In den letzten Tagen waren die Auswirkungen der Hitze auf Mensch und Natur in Jena ein Thema in den regionalen Medien. Mit 37,7 Grad war die Stadt vergangene Woche die heißeste in Thüringen. Die Grüne Fraktion macht im Jenaer Stadtrat Vorschläge, um die Auswirkungen solcher „Wüstentage“ so gering wie möglich zu halten. In einer „Aktuellen Stunde“ soll es um eine Schadensbilanz gehen. Zudem soll darüber diskutiert werden, welche Konsequenzen die Stadt für die Zukunft zieht, um durch mehr Bäume und Grünflächen die Hitze in der Innenstadt abzuschwächen.

Heiko Knopf, Fraktionsvorsitzender der Grünen führt aus: „Es stellt sich die Frage, wie wir die Temperatu-ren in der Stadt künftig in einem verträglichen Bereich halten können. Dazu brauchen wir mehr öffentliche Bereiche mit Schatten, Bäumen und Brunnen zum Abkühlen. Auch öffentliche Trinkwasserbrunnen gehören in Jena unbedingt dazu und sollten errichtet werden.“ Die Stadt müsse sich gleichermaßen für die Umsetzung bereits vorliegender Pläne kümmern, wie auch ehrenamtliches Engagement der Bürgerschaft fördern und koordinieren. „Wenn Menschen die Initiative ergreifen und in der Stadt Bäume gießen oder sich um ältere Menschen kümmern, dann muss die Stadt diese Ehrenamtlichen gezielt unterstützen.“

In die Diskussion starten die Grünen mit konkreten Vorschlägen, wie mehr Grün im Stadtbild erreicht werden kann. „Es gibt viele große und kleine Stellschrauben, über die der Stadtrat und die Verwaltung für mehr Schatten und Grün in Jena sorgen kann, zum Beispiel über einen finanziellen Ausgleich bei der Begrünung von innerstädtischen Privatflächen.“ so Knopf. „Wichtig ist, dass wir klimafreundliche Flächen nicht mehr nur als ‚weichen‘ Standortfaktor verstehen – etwa nach dem Motto: Grünflächen nur, wenn noch Geld über ist. Im Gegenteil, die Anpassung an Hitze und Trockenheit muss immer mitgedacht werden. Wir brauchen Zisternen, um Regenwasser zu sammeln, Wurzelgräben, damit sich kleine Bäume auch wirklich ausbreiten können, Kletterpflanzen an Fassaden und vieles mehr.“

Wolfgang Volkmer, Kreissprecher und Stadtrat wirft einen Blick auf die Kinder in der Stadt, denn diese sind besonders empfindlich bei Hitze „Wir haben seit 2017 genaue Analysen zu den öffentlichen Kitas und Grundschulen in Jena bezüglich Hitzeentwicklung und Luftqualität. Die Wärmebelastung für die Kleinsten ist in 8 von 19 Einrichtungen trotz eines hohen Sanierungsstandes enorm. Oft sind die Außenspielflächen zubetoniert oder es fehlen Bäume. Wasserspender und Brunnen sind eine Seltenheit. Die Empfehlungen für jede Einrichtung liegen vor, wir müssen sie jetzt Schritt für Schritt umsetzen. Da Bäume nachweislich die wirksamsten Schattenspender sind, dürfen wir keine Zeit verlieren und sollten versiegelte Flächen so schnell wie möglich mit Pflanzungen aufbrechen.“ Die Studie von ThINK, auf welche sich Volkmer bezieht, analysierte alle kommunalen Gebäude und gab Empfehlungen, was zur Verbesserung der dortigen Wärmebelastung getan werden kann. Sie bietet damit einen Ansatzpunkt, an den die Stadt direkt anknüpfen kann, denn dies ist bis jetzt noch nicht oder kaum geschehen. Gleiches gilt für die Klimaanpassungsstrategie, deren konkrete Vorschläge bislang kaum Umsetzung fanden.

Die Auswirkungen von Hitzewellen auf die Natur sind zahlreich. Im ersten Halbjahr 2019 registrierte ThüringenForst 24 Waldbrände, beispielsweise an der Lobdeburg in Jena. Die vergangene Hitzewelle brachte die Gefahrstufe vier von fünf mit sich, was „hohe Waldbrandgefahr“ bedeutet. Bauern bangen um ihre Ernten, Schäfern fehlen Weideflächen und an manchen Stellen vertrocknen die Flüsse. In Jena kommt beim Gießen der KSJ nicht mehr hinterher. Wegen der Urlaubszeit fehlen die Mitarbeiter, um im nötigen zwei-Schicht-System zu arbeiten. Auch in der zuständigen Verwaltung scheint sich derzeit niemand darum kümmern zu können: eine Anfrage der Grünen Stadtratsfraktion zur Unterstützung der Bevölkerung beim Gießen bleibt seit Wochen unbearbeitet, da alle Mitarbeiter im Urlaub seien. Es gibt positive Entwicklungen, so schließen sich bei Hitzewellen die Grünanlagen- und Baumpflegeabteilungen des KSJ zusammen, um mehr bewässern zu können. Auch werden ca. 100 Bäume mit Wassersäcken, z.B. die Kastanien auf dem Marktplatz, versorgt, die über einen längeren Zeitraum eine Tröpfchenbewässerung sicherstellen. Allerdings entspricht dies nur jedem 400. aller Bäume, die laut Website in die Zuständigkeit des KSJ fallen. Der Wassermangel der Bäume führt zu Gefahren wie Astbruch. Vor allem in öffentlichen Parks und auf Spielplätzen ist dies riskant. Die bisherigen Maßnahmen wirken daher leider wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auf die Menschen in der Stadt können Hitzewellen, die von Meteorologen als eine ungewöhnlich lange Phase von aufeinanderfolgenden heißen Tagen definiert werden, gesundheitliche Auswirkungen haben: Besonders chronisch Kranke, Ältere, Demente, Kleinkinder, Schwangere und Übergewichtige leiden unter den Temperaturen, so die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Zahlen belegen dies: bei der Hitzewelle 2003 starben laut Bundesgesundheitsblatt schätzungsweise 7000 Menschen deutschlandweit daran, 2018 allein in Berlin und Hessen laut Robert-Koch-Institut 1230, der Großteil davon war älter als 75 Jahre.

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