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NABU Thüringen: Herdenschutz konsequent ausbauen – mehr Unterstützung für Weidetierhalter durch EU-Förderung

Jena. Der NABU Thüringen freut sich über das erste Wolfspaar im Freistaat. Weidetierhalter sollten sich spätestens jetzt auf die neue Situation einstellen und ihren Herdenschutz verstärken. Der Ausbau des Herdenschutzes wird vom Land umfänglich gefördert. Um Weidetierhalter in ihrer Existenz zu sichern muss sich die EU-Agrarpolitik ändern.

Nun ist es offiziell: nach fast fünfeinhalb Jahren hat die Wölfin von Ohrdruf einen Partner. „Wir freuen uns sehr über den jüngst zugewanderten Wolfsrüden, den wir seit Mai regelmäßig mit unseren Kamerafallen für das FFH-Monitoring des Freistaats nachweisen können. Er hat scheinbar Gefallen an der Ohrdrufer Wölfin gefunden und wird hoffentlich auch dableiben“, sagt Silvester Tamás vom NABU Thüringen. Der NABU rechnet damit, dass das junge Wolfspaar nächstes Jahr für den ersten richtigen Wolfsnachwuchs im Freistaat sorgen wird.

Weidetierhalter sollten sich nun möglichst schnell auf die neue Situation einstellen und den Herdenschutz weiter ausbauen. Insgesamt sind mit der Ohrdrufer Wölfin seit 2017 vier verschiedene Wölfe und 11 Hybriden, aber auch immer wieder umherstreunende Hunde in der Region bei Ohrdruf nachgewiesen worden. Damit gestaltet sich die Situation für Weidetierhalter am Standortübungsplatz Ohrdruf recht komplex. Um Übergriffe auf die Herden im Wolfsgebiet zu vermeiden, sollten die Schäfer zusätzlich Flatterbänder und Herdenschutzhunde einsetzen.

„Herdenschutzmaßnahmen müssen natürlich an die jeweiligen örtlichen Begebenheiten angepasst werden. Das Land Thüringen unterstützt solche Maßnahmen. So wird zum Beispiel der Einsatz von Herdenschutzhunden für Schäfer in der Landschaftspflege zu hundert Prozent gefördert“, sagt Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Wir verstehen natürlich auch die Weidetierhalter, die um ihr Überleben kämpfen und für die jeder zusätzliche Aufwand auch Kosten verursacht. Deshalb müssen zukünftig, neben den Anschaffungskosten, auch die Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde und -zäune gefördert werden.

Wenn wir auch in Zukunft die Vielfalt in unserer Kulturlandschaft erhalten und erleben möchten, dann brauchen wir aber eine grundsätzlich neue Fördermittelpolitik in der Europäischen Union, die insbesondere den Natur- und Artenschutz fördernde Landwirtschaftsbetriebe unterstützt. Die gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) darf nicht länger Milliarden an Steuergelder verschwenden, die nachgewiesenermaßen unsere Natur und Artenvielfalt zerstören.

Öffentliche Gelder müssen in Zukunft nur noch für öffentliche Leistungen ausgegeben werden, zu denen auch eine intakte Natur und eine gesunde Artenvielfalt gehört. Unsere Schäfer leisten diese wichtige Arbeit.“ Der Landesvorsitzende wünscht sich außerdem vom Freistaat, zukünftig weitere Projekte zu fördern, die Weidetierhalter bei der Umsetzung eines verbesserten und wirksamen Herdenschutzes helfen.

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