Cordula Gutekunst beim Einrichten der Fläche für Treibhausgasmessungen in der Nähe von Rothenkirchen auf Rügen (Foto: Universität Rostock / Claudia Tonn).
Cordula Gutekunst beim Einrichten der Fläche für Treibhausgasmessungen in der Nähe von Rothenkirchen auf Rügen (Foto: Universität Rostock / Claudia Tonn).

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat grünes Licht gegeben für die Verlängerung des seit knapp vier Jahren laufenden Graduiertenkollegs (GRK) „Baltic TRANSTCOAST“. Die Universität Rostock und das Leibniz Institut für Ostseeforschung Warnemünde hatten vor über vier Jahren das Großprojekt bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft gemeinsam erfolgreich eingeworben. Das Graduiertenkolleg „Baltic TRANSCOAST“ bietet bis zu drei Generationen von jeweils 13 Doktorandinnen und Doktoranden die Chance, gemeinsam die Wechselwirkungen zwischen Land und Meer an der Deutschen Ostseeküste zu erforschen. Knapp zwei Drittel der ersten Generation Promovierender haben ihre Dissertation bereits verteidigt.

„In dem Projekt erforschen zeitgleich 13 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse am Übergang zwischen Land und Meer “, so Professor Bernd Lennartz von der Agrar-und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, der als Sprecher von Baltic TRANSCOAST agiert. „Damit sei Rostock auf dem besten Weg, sich als Zentrum für Küstenforschung zu etablieren“, unterstreicht der Wissenschaftler. Es werde eine ganz neue Qualität in der Küstenforschung eingeleitet. „Baltic TRANSCOAST“ bildet mit einem umfassenden, innovativen Qualifizierungskonzept Nachwuchswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftler mit breiter und interdisziplinärer Expertise in der Küstenforschung aus.

Der Rektor der Universität Rostock, Professor Wolfgang Schareck, zeigt sich erfreut über die weitere Förderung des Graduiertenkollegs „Baltic TRANSCOAST“. „Dieses Graduiertenkolleg unterstützt meine Bestrebungen, die internationale Zusammenarbeit im Ostseeraum als unserem gemeinsamen Binnenmeer weiter zu stärken.“ Zum anderen sei die intensive Forschung der Universität in bester Partnerschaft mit dem Institut für Ostseeforschung hochaktuell. „In Zeiten des Klimawandels sind viele Fragen und Herausforderungen zum Küstenzonenmanagement in der Interaktion von Boddenküste und Ostsee beispielsweise zum Stoffaustausch zu lösen“, betont Professor Schareck.

Der landseitige Küstenzonenbereich sei global der am stärksten von Menschen gestaltete und genutzte Raum, unterstreicht Professor Lennartz. „Ein fundamentales Verständnis tief gelegener Küstenbereiche, die vielfältigen Einflüssen des angrenzenden Meeres unterliegen, ist essentiell für zukünftige Nutzungs- und Management-Strategien.“ Von besonderem Forschungsinteresse seien Küstenmoore, deren Oberfläche auf Höhe des Meeresspiegels liegen.

„Baltic TRANSCOAST“ untersucht in interdisziplinären Forschungsthemen die Wasser- und Stoffflüsse im strandnahen Küstenmoor und im angrenzenden Flachwasser der Ostsee sowie deren Auswirkungen auf die Umwelt. Das ist genau das, was die junge Forscherin und gebürtige Berlinerin Cordula Gutekunst interessiert. Die 26-jährige Doktorandin hat an der Freien Universität Berlin Biologie studiert und an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ihren Master im Fach Global Change Management erworben, der sich mit sozio-ökonomischem, naturwissenschaftlichem und politischem Management von globalem Wandel beschäftigt. „Es reizt mich zu einem spannenden Umwelt- und Klimaschutzthema innerhalb einer Gruppe zu promovieren“, sagt die junge Forscherin. Sie arbeitet in der Landschaftsökologie und Standortkunde der Universität Rostock unter der Leitung von Professor Florian Jansen. „Wir messen und beobachten die Treibhausgasemissionen von Küstenmooren, die die Verbindung von Land und Meer darstellen. Es ist ein gutes Gefühl, an der Klimaforschung beteiligt zu sein“, sagt Cordula Gutekunst. Die Konzentration auf ein gemeinsames Untersuchungsgebiet, das Hütelmoor bei Rostock, ermöglicht interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Bei mir geht es um die Wiedervernässung von trocken gelegten Mooren“, schildert Cordula Gutekunst. Denn trockene Moore stoßen Kohlendioxid aus, nasse Moore langfristig nicht. „Anfangs auftretende Emissionen von Methan, einem starken, aber kurzlebigem Treibhausgas, sind nichtig im Vergleich zu den Kohlenstoffdioxidemissionen entwässerter Moore. Dies gilt vor allem für die Küstenmoore, die mit Salzwasser wiedervernässt werden“, so Cordula Gutekunst weiter.

„In meinem Studium ging es neben der physikalischen Klimaerwärmung auch sehr viel um soziale Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise häufigere Naturkatastrophen, Anstieg des Meeresspiegels und letztlich die zunehmende Unbewohnbarkeit von Erdteilen“, sagt die Doktorandin. „Das hat bei mir das Bedürfnis gesteigert, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, vor allem als Bürgerin eines Landes, das zu den Verursachern, aber nicht den Hauptgeschädigten gehören wird. Klimagerechtigkeit ist für mich ein essenzieller Begriff meiner Arbeit geworden und meint, dass Emissionssenkungsziele eines Landes auch den Anteil an Mitschuld in der Vergangenheit einberechnen sollten. Deshalb war es mir auch wichtig, ein Projekt innerhalb von Deutschland zu finden, dass sich mit unseren Treibhausgasemissionen und Möglichkeiten, diese zu vermeiden, beschäftigt und nicht mit denen eines anderen Landes. Deshalb habe ich mich bei ,Baltic TRANSCOAST‘ beworben.“

Die Universität Rostock ist für das Graduiertenkolleg prädestiniert, denn hier können Biologen, Chemiker, Physiker und Umweltforscher aus drei Fakultäten der Universität Rostock und dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde ihre Stärken bündeln und interdisziplinär die Küstenregion beforschen.

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