EKM-Landesbischof Kramer ruft zum Überwinden heutiger Mauern auf

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Erfurt/Magdeburg. Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erinnern am 9. November an das 30-jährige Jubiläum der Friedlichen Revolution und die Öffnung der innerdeutschen Grenze im Jahr 1989. Friedensgebete, Gottesdienste, Gedenkfeiern, Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Aktionen sind geplant. Landesbischof Friedrich Kramer sieht das Jubiläum als Anlass zur Dankbarkeit sowie als Anstoß dazu, aktuelle Mauern zu überwinden und insbesondere die Abschottung gegenüber Flüchtlingen zu beenden.

Landesbischof Friedrich Kramer zum Jubiläum:

„Der Herbst ’89 war eine wunderbare Zeit. Erst ein Aufbruch, der zur friedlichen Revolution wurde und an dem Hunderttausende Ostdeutsche an vielen Orten mutig in Gebeten und Demonstrationen mitwirkten. Und phantasievoll, fröhlich und friedlich in die Kirchen und auf die Straßen und dann an die runden Tische gingen. Dann noch der Mauerfall mit wahnsinniger Freude und einem Freiheitstaumel. Familien fanden wieder zueinander und die Menschen in der DDR konnten die weite Welt entdecken. Das hat uns die Herzen überlaufen lassen und ist ein Grund, auch heute miteinander zu feiern, ein Dankgebet zu sprechen und eine Kerze anzuzünden.
Die Grenze von damals ist Geschichte. Heute gibt es in Europa neue Mauern – in den Köpfen und ganz real, um Flüchtlinge fernzuhalten. An diesen Zäunen stranden Menschen, die Hilfe brauchen. Diese Mauern sind keine Lösungen, sie werden keinen Bestand haben. Auch das zeigt unser Mauerfall. Ihn in diesem Jahr zu feiern, sollte uns auch nachdenken lassen, wie wir – mit Gottes Hilfe – unsere aktuellen Mauern überwinden können.”

Ausgewählte Veranstaltungen in Thüringen:

Vier Bischöfe der EKM, des Bistums Erfurt, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und des Bistums Fulda laden am 9. November anlässlich des Gemeinsamen Gedenkens des Freistaates Thüringen und des Landes Hessen um 10 Uhr zu einem Ökumenischen Gottesdienst nach Großburschla (Stadtteil von Treffurt im thüringischen Wartburgkreis) ein. Nach dem anschließenden gemeinsamen Gang zur Werrabrücke ist das Gedenken mit Kranzniederlegung und Schweigeminute geplant. Danach wird im Festzelt am Bahnhof Großburschla ein thüringisch-hessisches Bürgerfest eröffnet.

Weitere gemeinsame Gottesdienste von Gemeinden aus Hessen und Thüringen gibt es am 9. November in der Kirche auf dem Theobaldshof in Tann (Rhön) mit anschließendem Austausch (14 Uhr) sowie in der Burgkirche Herleshausen mit der folgenden Begegnung und einer Wanderung nach Hörschel (13 Uhr).

In allen evangelischen Kirchen im Kirchenkreis Gotha wird zu Gottesdiensten unter dem Motto „Zu Frieden“ eingeladen (10 Uhr). Am Abend folgt ein Friedensgebet in der Augustinerkirche. Nach dem anschließenden Gang durch die Stadt ist an der Margarethenkirche um 18 Uhr eine Licht- und Klanginstallation geplant. Ab 16 Uhr kann in der Augustinerkirche die Wende-Ausstellung „Gegen das Vergessen“ besichtigt werden.

In vielen Orten des Kirchenkreises Bad Frankenhausen-Sondershausen werden die Kirchenglocken zwischen 19:04 Uhr (Bekanntgabe der Reisefreiheit durch Günter Schabowski in der Aktuellen Kamera) und 22:30 Uhr (kurz vor der tatsächlichen Grenzöffnung) läuten, um für das Ende der Mauer zu danken und zum Gebet aufzurufen. In einigen Kirchen gibt es kleine Andachten. Zentral richten der Kyffhäuserkreis, der Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen und die katholische Gemeinde Sondershausen eine Gedenkandacht in Sonderhausen aus (Kirche St. Elisabeth). Es folgt ein Gang mit Kerzen zum Markt (Rathaus und ehemals Rat des Kreises), um 20 Uhr schließt sich der Austausch von Erinnerungen bei Bildern und Gesprächen an.

Die evangelischen Kirchengemeinden der Region Drei Gleichen des Kirchenkreises Gotha laden am 9. November zeitgleich um 19 Uhr zu Andachten ein, in denen an den Fall der Mauer vor 30 Jahren gedacht sowie für Einigkeit und Recht und Freiheit gedankt wird. In Rüdersdorf läuten um 18:57 Uhr zum Zeitpunkt der Rede von Günter Schabowski die Glocken, im Anschluss sind im Friedensgebet ostdeutsche und westdeutsche Perspektiven und Erinnerungen zu hören. Weitere Friedensgebete finden unter anderem in Neustadt/Orla, Bad Liebenstein, Nöbdenitz, Weida, Schlotheim und Seehausen statt.

