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Eisenach, Weimar, Erfurt. Die 5. ACHAVA Festspiele Thüringen finden vom 19. bis zum 29. September 2019 statt. Nachfolgend finden Sie eine Veranstaltungsauswahl:

Eröffnung am 19. September 2019

Eröffnung der Ausstellung „Erforschung und Bseitigung. das kirchliche „Entjudungsinstitut“ 1939 – 1945“

Die Stiftung Lutherhaus Eisenach lädt zur feierlichen Vernissage. Die Veranstaltung im Lutherhaus wird live ins Festzelt auf dem Lutherplatz übertragen; Gäste haben im Anschluss die Möglichkeit, einen ersten Blick in die Ausstellung zu werfen und das Eröffnungskonzert der ACHAVA-Festspiele in der nahegelegenen Georgenkirche zu besuchen. Die Sonderausstellung behandelt die Entstehung und Tätigkeit des berüchtigten „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben., das 1939 von elf evangelischen Landeskirchen in Eisenach gegründet wurde. In einer fundierten, eindrücklichen und kritischen Schau erläutert das Lutherhaus dieses dunkle Kapitel der Kirchengeschichte und beleuchtet dabei auch die Hintergründe und geistigen Wurzeln des .Entjudungsinstituts., die Folgen seines Wirkens und den mühsamen Weg zur historischen Aufarbeitung nach 1945.

Eröffnungskonzert am 19. September 2019
Avi Avital meets Thüringer Bach Collegium

Der international bekannte Mandolinenspieler und ECHO Klassik-Gewinner Avi Avital und das 2018 gegründete Thüringer Bach Collegium aus Weimar stehen erstmals gemeinsam auf der Bühne. Avi Avital ist der erste Mandolinenspieler, der je für einen Grammy nominiert wurde. Er steht exklusiv bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag und hat bereits vier CDs herausgebracht, darunter auch .Vivaldi., mit der er einen ECHO Klassik gewann. Voller Leidenschaft haucht er dem Instrument neues Leben ein und ist ein hervorragender Konzertmusiker. Für ihn und sein Instrument wurden bereits 90 zeitgenössische Stücke komponiert, davon 15 Konzerte. Eines seiner vier Alben ist Bach gewidmet. Nun treffen sich Newcomer Thüringer Bach Collegium und Avi Avital in Eisenach.

Alt und neu, bekannt und noch nicht berühmt werden auch die Stücke sein, die das Ensemble aufführen wird. Das Thüringer Bach Collegium spielt Werke seiner neuen CD mit den Orchestersuiten von Johann Bernhard Bach, die ausschlie.lich durch die handschriftliche Kopie Johann Sebastian Bachs und seiner Familie erhalten sind. Er führte sie in Leipzig auf, was für die große Wertschätzung derselben spricht.

Gemeinsam mit dem wunderbaren Mandolinen- Virtuosen Avi Avital, der stilübergreifend sowohl in der Weltmusik als auch in der Barockmusik zu Hause ist, werden zudem Antonio Vivaldis Mandolinen- Konzert und das von Johann Sebastian Bach für Cembalo komponierte Konzert d-Moll BWV 1052 in einer Bearbeitung für Mandoline sowie Musik von Avi Avital gespielt. Daher ist die Georgenkirche ein würdiger Aufführungsort. Hier spielte Johann Bernhard Bach 42 Jahre seines Lebens die Orgel visa- vis dem Taufstein, an dem sein Vetter Johann Sebastian Bach getauft wurde. Als Kontrapunkt zur Barockmusik haben die Musiker Werke des Komponisten Erwin Schulhoff ausgewählt.

Seine wegweisende Musik umarmt die Folklore, zitiert den Jazz und ist unglaublich temperamentvoll. Erwin Schulhoff hätte als Avantgardist in der Musik sicher noch viel zu sagen gehabt, wäre sein Leben nicht durch die faschistische Barbarei 1942 im Konzentrationslager Wülzburg beendet worden.
Das Thüringer Bach Collegium m.chte die musikalischen Schätze Thüringens h.rbar und erlebbar machen. Dem erfolgreichen Launch von „concerti“ folgt hier erstmalig der Release ihrer zweiten CD. Avi Avital hat der Mandoline wieder breites Interesse auf der ganzen Welt verschafft.


