Strafzettel für falsch parkendes Auto der Stadtverwaltung Erfurt.

Zwischenruf (aus dem Rathaus)

Erfurt. „Nimbys“ sind vom „Stamme Nein“. Den Begriff „Nimby“ gibt es seit einigen Jahren. Er ist ein Akronym und kommt aus dem Englischen. „Nimby“ bedeutet: „Not in my backyard“. Das heißt so viel wie „Nicht in meinem Hinterhof“.

Überall kann etwas gemacht werden, nur nicht in meiner Nähe, in meinem Umfeld. Die Gruppe der „Nimbys“ wird in Deutschland immer größer, dementsprechend auch in Erfurt. Es liegt im Zeitgeist, dass ich im Großen und Ganzen für etwas bin, vor meiner Haustür aber dagegen. Denn dort betrifft es mich ja direkt und nicht nur die anderen. So bin ich zwar für die Energiewende, möchte aber aus dem Fenster keine Windräder sehen. Immer will ich den besten Handyempfang, doch bloß nicht von Mobilfunksendern verstrahlt werden. Ich möchte, dass es genug Arbeitsplätze gibt, will aber kein Gewerbegebiet in meiner Nachbarschaft. Öffentliche Einrichtungen sollen supersaniert sein, aber gegen Finanzierungsmodelle bin ich. Eine Straße muss erweitert werden, aber bitte nicht meine!

Die Liste der Beispiele ist lang.

Das politische Werkzeug der „Nimbys“ ist das Bürgerbegehren. Damit wollen sie Ratsentscheidungen und Verwaltungsvorhaben kippen. Gern schwingen sie auch die juristische Keule. Beides ist ihr gutes, demokratisches Recht. Nicht jedes Projekt können die „Nimbys“ so verhindern.

Es zu verschleppen und zu verteuern, das schaffen sie fast immer. Für Mitarbeiter einer Verwaltung sind „Nimbys“ frustrierend. Viel Arbeit müssen sie umsonst machen, jede Menge Überzeugungsarbeit leisten, sich oft persönlich angehen lassen. Und trotzdem kommt nichts wirklich dabei heraus. Denn „Nimbys“ sind eh grundsätzlich der Überzeugung, dass die Verwaltung entweder unfähig, wenn nicht gar bösartig ist.

Kompromisse mit dem vermeintlichen Goliath kommen für sie nicht in Frage. Zum eigenen Nutzen gehen „Nimbys“ immer aufs Ganze.

Wegen der Vielen vom „Stamme Nein“ entsteht für städtische Mitarbeiter der Eindruck, dass nichts mehr vorwärts geht. Das finde ich wirklich schade.

Daniel Baumbach, Erfurter Rathaussprecher.


Erfurt Auszug Amtsblatt abl_2019_21

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