Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz für Drakulić und Swartz

©Paul Zsolnay Verlag
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Chemnitz. Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wird 2020 an die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulić und den schwedischen Autor und Journalisten Richard Swartz verliehen.

Das Kuratorium zur Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises würdigt mit der Auszeichnung das langjährige literarische und publizistische Schaffen des verheirateten Autorenpaares. Die Entscheidung des Kuratoriums gab Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig heute bekannt. Die Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises wird am 3. April 2020, traditionell im Umfeld des Geburtstages von Stefan Heym (10. April 1913), stattfinden.

Die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulić, Jahrgang 1949, wurde bekannt mit ihren Romanen „Das Prinzip Sehnsucht“ (1989), „Das Liebesopfer“ (1997), „Marmorhaut“ (1998), „Als gäbe es mich nicht“ (1999), „Frida“ (2007), „Dora und der Minotaurus“ (2016) oder „Mileva Einstein und die Theorie der Einsamkeit“ (2018).

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer wieder die Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Geschlechterbeziehung – ein Thema, das nicht an Aktualität verloren hat und zu den bestimmenden Diskursen der Gegenwart gehört. Vielfach verortet sie diese Fragen in Biografien berühmter Frauen. Oft aber bildet auch der Krieg die grausame Kulisse für die Verhandlung universeller Fragen. Slavenca Drakulić erhielt 2005 den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung für ihr Buch „Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht.“

Richard Swartz, Jahrgang 1945, ist ein international bekannter schwedischer Schriftsteller und Journalist, der für eine Reihe namhafter Zeitungen tätig war. Sowohl in seinen Reportagen und Berichten wie auch in seinen Romanen – u. a. „Room Service“ (1996), „Notlügen“ (1998), „Ein Haus in Istrien“ (1999), „Adressbuch“ (2005), „Der andere nebenan“ (2007), „Austern in Prag“ (2019) – spiegelt sich das geistige und politische Leben West- und Osteuropas. Immer geht es in seiner schriftstellerischen Arbeit um den einzelnen Menschen und seine Beziehung zur Gesellschaft. Er sieht, wie Stefan Heym, die Aufgabe der Literatur darin, die Menschen bei der Suche nach Antworten im gegenwärtigen Leben zu begleiten.

Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind im besten Sinne des Wortes europäische Stimmen, sie beschäftigen sich mit den großen europäischen Fragen, die am Beispiel individueller Schicksale erörtert werden. Krieg und Frieden, Demokratie, Diktatur, Kriegsverbrechen und Verantwortung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit: Als Chronisten zeichnen sie sich aus durch ihre scharfsinnige literarische Betrachtung von Geschichte und Gegenwart, die gleichermaßen brillant und poetisch unbestechliche Wahrheiten vermittelt.

Mit der Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises 2020 an Slavenka Drakulić und Richard Swartz würdigt das Kuratorium zwei Publizisten und Schriftsteller, deren Schaffen schonungsloser Aufklärung dient, dabei jedoch dem Publikum die Aufgabe zuerkennt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ihr Werk wendet sich konsequent gegen kollektives Vergessen und setzt damit ein deutliches Zeichen für interkulturelle Verständigung und Versöhnung.

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Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig: „Stefan Heym hat das kulturelle und geistige Erbe unserer Stadt geprägt. Er galt als Querdenker, zuweilen auch als Querulant. Nichts nahm er als gegeben hin. Im Gegenteil: er suchte den Diskurs. Er (hinter)fragte, legte den Finger in die Wunde, um in den Köpfen der Menschen, in der Gesellschaft ein Nachdenken, Mitdenken und auch Umdenken anzustoßen. „Opening minds“, das Credo unserer Kulturhauptstadtbewerbung, hat er gelebt und verkörpert. Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind zwei Publizisten und Schriftsteller, die es ihm gleich tun, die genau wie Stefan Heym mit ihrer analytischen Schärfe überzeugen und sich in ihren Werken mit den großen europäischen Fragen beschäftigen.“

Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland: „Es ist vorbildlich, wie die Stadt Chemnitz das Vermächtnis Stefan Heyms ehrt und wahrt und für die Gegenwart produktiv macht. Mit Slavenka Drakulić und Richard Swartz werden wiederum zwei Autoren ausgezeichnet, die sich auf ihre je eigene Weise mit europäischen Themen sowie grundsätzlich dem Verhältnis des einzelnen Menschen zur jeweiligen Gesellschaft auseinandergesetzt haben.

Während dies bei Swartz, ganz im Sinne Heyms, durchaus auch auf amüsante Weise geschieht, hat sich Drakulić in ihren Reportagen und Romanen an beklemmende Themen gewagt, die oft verdrängt und ignoriert werden. Ihr Roman ‚Als gäbe es mich nicht‘ über die
systematischen Vergewaltigungen, hier durch serbische Soldaten, im Jugoslawien-Krieg ist der beklemmendste Antikriegsroman, den ich kenne.“

Dr. Ulrike Uhlig, Vorstandsvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft e. V.: „Beide Autoren verbinden literarisches Erzählen mit journalistischem Schreiben und mischen sich mit ihrer Arbeit in aktuelle Debatten unserer Zeit ein. Eine Kroatin und ein Schwede, eine Ost-West-Beziehung quasi gelebte europäische Integration. Sie verbinden literarische Klasse mit gesellschaftspolitischer Verantwortung, eine hervorragende Wahl!“


Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wird in Erinnerung an das Leben, Werk und Wirken von Stefan Heym, den Sohn und Ehrenbürger unserer Stadt, verliehen. Mit dem Internationalen Stefan-Heym-Preis sollen zeitkritische und couragierte Persönlichkeiten gewürdigt werden, die wie Stefan Heym als Schriftsteller bzw. Publizisten herausragende und nachhaltig wirkende Leistungen erbracht haben. Erstmals wurde der Preis 2008 an Amos Oz verliehen. 2011 erhielt Bora Ćosić die Auszeichnung. Aus Anlass des 100. Geburtstag Stefan Heyms wurde der Preis 2013 an Christoph Hein verliehen. 2017 erhielt die polnische Schriftstellerin und Publizistin Joanna Bator den Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz.

Zum Kuratorium, das über die Vergabe des Preises entscheidet, gehören die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, die Präsidentin des P.E.N. Zentrums Deutschland, der Präsident des Goethe-Institutes, der Leiter des C. Bertelsmann Verlages, der Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) – Deutsche Sektion, die Vorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft e. V., Prof. Dr. Bernadette Malinowski als Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz und zwei Stadträte des Kulturausschusses der Stadt Chemnitz.


Weitere Informationen

Informationen zum Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz, den Stefan-Heym- Förderpreisen sowie den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Internetseite www.stefan-heym-preis.de.


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