ACHAVA Straßenfestival am 21. September 2019

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ wusste schon der jüdische Philosoph Martin Buber – das zeigt auch das Straßenfest der ACHAVA Festspiele in Eisenach. Am Freitag sind alle zum Familienprogramm rund um den Lutherplatz eingeladen. Swing, Chansons, mittelalterliche Weisen und Lieder aus Syrien und Palästina auf der Oud, eine Open-Air-Galerie, ein Mitmach-Kunsttisch für Kinder und vieles mehr – verwandeln den Platz in
einen bunten Ort von Kunst, Kultur und Begegnung. Dazu gibt es Köstlichkeiten der Region, aber auch Hummus & Falafel. Für Spannung und Unterhaltung sorgen die Radugas mit ihrem Straßentheater voll Zauberei und Liedern aus der ganzen Welt.

Schülerprogramm im Thüringer Landtag und in Schulen
23. – 27. September 2019

Das Schülerprogramm ist ein wichtiger Bestandteil der ACHAVA Festspiele Thüringen geworden. In den letzten Jahren haben sich mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler mit den Themen Toleranz, Dialog, Weltoffenheit und gegenseitigem Respekt intensiv beschäftigt. Dazu gehörten auch komplexe Sachverhalte, wie die Situation in Israel oder Kriegsflüchtlinge. Die Werte der Verständigung und Begegnung geh.ren zum pädagogischen Kernanliegen unserer schulischen Arbeit und werden altersgerecht aufbereitet. So möchten wir einen Beitrag leisten, der zu gegenseitigem Verständnis, Interesse, Mitmenschlichkeit und Zivilcourage aufruft.

Beim ACHAVA Schülerforum im Thüringer Landtag erfahren die Kinder und Jugendlichen, wie Demokratie funktioniert und treffen interessante und engagierte Referenten zum Gespräch.

Workshops in Schulen mit dem Klarinettisten Helmut Eisel, der Sängerin Timna Brauer und dem Pianisten und Musikwisschaftler Prof. Dr. Jascha Nemtsov gehen Verständigung und Interaktion auf klingende Weise an. In den Workshops werden Stücke geprobt, die dann bei einem öffentlichen Konzert in der Weimarhalle am 27. September aufgeführt werden.

In Kooperation mit der Präsidentin des Thüringer Landtags, Jüdische Landesgemeinde Thüringen, Politisches Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer- Stiftung e.V., Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, THILLM.

Uraufführung im Erfurt Dom
Missa cum Jubilo von Silvius von Kessel am 20. /22. September 2019
Die vom Erfurter Domorganisten Silvius von Kessel im Auftrag des Erfurter Domkapitels komponierte Missa Cum Jubilo geht auf die gleichnamige Gregorianische Vorlage zurück. Es handelt sich bei der Gregorianischen Missa Cum Jubilo um eine Messe, die an Hochfesten zu Ehren der Gottesmutter Maria erklingen soll – z.B. am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August). Da der Erfurter Dom St. Marien eine der Gottesmutter Maria geweihte Kirche ist, lag es nahe, eine marianische Messe zu komponieren. Zudem wird im Jahr 2019 das weithin bekannte Erfurter Marienmosaik, welches früher den neugotischen Westgiebel des Erfurter Domes schmückte, nach langen Jahren der Einlagerung und dank anschließend erfolgter Restaurierung der Öffentlichkeit im Innern des Dom-Dachstuhles zugänglich gemacht.

Das Zentrum dieser neukomponierten gut einstündigen Missa Cum Jubilo ist das Credo, welches thematisch auf dem Credo I des Gregorianischen Repertoires aufbaut. Dieses Credo ist von seiner Tonsprache her moderner als die restlichen Sätze der Messe, da hier das persönliche Bekenntnis des einzelnen Menschen im Mittelpunkt steht. Und dieses persönliche Bekenntnis ist nicht so einfach: es ist eine Entscheidung inmitten vieler Angebote, und es ist dabei eine immer wieder angefochtene und umkämpfte Entscheidung.

