnen an dieser Stelle mit Spuren einer typischen vorstädtischen Nutzung. Außerhalb der Mauern lagen die Gärten der Stadtbewohner. Das Gelände wird von der ehemaligen Bankstraße durchquert und grenzt an den Georgplatz.

Im Rahmen der Serie »ausgegraben – ausgestellt« beabsichtigt das Landesamt für Archäologie Sachsen nach Beendigung der Ausgrabung eine zeitnahe Präsentation der wichtigsten Ergebnisse und Funde für die Dresdner Bürgerinnen und Bürger.


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