Weimar. Ab dem morgigen Mittwoch, 15. Januar, ist im Bauhaus-Museum Weimar der zweite Teil der Ausstellung ZENICA TRILOGIE zu sehen. Statt des bisherigen Films ČISTAČ / THE CLEANER und des Portfolios ZENICA MAPA zeigt die Schau nun bis 1. März die beiden Filme ZGRADA / THE BUILDING und SCENA / THE STAGE.

Die Sonderausstellung ZENICA TRILOGIE der international renommierten Künstlerin Danica Dakić geht in drei Videoarbeiten den Utopien der bosnischen Stadt Zenica (dt. „Pupille“) nach. Einst ein aufstrebendes Zentrum der Industrialisierung im sozialistischen Jugoslawien, war Zenica auch architektonisch das Muster einer modernen Großstadt. Seit dem Bosnienkrieg erlebt sie mit Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit und kollektiver Resignation die Schattenseiten der Moderne. Zusammen mit ihren Protagonisten in Zenica fragt Dakić nach Möglichkeiten und Handlungsräumen für die Aktivität und Verantwortung des Einzelnen in einer komplexen Gegenwart.

ZENICA TRILOGIE entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Fotografen Egbert Trogemann, dem Komponisten Bojan Vuletić und der Produzentin Amra Bakšić Čamo. Nach ihrer Premiere als Beitrag Bosnien-Herzegowinas auf der Biennale in Venedig 2019 werden die Arbeiten der ZENICA TRILOGIE in Weimar im Bauhaus-Museum Weimar in zwei Ausstellungsabschnitten gezeigt. Teil I war vom 22. November 2019 bis 12. Januar 2020 zu sehen, Teil II präsentiert die Klassik Stiftung vom 15. Januar 2020 bis 1. März 2020.

Die Ausstellung in ihren Teilen:

Teil II: 15. Januar 2020 – 1. März 2020

ZGRADA / THE BUILDING, 2019

Dakić porträtiert das Bosnische Nationaltheater in Zenica. Die Aufnahmen des Gebäudes sind begleitet von der Stimme Zoran Glogovacs, technischer Leiter des Theaters, durch dessen Schilderungen das Theater als eigener Protagonist erscheint. Als einstiges Juwel der jugoslawischen Moderne trotzt es dem Verfall.

SCENA / THE STAGE, 2019

Im Video sieht man eine junge Frau, die unaufhörlich rennt. Doch sie kommt nicht von der Stelle, denn sie läuft gegen die Bewegung einer Drehbühne. Es handelt sich um die große Bühne des Bosnischen Nationaltheaters in Zenica. Dakićs Arbeit dreht sich um das Verhältnis von physischer Existenz und Rolle, von Zuschauer und Darstellerin, von Individuum und Gesellschaft.

Teil I: 22. November 2019 – 12. Januar 2020

ČISTAČ / THE CLEANER, 2019

Die von der Klassik Stiftung mitgeförderte Videoproduktion begleitet Ismet Safić, der Zenica seit mehr als 20 Jahren in eigenem Auftrag säubert. Als weiterer Protagonist und Erzähler tritt Ismets Bruder Adil auf. Begleitet von den Geräuschen seines Dialysegeräts, berichtet er über die Arbeit seines Bruders, sein eigenes Engagement als Aktivist sowie die Reinigung seines Körpers durch das Dialysegerät. Auf ihre jeweils eigene Weise übernehmen die beiden Brüder Verantwortung für die Gestaltung ihrer Lebenswelt in einer durch Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit desillusionierten Gegenwart. Danica Dakić eröffnet hier einen Raum für die Reflexion über Mensch und Stadt, Fortschritt und Maschine.

ZENICA MAPA / THE PORTFOLIO, 2019

Das Portfolio mit sechs Druckgrafiken ergänzt die Themen der ZENICA TRILOGIE. Die Drucke basieren auf intensiven Recherchen Dakićs in Zenica und in den Archiven. Unter anderem sind hier Zeichnungen von Gropius‘ „Totaltheater“ mit Plänen vom Bosnischen Nationaltheater in Zenica verwoben.

Danica Dakić

Die 1962 in Sarajevo geborene Künstlerin arbeitet in Düsseldorf und Weimar, wo sie den Masterstudiengang „Public Art and New Artistic Strategies/Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien“ an der Bauhaus-Universität leitet. Mit ZENICA TRILOGIE vertrat sie Bosnien-Herzegowina bei der Biennale 2019 in Venedig. Weitere Einzelausstellungen waren in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt oder im Hammer Museum in Los Angeles zu sehen.

Ausstellungsdaten

ZENICA TRILOGIE

Noch bis 1. März 2020
Bauhaus-Museum Weimar | Sonderausstellungsfläche (3. OG)
Stéphane-Hessel-Platz 1 | 99423 Weimar
Mi – Mo 9.30 – 18 Uhr
Die Sonderausstellung ZENICA TRILOGIE ist im Eintrittspreis für das Bauhaus-Museum Weimar inbegriffen.


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