Aber: „Notwendige Finanzierung muss gesichert sein“ / Wichtigste Aufgabe bleibt: mehr Absolventinnen und Absolventen im Land halten

Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee zeigt sich offen für eine Erhöhung der Zahl der Medizin- und Pharmaziestudienplätze in Thüringen. „Voraussetzung ist aber, dass der Landtag als Haushaltsgesetzgeber die dafür nötigen Mittel zusätzlich bereitstellt“, so der Minister am Rande der heutigen Landtagssitzung. Nach Berechnungen seines Hauses handelt es sich dabei um einen zweistelligen Millionenbetrag. Zwar bestehe in Thüringen aktuell und absehbar kein genereller Ärzte- oder Apothekermangel, aber das Ausscheiden älterer Hausärzte und die Neuregelung der vertragsärztlichen Bedarfsplanung des Bundes könne in den kommenden Jahren zumindest in einigen ländlichen Regionen zu einem erhöhten Ärztebedarf führen.

Derzeit beginnen an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena jedes Jahr zwischen 260 und 270 Personen ein Medizin- und knapp 100 ein Pharmaziestudium. Dabei gehören beide Studienrichtungen zu den teuersten akademischen Ausbildungen überhaupt. Eine Erhöhung der Kapazität für das Medizinstudium beispielsweise um 50 Plätze würde – einschließlich der dafür notwendigen Personal-, Geräte- und Raumkosten – jedes Jahr rund 12,5 Millionen Euro kosten, eine Erweiterung der Pharmaziestudienplätze um 10 schlüge mit weiteren rund 2,5 Millionen Euro zu Buche. „Insgesamt ergeben sich also für diese 60 Studienplätze Zusatzkosten von mindestens 15 Millionen Euro pro Jahr, die vom Land bereitgestellt werden müssen“, so Tiefensee.

Sofern diese Finanzierung abgesichert sei, stehe er dem Vorhaben, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen, offen gegenüber, sagte der Minister. Die wichtigste Aufgabe ist damit aus seiner Sicht allerdings noch nicht gelöst: „Zu wenige der hier ausgebildeten Mediziner stehen anschließend für eine ärztliche Tätigkeit im Land zur Verfügung.“ So schlage ein beträchtlicher Teil der Absolventinnen und Absolventen überhaupt keine Arztlaufbahn ein, andere verließen Thüringen unmittelbar nach dem Studium, etwa weil sie in ihre Heimat zurückkehren wollten. „Worum wir uns also mindestens genauso viele Gedanken machen müssen, ist die Frage, wie wir die Haltequote bei den Medizinern und Pharmazeuten weiter deutlich erhöhen können.“

Dafür habe das Land bereits eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen – vom „ThüringenStipendium“ bis hin zu Fördermöglichkeiten für den ländlichen Raum (etwa für Praxisgründungen und -übernahmen, Praktika, Weiterbildungen und Einstellungen). „Das sind bereits gute Anreize, die aber weiter ausgebaut werden sollten“, so Tiefensees Forderung. Zusätzlich könne aus seiner Sicht auch eine Landarztquote geprüft werden – bei der es allerdings nach wie vor erhebliche rechtliche Bedenken gebe. „Außerdem müssen wir aufpassen, dass eine Landarztquote am Ende nicht zu Lasten anderer, bestehender Quoten geht, die den Zugang zum Medizinstudium regeln – etwa das direkte Auswahlverfahren der Hochschulen oder die künftige Quote für Bewerber mit beruflichen Vorkenntnissen und Fähigkeiten.“

Die Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze sei deshalb nur einer von mehreren Bausteinen, die zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Thüringen genutzt werden können, so der Minister weiter. „Ohnehin greift eine solche Maßnahme frühestens in zehn Jahren, wenn die ersten zusätzlichen Absolventen die Universität und die nachfolgende Facharztausbildung verlassen.“ Abgesehen davon bilde der Freistaat Thüringen, bezogen auf seine Größe und damit letztlich auch auf die Steuerkraft, im Vergleich zu anderen Bundesländern schon heute überdurchschnittlich viele Medizinerinnen und Mediziner aus. So kommt in Thüringen bspw. ein Medizinstudienplatz auf 8.100 Einwohner, in Bayern auf 9.100 und in Niedersachsen auf 25.800. Der Anteil der Humanmedizinstudienplätze an allen Studienplätzen liegt in Thüringen bei 3,9 Prozent, im Bundesschnitt bei 3,3 Prozent.

Auch das spreche eher für ein Verteilungsproblem, das sich allerdings kaum durch eine weitere Steigerung der Zahl der Medizinstudienplätze lösen lasse, so der Wissenschaftsminister. Hier sei deshalb vor allem auch die Gesundheitspolitik in Bund und Land gemeinsam mit den Ärzteverbänden gefordert, die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte gerade im ländlichen Raum weiter zu verbessern und damit attraktiver zu machen.

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