Dr. Johanna Kirchhoff, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena und Preisträgerin des Deutschen Studienpreises 2020 Foto: David Ausserhofer

Exzellente Forschung im Kampf gegen resistente Keime

Jena. Der Deutsche Studienpreis 2020 geht an die Mikrobiologin Johanna Kirchhoff vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) Jena. Für ihre Dissertation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Thema Antibiotika-Resistenzen erhält sie einen der drei Spitzenpreise, mit denen die Körber-Stiftung exzellente Dissertationen von besonders hoher gesellschaftlicher Relevanz auszeichnet.

Die Mikrobiologin Johanna Kirchhoff forscht an einem am Leibniz-IPHT entwickelten laserbasierten Schnelltest, mit dem Bakterien und ihre Antibiotika-Resistenzen direkt diagnostiziert werden können: In drei Stunden liegt das Ergebnis vor, auf das Mediziner und Medizinerinnen mit derzeitigen Methoden bis zu drei Tage warten müssen. Für ihre Dissertation im Fachgebiet Physikalische Chemie erhält Dr. Johanna Kirchhoff nun den ersten Preis in der Sektion Natur- und Technikwissenschaften in Höhe von 25.000 Euro. Der Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung zählt zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen in Deutschland.

Patienten mit lebensbedrohlichen Infektionen schneller helfen

„Als Mikrobiologin hat mich das Potenzial des spektroskopischen Verfahrens gleich fasziniert“, erzählt die junge Wissenschaftlerin, die seit 2014 am Leibniz-IPHT tätig ist und parallel am Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena promovierte.

Den Test erforschte ein Team der Abteilungen Spektroskopie/Bildgebung und Klinisch- spektroskopische Diagnostik am Leibniz-IPHT in Zusammenarbeit mit der Universität Jena und ihrem Klinikum. Er liefert Klarheit innerhalb kürzester Zeit. Zudem wird die optimale Antibiotika-Konzentration ermittelt, so dass Ärztinnen und Ärzte direkt die entscheidenden Informationen erhalten, um mit der optimalen Behandlung zu starten — zielgerichtet statt mit Breitband-Antibiotika.

Das hilft Patientinnen und Patienten mit einer lebensbedrohenden Sepsis, weil sie rasch mit einer wirksamen Antibiotika-Therapie beginnen können. Und es könnte ein Meilenstein sein im Kampf gegen resistente Keime, indem es das Entstehen weiterer Resistenzen eindämmt. „Mit meiner Forschung etwas für die Gesellschaft zu tun und dazu beizutragen, gegen die Bedrohung durch multiresistente Keime anzugehen, motiviert mich sehr.“, sagt Johanna Kirchhoff.

Das Forschungsteam integriert das photonische Verfahren nun in ein mobiles Diagnosegerät, das kommerziell vermarktet wird. „Wir wollen Ärztinnen und Ärzten ein Gerät an die Hand geben, das sie dort einsetzen können, wo es gebraucht wird: in der Diagnostik vor Ort.“, erläutert Johanna Kirchhoff. So könnte der Schnelltest auch Patientinnen und Patienten auf dem Land, wo keine Klinik in der Nähe ist, zu einer passgenauen Behandlung verhelfen.

Den Deutschen Studienpreis verleiht Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble als Schirmherr am 8. Dezember 2020 in Berlin. Die beiden weiteren Spitzenpreise 2020 gehen an eine Politologin von der University of Cambridge und eine Juristin von der Georg-August-Universität Göttingen.


Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena ist Thüringens einzige Volluniversität. 1558 gegründet verfügt sie heute über ein breites Angebot von über 200 Studienmöglichkeiten, die von Archäologie bis Zahnmedizin reichen. Rund 18.000 Studierende, darunter über 2.500 internationale, sind an der Universität Jena eingeschrieben, die ihrer Hochschule in zahlreichen Rankings und Studien immer wieder beste Studienbedingungen bescheinigen. Die Akademie für Lehrentwicklung trägt zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Lehre und Förderung der Lehrqualität bei.

Die Universität Jena zeichnet sich durch eine hohe Forschungsdynamik aus. Traditionell pflegt sie einen interdisziplinären angelegten Arbeitsstil sowie eine intensiven Vernetzung mit außeruniversitären Forschungsinstituten und der Wirtschaft. Die Forschung ist fokussiert auf „Light – Life – Liberty“. Insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs wird an der Universität Jena besonders gefördert. Mit ihrer bundesweit als beispielhaft anerkannten Graduierten-Akademie setzt sie auf optimale Qualifikation und höchste Qualitätsstandards. Mehr als 130 Kooperationsvereinbarungen mit Hochschulen in aller Welt unterstreichen die internationale Ausrichtung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die sich mit ihren mehr als 40 Sammlungen und Museen auch als Kulturwahrer einen Namen macht. www.uni-jena.de

Leibniz-Institut für Photonische Technologien

Im Mittelpunkt der Forschung am Leibniz-IPHT steht das Licht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen innovative photonische Verfahren und Werkzeuge für die Anwendung in der klinischen Diagnostik, etwa der Infektions- und Krebsdiagnostik, der Pharmazie und Prozesskontrolle sowie in der Lebensmittel- und Umweltsicherheit.

Ein wesentliches Ziel ist es, die Translation zu beschleunigen: die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis — from Ideas to Instruments. Für seine technologschen Lösungen für eine verbesserte Diagnostik von Krebs und Infektionskrankheiten wurde das Leibniz-IPHT vielfach ausgezeichnet, zuletzt etwa mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vergebenen Ralf-Dahrendorf-Preis für den Europäischen Forschungsraum, dem Thüringer Forschungspreis 2019, dem Kaiser-Friedrich-Forschungspreis 2018 sowie dem 3. Preis des renommierten Berthold-Leibinger-Innovationspreises 2018. www.leibniz-ipht.de.


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