Foto: Ann Bünger, Weimar Mit freundlicher Genehmigung.
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Weimar. Über Agenturmeldungen und Onlineportale wird verbreitet, dass die Gedenkstätte Buchenwald Herrn Thomas Kemmerich, den geschäftsführenden Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen, nicht „an den Zeremonien zum 75. Jahrestag der Befreiung“ des KZ Buchenwald „teilhaben“ lassen wolle.

Diese Darstellung ist irreführend. Selbstverständlich ist Herr Kemmerich als Mitglied und Abgeordneter einer demokratischen Partei wie der FDP zu allen Veranstaltungen im Rahmen der Befreiungsfeierlichkeiten herzlich eingeladen, und dies natürlich auch dann, wenn er im April noch geschäftsführender Ministerpräsident des Freistaates sein sollte. Lediglich eine herausgehobene Rolle im Rahmen der Gedenkveranstaltungen hält Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, vor dem Hintergrund seiner Wahl für nicht denkbar.

Das entsprechende Zitat aus einem Gespräch mit dem Neuen Deutschland vom 11. Februar 2020 lautet korrekt:

„Bald steht der 75. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald an. Herr Kemmerich ist momentan immer noch kommissarischer Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, und ich will sehr offen sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein kommissarischer Ministerpräsident Kemmerich, der mit den Stimmen der AfD gewählt worden ist, bei dem Jahrestag in Buchenwald eine Rolle spielen kann.“

Frage: Sie müssten ihn ausladen?

Antwort: „Ich würde mit ihm reden und auf sein Verständnis setzen. Es geht mir bei dem Jahrestag vor allem um zweierlei: Das Thema unseres Jahrestages ist: »Endlich alles vorbei?« Die Frage ist bereits leicht rhetorisch gestellt. Klar ist: Nichts ist vorbei. Weder die rechtsradikale Gefahr noch die politische Gegenwehr. Beides konnte man in der letzten Woche sehen und erleben. Wir sehen, wie aktuell und wichtig so ein Jahrestag sein kann, von dem viele ja oft denken, da werden nur Rituale und symbolische Handlungen vollzogen, Reden gehalten ohne handfesten Aktualitätswert. Das wird besonders bei diesem 75. Jahrestag bestimmt nicht der Fall sein. Zum zweiten geht es um die Überlebenden, die am allerwenigsten damit gerechnet haben angesichts der bisher breit verankerten Erinnerungskultur, erleben zu müssen, wie zerstörerisch eine rechtsradikale Partei in Deutschland wirken kann.“



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