Quelle: ZEW
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Mannheim. Die konjunkturelle Stimmung in der Branche Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) hat sich im zweiten Quartal 2020 weiter eingetrübt. Der ZEW-Stimmungsindikator für die deutsche IKT-Branche verliert im Vergleich zum ersten Quartal 2020 3,5 Punkte und sinkt auf einen historischen Tiefstand von 47,6 Punkten. Damit rutscht der ZEW-Stimmungsindikator erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011 unter die kritische Marke von 50 Punkten und signalisiert eine negative Entwicklung der Geschäfte. Neben Umsatz und Nachfrage blicken die IKT-Unternehmen zudem pessimistisch auf die Veränderungen des Personalbestands.

„Fortschritte beim Thema Digitalisierung sind zurzeit als wichtiges Mittel zur Bewältigung der Corona-Krise in aller Munde. Allerdings haben im Moment auch Unternehmen der Branche Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als Anbieter digitaler Lösungen sehr mit der Krise zu kämpfen“, sagt Dr. Daniel Erdsiek, Wissenschaftler imZEW-Forschungsbereich „Digitale Ökonomie“. Im zweiten Quartal 2020 hat sich die Geschäftslage bei den IKT-Unternehmen deutlich verschlechtert. Bei knapp 42 Prozent der Unternehmen fiel der Umsatz geringer aus als im Vorquartal, während lediglich 19 Prozent der Unternehmen Umsatzsteigerungen erzielen konnten. Auch die Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen bewerten die IKT-Unternehmen überwiegend als rückläufig. Infolge dieser negativen Entwicklung sinkt der Teilindikator für die Geschäftslage von 51,7 Punkten im Vorquartal auf aktuell nur 36,7 Punkte.
Hardwarehersteller wesentlich pessimistischer als IKT-Dienstleister
Während der Teilindikator für die Geschäftslage um 15 Punkte abstürzt, hellen sich die Geschäftserwartungen in der IKT-Branche derweil etwas auf. Rund 41 Prozent der IKT-Unternehmen erwarten eine steigende Nachfrage und 37 Prozent rechnen mit einem Umsatzplus im dritten Quartal 2020. Deutlich seltener befürchten die Unternehmen hingegen einen weiteren Nachfragerückgang (14 Prozent) oder steigende Umsatzeinbußen (18 Prozent). Als Resultat legt der Teilindikator für die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Vorquartal um 11,2 Punkte zu und erreicht einen Stand von 61,7 Punkten.

Die Geschäftslage und auch die Geschäftserwartungen fallen in der IKT-Hardwarebranche allerdings deutlich schlechter aus als bei den IKT-Dienstleistern. Während in der Hardwarebranche beispielsweise 87,7 Prozent der Unternehmen Umsatzeinbußen im zweiten Quartal verkraften mussten, beläuft sich der Anteil bei den IKT-Dienstleistern auf etwa 36 Prozent. Darüber hinaus blicken die Hardwarehersteller im Gegensatz zu den IKT-Dienstleistern überwiegend pessimistisch auf das dritte Quartal 2020. So rechnen die Hardwarehersteller deutlich häufiger mit zunehmenden Umsatzeinbußen (40 Prozent) als mit Umsatzsteigerungen (20 Prozent). Bei den IKT-Dienstleister gehen im Gegensatz dazu nur 15 Prozent von einem Umsatzrückgang, aber 40 Prozent von einem künftigen Umsatzplus aus.
Corona-Krise beeinträchtigt die Beschäftigungszahlen
„Im zweiten Quartal 2020 machen sich die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Beschäftigung auch in der IKT-Branche deutlich bemerkbar“, sagt Daniel Erdsiek. „In jedem vierten Unternehmen ist der Personalbestand im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Lediglich zehn Prozent der Unternehmen konnten ihren Personalbestand aufstocken, während die restlichen 65 Prozent der Unternehmen ihren Personalbestand nicht verändert haben.“ Bei den Personalerwartungen für das dritte Quartal 2020 zeigen sich die IKT-Unternehmen ebenfalls etwas häufiger pessimistisch als optimistisch. Während 22 Prozent der Unternehmen mit einem Personalabbau rechnen, planen etwa 15 Prozent der Unternehmen Neueinstellungen. Knapp 63 Prozent der Unternehmen gehen demnach von einem konstanten Personalbestand im nächsten Quartal aus.

Die Ergebnisse zum Stimmungsindikator für die IKT-Branche stammen aus der im Juni 2020 durchgeführten Konjunkturumfrage Informationswirtschaft des ZEW-Forschungsbereichs „Digitale Ökonomie“. Der Wirtschaftszweig Informationswirtschaft setzt sich aus den Teilbranchen IKT, Mediendienstleister und wissensintensive Dienstleister zusammen.


ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

Das ZEW in Mannheim forscht im Bereich der angewandten und politikorientierten Wirtschaftswissenschaften und stellt der nationalen und internationalen Forschung bedeutende Datensätze zur Verfügung. Das Institut unterstützt durch fundierte Beratung Politik, Unternehmen und Verwaltung auf nationaler und europäischer Ebene bei der Bewältigung wirtschaftspolitischer Herausforderungen. Zentrale Forschungsfrage des ZEW ist, wie Märkte und Institutionen gestaltet sein müssen, um eine nachhaltige und effiziente wirtschaftliche Entwicklung der wissensbasierten europäischen Volkswirtschaften zu ermöglichen. Durch gezielten Wissenstransfer und Weiterbildung begleitet das ZEW wirtschaftliche Veränderungsprozesse. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Derzeit arbeiten am ZEW rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.

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