Zu Beginn der Messe fängt das Kyrie gregorianisch freischwingend an und steigert sich im Verlauf zu symphonischeren Dimensionen und großer Eindringlichkeit. Das sich anschließende Gloria geht in lichtreicher, tonmalerischer Tonsprache von der Engelsszene am Himmel aus, bevor es sich zur Majestät des Gloria steigert. Im zweiten Satz des viersätzigen Glorias ist der Choral Jesu, meine Freude eingeflochten, und zwar im Zusammenklang mit den lateinischen Worten Domine fili unigenite, die sich an Gottes Sohn, Jesus Christus, richten.

Das Sanctus/Benedictus ist vom Wechselspiel zwischen Himmel und Erde gekennzeichnet: Eingeleitet durch ruhig-feierliche Bläserakkorde erklingt vom Himmel her, quasi fremdartig, ein Echo-Gesang des Frauenchores, der auf Erden von den Männern fortgesponnen wird.

Der erste Agnus Dei-Satz ist unversehens ein Grabgesang auf den vierjährigen Sohn enger Freunde geworden, der im Sommer 2018 – während der Komposition am Agnus Dei – im Urlaub ertrunken ist. Die Missa Cum Jubilo endet mit einem großangelegten „Dona nobis pacem“- einer aktuell so wichtigen, eindringlichen und emphatischen Friedensbitte an den Schöpfer dieser Welt.

Eröffnungskonzert „Triennale der Moderne“ in Weimar „Stimmen des Volkes“ am 26. September 2019

Das älteste Orchester Deutschlands, die STAATSKAPELLE WEIMAR, trifft auf die junge und europaweit gefeierte A-cappella-Formation MAYBEBOP. Das Volkslied als ursprünglichste Ausdrucksform der Menschen wird in den großen Konzertsaal zurück geholt. Gepaart mit internationalen Songs steht das Zusammenspiel von Orchesterklang und A-cappella-Gesang im Mittelpunkt. Die Lieder werden ins Heute übertragen und zeitgemäß. auch für ein junges Publikum arrangiert. Mitsingen ist unbedingt erwünschtes Ziel des Abends! Der Liedermix lädt das Publikum im Bauhausjubiläum auf eine Reise in die Vergangenheit und Zukunft ein.

Eine Koproduktion der ACHAVA Festspiele Thüringen mit MAYBEBOP, der Stadt Weimar und dem DNT & Staatskapelle Weimar.

2. ACHAVA Jazz Award

Konzert und Workshop mit Avishai Cohen

Zum 100-jährigen Jubiläum werden in der Tradition des Bauhauses Lehre, künstlerische Darstellung und Begegnung miteinander verbunden. Die Brücke zwischen Tel Aviv und Weimar schlagen Künstler von Weltrang wie der einzigartige, preisgekrönte israelische Jazzbassist Avishai Cohen & Band. Er wird mit den Preisträgern gemeinsam einen Konzertabend im Großen Saal der Weimarhalle gestalten.

Der ACHAVA Jazz Award zeichnet ein künstlerisch herausragendes Band-Projekt aus, das den transkulturellen Charakter des Jazz ins Zentrum seines Schaffens stellt.

Der in New York lebende Saxophonist Miguel Zenón widersetzt sich den Gewohnheiten. Seine Musik verknüpft seit mehr als zwei Jahrzehnten Rhythmen und Spielformen seiner puertorikanischen Wurzeln mit den Stil-Errungenschaften des modernen Jazz. Ein Meister des Subtilen mit der profunden Kraft reflektierter Tradition.

Der internationale und transkulturelle Jazzpreis ist mit 11.000 Euro dotiert. Aus den sieben Finalisten des Kuratoriums wurden die Preisträger von einer hochkarätig besetzten Jury, bestehend aus Prof. Manfred Bründl (künstl. Leiter), Günther Huesmann, Martin Kranz, Ramesh Shotham, Ralf Dombrowski, Prof. Dr. Martin Pfleiderer und Prof. Dr. Jascha Nemtsov ausgewählt.

