„Auch wenn derzeit der Freistaat im Geld zu schwimmen scheint, gibt es keinen Grund, öffentliche Gelder nach dem Prinzip >koste es, was es wolle< auszugeben“, warnt Justus Kehrl, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Steuerzahler Thüringen, vor dem Ankauf der Gesellschaftsanteile der GWB Elstertal in Gera durch die Landesregierung. Besonders ärgerlich ist die bisher fehlende Transparenz bei diesem Geschäft. Daseinsvorsorge ist eine wichtige Aufgabe des Staates, zu der auch Wohnen gehört. Überall dort, wo Wohnraum knapp ist und die Mieten steigen, muss der Staat reagieren. Bevorzugt sollte er dafür sorgen, dass das Angebot an bezahlbaren Wohnraum steigt und somit neue preiswerte Wohnungen gebaut werden. Dabei kann er auch selbst als Investor und Vermieter auftreten. Sinnvoll ist unter Umständen auch, dass der Staat stets einen bestimmten Anteil an solchen Wohnungen vorhält, um allen Bürgern ein preiswertes Angebot im Bereich Wohnen als Daseinsvorsorge anbieten zu können. In diesem Bereich hat der Staat in den letzten Jahren trotz Niedrigzinsniveau und rasant wachsender Steuereinnahmen kläglich versagt.

FDP fragt nach leerstehenden bundeseigenen Immobilien in Thüringen
Allerdings ist es nicht sinnvoll, für viele Millionen Steuergeld Immobilien zu kaufen, in Städten, wo es nachweislich ein Überangebot an Wohnraum und eine überdurchschnittliche Leerstandsquote gibt und wo die Mietpreise vergleichsweise unterdurchschnittlich sind. Der im Raum stehende Preis für die Anteile der Geraer Wohnungsbaugesellschaft liegt deutlich über dem entsprechenden Anteil des in der Bilanz ausgewiesenen Eigenkapitalwertes von ca. 58 Mio. € in 2017. Ohnehin entsteht durch diese Aktion keine einzige neue Wohnung, die zur Entspannung des angeblich angespannten Wohnungsmarktes beitragen könnte.
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Der Kaufpreis wäre sinnvoller in neue Sozialwohnungen investiert, die dort entstehen sollten, wo der Wohnungsmarkt wirklich dringenden Bedarf hat, wie z. B. in Jena, Weimar oder Erfurt. Die Stadt Erfurt ist derzeit damit beschäftigt, ihre Wohnungsbaugesellschaft mit einem Eigenkapitalwert von 190 Mio. € für ganze 40 Mio. € an ihre Stadtwerke zu übertragen. Das Geld wird angeblich benötigt, um Eigenkapital für die Schulsanierung zu bekommen. So ähnlich hatte es 2002 auch in Gera begonnen.