Erfurt. Die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund hat die aktuellen umweltpolitischen Vorschläge aus den Berliner Koalitionsparteien als Ablenkmanöver bezeichnet.

Sowohl eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen als auch das Verbot von Plastiktüten seien zu kurz gesprungen, sagte Siegesmund im MDR THÜRINGEN-Sommerinterview. “Ich erwarte von der Bundesregierung den großen Wurf beim Thema Klimaschutz”. Ein Verbot von Plastiktüten beispielsweise sei nur ein einziges Modul. Es brauche ein umfassendes Klimagesetz auf Bundesebene. Dazu gehöre ein Kohleausstiegsgesetz, eine CO2-Bepreisung und ein Programm um den Wald zu retten, erklärte die Spitzenkandidatin der Bündnisgrünen für die Landtagswahl. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen ins Gespräch gebracht. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will ein Gesetz zum Verbot von Plastiktüten vorlegen.

“Nur mit uns gibt’s Klimaschutz!”, so Siegesmund. Die Energiewende solle nicht nur mit Elektro- oder Wasserstoffautos erreicht werden, sondern vor allem auch mit einem besseren Nahverkehrssystem. Zwischen fünf Uhr morgens und 24 Uhr nachts müsse mindestens einmal in der Stunde ein Bus vorbeikommen. Siegesmund sprach von einer Mobilitätsgarantie. Außerdem solle es einen landesweiten Verkehrsverbund geben.

In Thüringen wollen die Bündnisgrünen weiter den Waldumbau vorantreiben. Entstehen sollen laut Siegesmund Mischwälder mit klimaresilienten Arten anstelle von Monokulturen. Die Ministerin wies den Vorwurf zurück, die Regierung habe zu wenig gegen die Waldschäden unternommen. Die Entscheidung für Fichten-Monokulturen sei im Forst vor etwa 40 Jahren gefallen. Dass auch die Buche so sehr unter den Wetterextremen leide, sei für viele überraschend gewesen. Die Landesregierung habe dennoch in den letzten Jahren schon gute Arbeit geleistet, so Siegesmund.

Siegesmund setzt neben Photovoltaik und Wasserkraft weiter auf den Ausbau der Windenergie in Thüringen. “Wir brauchen mehr erneuerbare Energien und dazu gehört auch der Wind“. Bis 2040 bedeutet das aus Sicht von Siegesmund für Thüringen, dass noch maximal 160 Windenergieanlagen gebaut werden sollen, verteilt auf 23 Landkreise und kreisfreie Städte. Die Grünen-Politikerin verteidigte auch Pläne, Wald für Windkraftanlagen abzuholzen.

Beim Thema Wolf sieht Siegesmund keinen Grund für eine Kurskorrektur: “Der Wolf gehört zu einem intakten Ökosystem dazu und steht unter strengem Schutz”, so Siegesmund. Deshalb werde die Ohrdufer Wölfin in Ruhe gelassen. Erst wenn sie die Weideschutzzäune überwinde, durch die die Schafe geschützt werden, müsse man über die Zukunft der Wölfin reden. Dann sei auch ein Abschuss der Wölfin nicht ausgeschlossen.
Ein entsprechender Antrag des Bauernverbandes werde zurzeit geprüft.

Programmhinweis: Das vollständige Interview mit Anja Siegesmund finden Sie hier.

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