Der Jazzworkshop ist ein seit 20 Jahren bestehendes Kooperationsprojekt des Jazz-Instituts der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, der Jazzmeile Thüringen und der Kulturdirektion Weimar, gefördert von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.
Zu den verpflichteten internationalen Hochrangkünstlern zählten bislang Musiker wie Albert Mangelsdorff, Norma Winstone, Kenny Wheeler, Renaud Garcia-Fons, Donny McCaslin, Marc Copland, Daniel Humair, Moscow Art Trio, Marc Ducret und Zach Danziger.

Eine Koproduktion der ACHAVA Festspiele Thüringen mit der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Stadt Weimar, gefördert von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Ideen und Ziele des Festivals

Dass sich aus Vorurteilen und Unwissenheit gespeiste Hass und Gewalt gar nicht erst entstehen – dafür setzen sich die ACHAVA Festspiele Thüringen ein. Das Festival für den interkulturellen Dialog findet 2018 zum vierten Mal statt und hat bereits einen festen Platz in der Thüringer Kulturlandschaft.

Kultur ist die Sprache, Aufklärung und Verständnis das Ziel. Der Kernpunkt ist der interreligiöse und interkulturelle Dialog, der von den Gedanken in den Schriften jüdischer Propheten des Alten Testaments ausgeht. Sie bilden die Grundlage der jüdischen Ethik und der europäischen Werte. Der hebräische Begriff ACHAVA – Brüderlichkeit ist dafür ein Schlüsselwort. Dies entspricht auch dem humanistischen Grundgedanken die Existenz des Menschen durch Wissen und Mitmenschlichkeit zu verbessern.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass in Politik und Alltag wieder Platz für Ausgrenzung, Nationalismus und Abschottung ist. Wozu das vor 100 Jahren und 80 Jahren, erneut, geführt hat, gilt es zu verhindern.
Die ACHAVA Festspiele Thüringen sehen ihre Aufgabe darin, Menschen aller Altersklassen in Thüringen und darüber hinaus die persönliche Begegnung mit Menschen anderer Herkunft, Religion, Kultur und Sprache zu ermöglichen. Letztlich kann der Austausch auch neue Impulse für das eigene Leben geben.
Es war in den letzten drei Jahren immer wieder ein erfreuliches Erlebnis, zu sehen, wie Festival-Besucher in Konzerten neue Musikrichtungen und Künstler für sich entdeckten, durch Ausstellungen Lücken in der eigenen Geschichte füllen konnten und auf dem ACHAVA Straßenfest 2017 ihre Stadt ganz neu kennenlernten.

Mit einem Forum startete 2016 ein Schülerprogramm, das jetzt stetig ausgeweitet wird. Die Resonanz der teilnehmenden Schulen beim Forum im Landtag und den Workshops und Panels in den verschiedenen Thüringen Schulen war äußerst positiv. Hierbei sind die intensive Vorbereitung und die anschließende persönliche Begegnung mit Betroffenen entscheidend. Leistungsstarke und gut vernetzte Partner wie das Thillm und die Evangelische Schulstiftung unterstützen uns dabei.

Regelmäßig werden Zeitzeugen eingeladen, die die Erinnerung an vergangene und aktuelle Fehler und Gräuel der Geschichte wachhalten. Ihre Erfahrungen sollen für Zivilcourage und Mitmenschlichkeit plädieren, damit sich Genozid und Krieg nicht wiederholen.
Auf Podiumsdiskussionen mit bekannten Rednern kann auf aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen eingegangen werden. Daraus ergaben sich interessante und gut besuchte Veranstaltungen u.a. zu Themen, wie das Reformationsjubiläum (2016 und 2017), der Islam (2016), Israel und Judentum (2015). Auch hier engagieren sich die Thüringer Staatskanzlei, politischen Stiftungen, Verlage und NGO’s aktiv mit.


Achava-Zeitung2019-web

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