Im Schatten der Shoah.

Halle (Saale). „Silence, Speech, Memory, Message, and Reconciliation“ – after 75 years“: Unter diesem Titel diskutieren vom 14. bis zum 16. November 2019 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus aller Welt neue Ergebnisse der Holocaust-Forschung. Dabei spielen insbesondere die aktuellen politischen und kulturellen Entwicklungen in Europa eine Rolle.

„Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Naziherrschaft in Europa steht der von Nazi-Deutschland unternommene Versuch einer Vernichtung der europäischen Juden durch Massenmord wie ein Menetekel an der Wand“, sagt Prof. Dr. Werner Nell vom Germanistischen Institut der MLU, der Organisator der Konferenz. Der zugrundeliegende Antisemitismus der europäischen Gesellschaften sei niemals weg gewesen. „Eine Zeit lang freilich schien er zurückgedrängt“, so Nell. Spätestens nach den Systemumbrüchen der 1990er Jahre trete Judenfeindlichkeit wieder deutlicher in Erscheinung. Das zeige nicht zuletzt der Versuch, am 9. Oktober 2019 am Jom Kippur-Tag ein Blutbad in der Synagoge in Halle anzurichten. „Offensichtlich bietet der Antisemitismus noch immer ein Handlungsmuster nicht nur für den Umgang mit Minderheiten, sondern stellt auch immer noch einen Ausgangspunkt für Menschenfeindlichkeit jedweder Art dar“, sagt Nell. Wie jeder Terror ziele dabei auch der antisemitische auf die Zerstörung von Vertrauen und damit auf die Zerstörung der Grundlagen menschlicher Gesellschaften im Ganzen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die an der MLU stattfindende internationale Konferenz mit aktuellen Forschungsansätzen und Ergebnissen zur Aufarbeitung des Holocaust (der Shoah) nach 75 Jahren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Ländern diskutieren dabei die Möglichkeiten zur aktuellen Umsetzung dieser Ergebnisse in Bildungsprozessen und öffentlichen Diskursen. Die aktuelle Lage umfasst den Aufstieg rechtsgerichteter Regierungen ebenso wie nationalistische und rassistische Diskurse, revisionistische Sichtweisen des Holocaust und dessen Leugnung. Auch neuere technologische und mediale Möglichkeiten im Blick auf Bildungs- und Erinnerungsprozesse sollen eine besondere Berücksichtigung finden, zumal das Ende der Möglichkeit, Überlebende und andere Zeitzeugen zu befragen, abzusehen ist.

Die Tagung wird organisiert von Komparatist Prof. Dr. Werner Nell (MLU, und Queen’s University Kingston/Ontario, Kanada), Romanist Prof. Dr. Thomas Bremer (MLU), Prof. Sue Vice (Universität Sheffield), Prof. Jonathan Webber (European Association for Holocaust Studies, Krakau) und David Szöke (Universität Szeged).

Unterstützt wird die Konferenz durch die MLU, unter anderen vom Forschungsschwerpunkt „Gesellschaft und Kultur in Bewegung“ an der MLU und dem Mühlenberg-Zentrum für Amerika-Studien an der MLU sowie des Weiteren durch das Forum for the Study of the Global Condition der Universitäten Halle, Leipzig, Jena und Erfurt, die European Association for Holocaust Studies, das Aleksander-Brückner-Zentrum für Polenstudien der Universitäten Halle und Jena, sowie das Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz.

International Holocaust Conference:
„Silence, Speech, Memory, Message, and Reconciliation – after 75 years“
Donnerstag, 14. November 2019, bis Samstag, 16. November 2019
Melanchthonianum (Universitätsplatz 9) / Burse zur Tulpe (Universitätsring 5)
06108 Halle (Saale)
Die Konferenz findet in englischer Sprache statt.

Programm: http://wcms.itz.uni-halle.de/download.php?down=53681&elem=3253118


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