Foto: JenaKultur
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Jena. Im Verwaltungsbereich der Stadt Jena befand sich bis vor einigen Jahren eine aus Bronze gearbeitete Büste mit dem Porträt des berühmten Dichters der DDR-Nationalhymne, ehemaligen DDR-Kulturministers und Jenaer Ehrenbürgers Johannes R. Becher. Geschaffen hat das Bildnis der bedeutende DDR-Bildhauer Fritz Cremer im Jahre 1958. Jena erhielt die ca. 50 cm hohe Büste von Lilly Becher 1966 geschenkt. Sie befand sich zunächst am Fürstengraben in der Reihe der Professorenbildnisse. 1982 wurde sie vor das damals neue Studentenwohnheim mit dem Namen „Johannes R. Becher“ in der Schlegelstraße in Lobeda-Ost versetzt und in einer Grünanlage integriert.

2004 wurde die Büste von unbekannten Tätern gestohlen. Trotz umfangreicher polizeilicher Ermittlungen konnte sie nicht wieder aufgefunden werden. Die Täter wurden bis heute nicht ermittelt.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung zum 125. Geburtstag des Dichters im Romantikerhaus im November 2016 kam die Idee auf, die gestohlene Bronzebüste in einer Nachbildung wieder aufzustellen. Als Vorlage konnte ein Porträt in der gleichen Ausführung in der Kunstsammlung der Akademie der Künste in Berlin ausfindig gemacht werden.

Nach Beschluss des Kulturausschusses der Stadt Jena und mit dem Einverständnis der Tochter Cremers, Katrine Cremer, wurde eine Kopie der Bronzebüste in der Berliner Kunstgießerei von Marc Krepp erstellt, die im Herbst diesen Jahres aufgestellt und am 11. Oktober 2019, Bechers Todestag, eingeweiht wird. Die Büste trägt ein Travertinsockel mit einer Inschrift (Name und Lebensdaten Bechers), den der Steinmetzbetrieb Späte aus Jena herstellt bzw. installiert.

Ort der Aufstellung ist der Ortsteil Winzerla, explizit an einem prominenten Standort in der namengebenden Johannes-R.- Becher-Straße/ Oßmaritzer Straße. Die Fläche wird von der WG Carl Zeiss dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Zur Wiederaufstellung der Büste hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die in den letzten beiden Jahren über 3.000 Euro eingeworben hat. Federführend ist die Jenaerin Roswitha Krause, die mit großem Engagement der Motor dieser Initiative ist. Darüber hinaus trägt die Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland 1.000 Euro bei. Weiterhin wurden auf die Initiative der Landtagsabgeordneten Dr. Gudrun Lukin hin 4.000 Euro Lottomittel durch den Neuen Lesehallenverein e.V. beantragt und bewilligt. Dank dieser tatkräftigen Unterstützung steht bereits die Hälfte der zur Wiedererrichtung notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung. Die andere Hälfte wird durch JenaKultur getragen.

Einweihung: Freitag, den 11. Oktober 2019 um 11 Uhr
Johannes-R.-Becher-Straße/ Ecke Oßmaritzer Straße in Winzerla

Es sprechen: Jonas Zipf/ Werkleiter JenaKultur
Dr. Matias Mieth/ Germanist und Lehrer
Katrine Cremer/ Tochter von Fritz Cremer – Grußwort
Musikalische Umrahmung: Klarinetten-Trio der Musik- und Kunstschule Jena unter der
Leitung von Fritz Gottfried

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Filmpräsentation und Podiumsdiskussion als Begleitprogramm

Da Bechers Leben und Wirken nach wie vor in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert werden, ist mit der Wiederaufstellung der Büste ein Rahmenprogramm verbunden, das sich der ambivalenten Wahrnehmung des Dichters und Politikers in der Öffentlichkeit annimmt.

In Kooperation mit dem Kino im Schillerhof wird der DEFA-Film „Abschied“ von Egon Günther aus dem Jahre 1968 gezeigt. Der Eintritt zum Film kostet 6,50 Euro.

Die ab 21 Uhr anschließende eintrittsfreie Podiumsdiskussion mit kompetenten Gästen wird versuchen, der immerwährenden inneren Zerrissenheit des Dichters und deren Ursachen auf den Grund zu gehen und eine gerechte Beurteilung der Gesamtbiografie anzustreben. Dabei sollen Bechers literarisches und politisches Schaffen in sechs Jahrzehnten großer gesellschaftlicher Umbrüche auch unter psychologischen Aspekten betrachtet werden: Der oftmals nur als Dichter der Nationalhymne der DDR apostrophierte Becher litt unter dem Drill des Vaters, versuchte sich schlussendlich als junger Mann mit mehreren Selbstmordversuchen aus jeglichen Zwängen zu befreien und fand schließlich zum Sozialismus, dessen problematische Entwicklungen er – etwa im Exil in der Sowjetunion in der Zeit des Nationalsozialismus – sehr bewusst und schmerzlich wahrnahm.

Letztlich soll an der Ambivalenz von Bechers Leben geklärt werden, wie wir erinnerungskulturell mit umstrittenen Biografien von namhaften Künstlern und Politikern im 30. Jahr nach dem Fall der Mauer umgehen und welchen Platz diese Biografien im öffentlichen Diskurs einnehmen sollten.

Termin: Mittwoch, den 9. Oktober 2019 um 19 Uhr
Schillerhof, Helmboldstr. 1, Jena-Ost
Gäste: Dr. Jens-Fietje Dwars, Film- und Buchautor
Prof. Dr. Wolfgang Frindte, Kommunikationspsychologe
Dr. Rüdiger Stutz, Stadthistoriker
Moderation: Jonas Zipf, Werkleiter JenaKultur

Unser herzlicher Dank gilt allen, die mit ihrem Engagement zur Wiederaufstellung der verloren gegangenen Büste Johannes R. Bechers beigetragen haben, insbesondere Frau Roswitha Krause, Frau Dr. Gudrun Lukin, dem Neuen Lesehallenverein e.V. unter dem Vorsitz von Dr. Dietmar Ebert, dem Ortsteilrat Jena- Winzerla, namentlich Herrn Friedrich Gebhardt, darüber hinaus Frau Katrine Cremer, der Akademie der Künste Berlin und der Galerie Schwind in Leipzig für die Genehmigung und die Ermöglichung des neuen Abgusses, der Kunstgießerei Krepp in Berlin und dem Steinmetzbetrieb Späte für die Anfertigung von Büste und Sockel, der Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss e.G. für die Gestattung der Aufstellung in Winzerla, der Sparkassenstiftung Jena-Saale-Holzland und der Thüringer Staatskanzlei für ihre Förderung und nicht zuletzt den 48 Spendern, die insgesamt 3.285 Euro gespendet haben, unter anderem Klaus Krippendorf, Karl-Heinz Reichert, Uwe Hotze, Karl-Heinz Friedrich, Peter Röhlinger, Gudrun Lukin, Reinhard Wöckel, Renate Schierer, Constanze Mann, Dietmar Ebert und Roswitha Krause.

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