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Konjunkturumfrage zur Thüringer Automobilbranche ist „Alarmzeichen“ / Land hat Maßnahmepaket vorgelegt / Konzertierte Industriepolitik auf Bundesebene unter Beteiligung der Bundesländer nötig

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat die heute veröffentlichte Konjunkturumfrage der Branchenvereinigung „automotive thüringen e.V.“ (at) zur Situation der Thüringer Automobilbranche als ein „deutliches Alarmzeichen“ und eine Bestätigung früherer Prognosen bezeichnet. „Der Strukturwandel in der Automobilwirtschaft wirft seine Schatten voraus“, sagte Tiefensee heute in Erfurt. „Alle Befürchtungen der vergangenen Wochen haben sich bestätigt.“ Laut der Umfrage hat jede zweite Thüringer Zulieferfirma in diesem Jahr Umsatzeinbußen von mehr als 15 Prozent verkraften müssen, etwa 40 Prozent der Unternehmen hätten Stellen abgebaut oder planten Stellenstreichungen. Befragt wurden 190 Betriebe mit mehr als 50.000 Beschäftigten.

„Der Umbruch in der deutschen Automobilindustrie kommt – und er wird heftiger ausfallen als selbst der Strukturwandel in der Kohleindustrie“, sagte Tiefensee weiter: „Das wird auch an Thüringen nicht spurlos vorbeigehen.“ Gerade Firmen im Produktbereich Antrieb/Fahrwerk könnten in eine existentielle Schieflage geraten. „Die momentane Konjunkturschwäche und die geringere Nachfrage im In- und Ausland nach Fahrzeugen, Maschinen und Ausrüstungen im In- und Ausland verschärft diese Situation noch zusätzlich. Wir müssen davon ausgehen, dass in den kommenden Monaten auch in Thüringen mehrere Tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.“ Laut einer vom Wirtschaftsministerium beauftragten Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI) umfasst der Produktbereich Antrieb/Fahrwerk in Thüringen rund 19.000 Beschäftigte – wobei laut der Analyse zwischen zehn und 15 Prozent dieser Arbeitsplätze (d.h. 2.000 – 3.000 Jobs) aufgrund des Strukturwandels bis 2030 gefährdet sind. Die Insolvenz von Firmen wie MITEC und JD Norman, angekündigte Standortschließungen etwa von Autotest und Plastic Omnium seien Vorboten dieser Entwicklung, sagte Tiefensee weiter. Die Sicherung von Arbeitsplätzen habe deshalb jetzt oberste Priorität.

Der Minister verwies in diesem Zusammenhang auf die bereits laufenden Initiativen des Landes – von den Branchendialogen in allen Thüringer Regionen im ersten Halbjahr 2019 bis zur Einrichtung der Koordinationsstelle „Transformation in der Automobilindustrie“ bei der LEG Thüringen. Zudem hatte der Minister im Oktober ein Maßnahme- und Positionspapier zur Unterstützung der Branche und der Wirtschaft insgesamt vorgelegt. Dieses enthält Forderungen Richtung Bund – wie z.B. den Vorschlag zur Einführung eines „Transfer-Kurzarbeitergelds“ –, aber auch konkrete Maßnahmen, die auf Landesebene umgesetzt werden können (Vermeidung weiterer bürokratischer Belastungen, Verstärkung der GRW-Förderung, des Konsolidierungsprogramms und des Bürgschaftsinstrumentariums, Einrichtung eines Fachkräftepools und einer Koordinationsstelle für die Automobilwirtschaft). „Das sind Themen, die ganz oben auf die Agenda jeder neuen Landesregierung gehören“, sagte der Minister.

Tiefensee forderte erneut eine konzertierte Industriepolitik auf Bundesebene unter Beteiligung der Bundesländer. Er kritisierte, dass zum letzten Autogipfel der Bundesregierung nur die großen Autoländer Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen eingeladen gewesen seien. „Auch als kleinere Zulieferstandorte wollen wir nicht einfach draußen auf dem Wartebänkchen sitzen, sondern unsere Ideen und Vorstellungen mit in die Diskussion einbringen“, so Tiefensee. Immerhin sei die Kfz-Branche die umsatzstärkste Industriebranche in Thüringen und damit entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft des Bundeslands. Mit einer Beteiligung der „kleineren“ Automobil-Länder wie Hessen, Sachsen und Thüringen wäre zudem gesichert, dass konsequent auch die Perspektive der Zulieferfirmen und nicht nur die der großen Automobilkonzerne berücksichtigt würde. Tiefensee: „Gerade die großen OEMs haben in letzter Zeit zu viele Fehler gemacht, die jetzt die kleinen Zulieferfirmen ausbaden müssen. Wir wollen sicherstellen, dass die vielen mittelständischen Unternehmen der Branche in der Debatte um die Zukunft des Automobilstandorts Deutschland eine Stimme haben.“


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