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„Diese Ausbildung ist kein Notprogramm.”

Leipzig. Sie sind zwischen 25 und 56 Jahre alt, haben bereits pädagogische Erfahrung, eine Mehrfachbelastung zu schultern und werden häufig mit Negativ-Klischees konfrontiert: Die Rede ist von Seiteneinsteigern in den Lehrerberuf. Die Universität Leipzig bildet sie seit 2015 aus – zunächst in einer Pilotphase nur im Grundschulbereich und seit 2017 auch für weiterführende Schulen.

Am 30. September dieses Jahres wurde nach vier Semestern Ausbildung an der Universität Leipzig die erste Ausbildungskohorte feierlich exmatrikuliert. Susan Löffler, die Koordinatorin der wissenschaftlichen Ausbildung von Lehrkräften am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) der Universität Leipzig, spricht anlässlich des Weltlehrertages am 5. Oktober über Anforderungen an die Seiteneinsteiger, ihre Ausbildung sowie ihre sehr unterschiedlichen Erfahrungen.

Frau Löffler, wie ist die Ausbildung der Teilnehmer des Seiteneinsteigerprogramms strukturiert?

Löffler: Sie haben bereits eine Einstiegsausbildung des Landesamtes für Schule und Bildung hinter sich und unterrichten dann in einem Fach, haben also schon Erfahrung als Lehrer. Je nach Schulart studieren die Teilnehmer berufsbegleitend mindestens vier Semester lang die Grundschuldidaktiken, ein weiteres Fach oder einen Förderschwerpunkt. Sie unterrichten drei Tage in der Woche an ihren Schulen und sind zwei Tage zum Präsenzstudium und Selbststudium an der Universität Leipzig.

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Von welchen Erfahrungen berichten sie?

Löffler:
Die meisten sind Mitte 30. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen. Viele haben schon mehrjährige Berufserfahrung. Wir wissen, dass der Einstieg in den Lehrerberuf für sie eine ganz bewusste Entscheidung war. Nur jeder siebente Seiteneinsteiger verlässt den Lehrerberuf wieder. – Und das, obwohl sie insbesondere in der berufsbegleitenden Qualifizierungsphase durch Berufstätigkeit, Studium, Familie und teils lange Anfahrtswege zum Studienort Leipzig eine Mehrfachbelastung zu bewältigen haben. Viele von ihnen haben die Erfahrung gemacht, dass sie in Zeiten des akuten Lehrermangels in ganz Deutschland als willkommene Bereicherung und wertvolle Unterstützung angesehen werden, durch ihre außerschulische Berufserfahrung frischen Wind in die Schulen bringen. Einige wurden sogar bereits in der Qualifizierungsphase als Klassenleiter eingesetzt. Andere wiederum berichten, dass Seiteneinsteiger als Risikofaktoren für die Unterrichtsqualität und als Gefahr für das Lehrer-Image betrachtet werden. Je nach Schule ist die Wahrnehmung unterschiedlich.

Sind die Absolventen des Programms dann in Bezug auf ihren Ausbildungsstand ihren grundständig ausgebildeten Kollegen gleichgestellt?

Löffler: Nach Abschluss aller Qualifizierungsbausteine sind Seiteneinsteiger gleichgestellt. Der Weg ist abhängig von ihrer Vorqualifizierung. Wichtig ist es für mich zu betonen, dass die wissenschaftliche Ausbildung in Qualität und Form kein Notprogramm ist. Die Universität Leipzig spielt dabei als größte Lehrerausbildungsstätte Sachsens eine Vorreiterrolle.

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