Als einzige Ausgabe des Mundus Novus enthält das Rostocker Exemplar als ganzseitige Illustration eine handkolorierte Weltkarte nach dem antiken Geographen Claudius Ptolemäus. Ein sechszeiliger Textabschnitt über der Karte vergleicht das antike Wissen von Ptolemäus mit den neuen Erkenntnissen der Forschungsreise Vespuccis. (Signatur UB Rostock: SON B 2) Foto: Universitätsbibliothek Rostock

Herausragende Neuerwerbung der Universitätsbibliothek Rostock

Rostock. Die Universitätsbibliothek Rostock ist es gelungen, mit Hilfe von verschiedenen Förderern die erste Folioausgabe des Novus Mundus, des Briefs über die Neue Welt, von Amerigo Vespucci zu erwerben. „Damit kehrt im Jubiläumsjahr der Universität einer der seltensten und bedeutendsten Drucke nach Rostock zurück, der hier im ersten Jahrhundert der Universität entstanden ist“, freut sich Bibliotheksdirektor Robert Zepf. „
Bisher waren weltweit nur zwei Exemplare bekannt: das eine in der Universitätsbibliothek in Frankfurt am Main und das andere in der British Library in London.“ Der heute erstmals präsentierte Druck wird schon ab der kommenden Woche in der Jubiläumsausstellung zur 600-Jahr-Feier der Universität zu sehen sein: Die Ausstellung unter dem Motto „Menschen – Wissen – Lebenswege“ eröffnet am 20. Juni im Kulturhistorischen Museum Rostock.

Der für eine Summe von rund 200.000 Euro aus Privatbesitz erworbene Druck zeichnet sich durch zahlreiche zeitgenössische Randnotizen aus und stand der Forschung bisher nicht zur Verfügung. Er ist deshalb wissenschaftlich noch nicht ausgewertet worden. Über die Geschichte des Exemplars ist noch wenig bekannt. Eine wichtige Spur führt jedoch nach Warschau: Im 18. Jahrhundert gehörte das Werk zur Bibliotheca Zaluski, in deren Tradition die heutige Nationalbibliothek Polens steht. Aus diesem Grund erfolgte der Ankauf durch die Universitätsbibliothek Rostock in enger Abstimmung mit der Biblioteka Narodowa. In digitaler Form wird das Werk sowohl in der polnischen digitalen Bibliothek POLONA als auch in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern recherchierbar sein. Der Ankauf wurde möglich durch Fördermittel der Kulturstiftung der Länder, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie der Johannes und Annitta Fries-Stiftung. Weitere Förderer werden noch gesucht. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Universität bei der Einwerbung der Fördermittel.

Der Mundus Novus ist das Werk, mit dem kurz nach 1500 der breiten Öffentlichkeit in Europa der neu entdeckte Kontinent Amerika der westlichen Hemisphäre erstmals bekanntgemacht wurde. Es handelt sich um den Bericht des Seefahrers und Entdeckers Amerigo Vespucci (ca. 1451–1512) über seine transatlantische Fahrt nach Brasilien in den Jahren 1501/1502, die er im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I. unternahm. Darin benannte er als erster die entdeckte Landmasse als Mundus Novus, als neuen vierten Kontinent neben den drei seit der Antike bekannten Erdteilen Afrika, Asien und Europa. In Anerkennung dieser besonderen Leistung bezeichnete der deutsche Geograph Martin Waldseemüller den neuen Kontinent seit 1507 auf seinen Karten nach dem Vornamen Amerigo Vespuccis „America“.

Eine Illustration zeigt die berühmten Darstellungen des südlichen Sternenhimmels von Amerigo Vespucci, die der astronomischen Navigation auf der Südhalbkugel den Weg ebnete. Auf seiner Reise vermaß Vespucci im Auftrag des Königs Manuel I. den südlichen Himmel. Diese Arbeit ist nicht im italienischen Original überliefert, so dass der Rostocker Druck der ersten datierten Ausgabe folgt, die 1504 in Augsburg erschien. Als einzige Ausgabe des Mundus Novus enthält die Rostocker Fassung als Illustration eine kolorierte Weltkarte nach dem antiken Geographen Claudius Ptolemäus.

Das Digitalisat finden Sie auf dem Rostocker Dokumentenserver (RosDok) unter dem Zitierlink: http://purl.uni-rostock.de/rosdok/ppn1666749583

Als einzige Ausgabe des Mundus Novus enthält das Rostocker Exemplar als ganzseitige Illustration eine handkolorierte Weltkarte nach dem antiken Geographen Claudius Ptolemäus. Ein sechszeiliger Textabschnitt über der Karte vergleicht das antike Wissen von Ptolemäus mit den neuen Erkenntnissen der Forschungsreise Vespuccis. (Signatur UB Rostock: SON B 2) Foto: Universitätsbibliothek Rostock

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here