Susanne Türck Ende der 1940er-Jahre, Foto: © privat
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Klassik Stiftung und Goethe-Gesellschaft restituieren 189 Bücher an Erben von Susanne Türck

Weimar. Im Zuge ihrer Provenienzrecherche zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern hat die Klassik Stiftung Weimar den Fall Susanne Türck erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit der Goethe-Gesellschaft restituierte sie 189 Bücher an die rechtmäßige Erbin. Da diese Bücher für die Weimarer Bestände von großer Bedeutung sind, erwarb die Klassik Stiftung sie im Anschluss an die Restitution.

Die promovierte Anglistin Susanne Türck (1905–1976) war die Tochter des Weimarer Literaturwissenschaftlers Dr. Hermann Türck (1856–1933). Aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Vaters galt sie den herrschenden Nationalsozialisten als „Halbjüdin“ und durfte ab 1933 ihren Beruf als Lehrerin nicht mehr an öffentlichen Schulen ausüben. Im Oktober 1933 entzog sich Susanne Türck der weiteren Verfolgung durch das NS-Regime und emigrierte nach Großbritannien. Kurz zuvor hatte sie die umfangreiche Privatbibliothek ihres Vaters mit Werken zu Jesus Christus, Shakespeares „Hamlet“ und insbesondere Goethes „Faust“ in ein Weimarer Antiquariat gegeben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sah sie sich zu diesem Verkauf gezwungen, um ihre Emigration zu finanzieren.

Im Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurden bisher 189 Bände ermittelt, die einmal zur Bibliothek Hermann Türcks gehörten. Sie waren ab 1933 für die Thüringische Landesbibliothek, die größte Vorgängereinrichtung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, sowie für die Bibliothek der Goethe-Gesellschaft antiquarisch angekauft worden. Die Erwerbungsumstände bewertete die Klassik Stiftung als NS-verfolgungsbedingten Entzug. Gemeinsam mit der Goethe-Gesellschaft, deren historische Bibliotheksbestände heute in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufbewahrt werden, beschloss die Klassik Stiftung, die Bücher an die Erben Susanne Türcks zu restituieren.

Die Erbensuche gestaltete sich jedoch schwierig. Susanne Türck war das einzige Kind Hermann Türcks, blieb unverheiratet und hatte keine eigenen Kinder. Erst im Jahr 2019 gelang es, ihr Testament in Großbritannien aufzufinden. Susanne Türck hatte eine enge Freundin als Erbin eingesetzt. Da diese inzwischen ebenfalls verstorben war, wurden die Bücher an deren Erbin restituiert. Mit ihr schloss die Klassik Stiftung im April 2020 einen Vertrag über den Ankauf der Bücher, so dass sich diese nunmehr rechtmäßig in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek befinden.

>> Zum Blogbeitrag „Der Fall Dr. Susanne Türck“.

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