Ein NEW LIFE Jugendgottesdienst zum Thema „Sei nicht artig, sondern einzig! – Dann fallen Mauern…“ ist in Saalburg-Ebersdorf geplant (19 Uhr) – angekündigt sind „eine geniale Predigt, toller Lobpreis und ein begeisterndes Theaterstück“. Am 10. November beginnen in Weimar um 10 Uhr in allen Evangelisch-Lutherischen Kirchen Themengottesdienste „Suchet der Stadt Bestes“ zum Jubiläum 30 Jahre friedliche Revolution.

In Erfurt im Augustinerkloster ist ein Augustinergespräch mit Vera Lengsfeld (Bürgerrechtlerin, Politikerin, Publizistin) geplant (7. November, 19 Uhr). Am 9. November gibt es eine musikalische Lesung in Pillingsdorf zum Thema (19 Uhr).

Auch zu besonderen kirchenmusikalischen Höhepunkten wird eingeladen. Im Gedenkkonzert zum 9. November in Gotha (18 Uhr, Margarethenkirche) erklingen unter dem Motto „Bedrängnis – Macht – Freiheit“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy die Hymne „Hör mein Bitten“ sowie von Arthur Honegger der Sinfonische Psalm „König David“ durch Solisten, Sprecher, Chor und Orchester. Unter dem Motto „Freude schöner Götterfunken“ werden im Festkonzert in Saalfeld/Saale (Johanneskirche, 19:30 Uhr) in Zusammenarbeit mit dem Theater Rudolstadt Berichte von Zeitzeugen musikalisch umrahmt durch Kompositionen von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven. Ausführende sind Solisten, die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt sowie die Oratorienchöre Rudolstadt und Saalfeld unter der Leitung von Katja Bettenhausen und Sprecher. Die „Mass of the Children“ von John Rutter sowie weitere Chormusik, aufgeführt von Solisten, dem Jugendchor der Evangelischen Singschule, Bachchor und Instrumentalensemble, ist in Weimar zu hören (19:30 Uhr, Herderkirche).

Am 10. November gibt es in Molschleben ein Konzert für Alphorn und Orgel mit Albert Schönberger, Domorganist Mainz a.d., und dem Hornisten Klaus Seyfahrth (11 Uhr, Kirche). In Mühlhausen wird im Konzert mit dem Bachchor Mühlhausen und dem Kammerchor des Partner-Kirchenkreises Eschwege „The armed man – mass for peace“ von Karl Jenkins aufgeführt (18 Uhr, Kornmarktkirche).

Ausgewählte Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt/Sachsen:

In der Gedenkstätte Marienborn gibt es zum Tag des Mauerfalls einen Ökumenischen Gedenkgottesdienst (14 Uhr) sowie eine Festveranstaltung der Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Predigt hält Landesbischof Friedrich Kramer.

Unter dem Titel „Rückblicke und Ausblicke. 30 Jahre friedliche Revolution in Aken“ wird zu einer Veranstaltung (16:30 Uhr) in die Nikolaikirche nach Aken eingeladen. Nach einer Andacht geht es mit Kerzen in den Gemeindesaal (Fischerstraße 5). Dort werden auf einem Podium Vertreter unterschiedlicher Generationen berichten, wie sie die friedliche Revolution in Aken miterlebt und mitgestaltet haben.

Die Gemeinde der Stadtkirche St. Marien in Torgau lädt am Sonntag (10. November, 17 Uhr) unter dem Motto „30 Jahre friedliche Revolution – ein Abend zum Erinnern, fFeiern und Weiterdenken“ ein.

In der St. Nicolaikirche (19:30 Uhr) in Magdeburg werden anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls unter dem Titel „Te Deum“ Werke u.a. von Calvisius, Händel und Charpentier aufgeführt.

Zu einem Ökumenischer Dankgottesdienst (10 Uhr) zur Grenzöffnung wird in den Dom zu Merseburg eingeladen. In Naumburg gibt es zum Mauerfalljubiläum einen Kerzenumzug (18:30 Uhr) von der Kirche St. Wenzel zum Dom. Dort wird eine Andacht (19 Uhr) mit Rüdiger Lux gefeiert. In Freyburg (Unstrut) wird bereits am Samstag (8. Novermber, 19:30 Uhr) zu einem Filmabend anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Friedliche Revolution in den Gemeinderaum eingeladen.

In einem Vortrag unter dem Titel „Von der Ökumenischen Versammlung in der DDR zur politischen Wende im Herbst 1989“ spricht die Kirchenhistorikerin Dr. Katharina Kunter in der Großen Sakristei im Doms zu Magdeburg (15. November, 18:30 Uhr).
Im Oktober 1988 fand in Magdeburg in den Räumen der Domgemeinde die 2. Tagung der “Ökumenischen Versammlung in der DDR für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung” statt. Ein Jahr später versammelten sich Tausende im Dom, um für gesellschaftliche Erneuerung zu beten, zu streiten und zu demonstrieren.

Beim Montagsgespräch (18. November, 20 Uhr) im Paulus-Gemeindehaus in Halle (Saale) sprechen Altbischof Axel Noack und Dr. Hartmut Ruddies über den 9. November 1989.


Hintergrund:
Der 9. November 1989 ist für den „Fall der Berliner Mauer“ bekannt: Nachdem SED-Politbüromitglied Schabowski auf einer im DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz die Gewährung von Reisefreiheit bekanntgegeben hatte, öffneten sich für die DDR-Bürger die innerdeutschen Grenzen.

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