Anzeige

Mehr Mitbestimmung und Freiräume für Wertebildung fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Lehrerforums 2019. In einem jetzt veröffentlichten Positionspapier setzen sie sich zudem dafür ein, Demokratiebildung auch im Lehramtsstudium und in der Fortbildung zu verankern.

Berlin. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, heißt es in dem Papier, das im Nachgang der diesjährigen Tagung des Deutschen Lehrerforums in Bad Boll entwickelt wurde. Das Forum ist eine Plattform für engagierte Lehrkräfte aller Schulformen und wird von neun Stiftungen und Institutionen getragen. Die Autorinnen und Autoren des Papiers sehen derzeit den gesellschaftlichen Konsens über zentrale Werte bedroht, verstehen aber zugleich schulische Bildung als einen Schlüssel, um die Demokratie zu stärken.

Konkret drückt sich dies in einer Reihe von Forderungen aus. Ein zentraler Punkt: Enge Vorgaben und Strukturen sollten aufgebrochen werden, um Schülerinnen und Schülern ihrem Alter gemäß vielfältige Wege zur Mitbestimmung an der Schule zu ermöglichen. Auch die Lehrkräfte selbst sollten mehr Mitsprache erhalten. Denn nur wer im System etwas verändern kann, wird den Nutzen, sich zu engagieren, authentisch vermitteln können. Dazu sei ein konsequentes Zurückfahren bürokratischer Aufgaben vonnöten, damit den Lehrenden mehr Zeit für ihre Schülerinnen und Schüler bleibt.

Darüber hinaus sei es wichtig, Demokratiebildung zu einem festen Teil der Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte zu machen. Eine Vernetzung zwischen den Schulen sowie eine höhere Transparenz der Angebote seien weitere Voraussetzungen dafür, dass gesellschaftliche Werte im Unterricht lebendig vermittelt werden können. Die Lehrkräfte, die das Positionspapier erarbeitet haben, konnten aus ihrem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und wollen sich als Stimme von der Basis in die politische Willensbildung einbringen und mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik auf Bundes- oder Länderebene bzw. in den Kommunen in den Dialog treten.

Auf dem Deutschen Lehrerforum 2019 in Bad Boll wurden auch Ansätze vorgestellt, wie die Demokratie für Schülerinnen und Schüler erlebbar werden kann. Ein Schulfach „Being Social“, eine Debattierrunde an einer sächsischen Grundschule, eine Kommunikationsschulung und Lernen mit Achtsamkeit sind vielversprechende Beispiele für die Vermittlung von ethischen Werten und demokratischer Haltung. Insgesamt wurden zwölf Projekte zur Förderung ausgewählt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie einen hohen Einsatz der Lehrenden wie auch der Lernenden erfordern. Zum Teil ist die Umsetzung nur mit Unterstützung von außen möglich. Doch der Aufwand lohne sich, so die Autorinnen und Autoren des Positionspapiers: „Demokratie zu erfahren ist das wirksamste Mittel, um die Zukunft einer demokratischen Gesellschaft zu sichern.“

Übersicht über die vom Deutschen Lehrerforum geförderten Demokratieprojekte
https://deutsches-lehrerforum.de/ergebnisse/beispiele-guter-praxis

Das Deutsche Lehrerforum ist eine gemeinsame Initiative von Heraeus Bildungsstiftung, Karl Schlecht Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stifterverband, Stiftung Bildung und Gesellschaft, Stiftung Bildung und Jugend, Stiftung Mercator, Teach First Deutschland und Wübben Stiftung.

https://deutsches-lehrerforum.de/

Anzeige