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tlv kritisiert Einstellungsverfahren in den Thüringer Schuldienst

Erfurt. Als „nach wie vor katastrophal“ bezeichneten Vertreter des tlv thüringer lehrerverband heute Vormittag in einem Gespräch mit Medienvertretern die Einstellungsbedingungen für Lehrer in Thüringen. Die aktuelle Kampagne des Kultusministeriums, die unter anderem mit dem Slogan „Leere Stelle? Lehrerstelle!“ um mehr Bewerber wirbt, verlaufe nahezu völlig ins Leere, so der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch.

Das Problem, so Busch, beginne schon bei der Ausschreibung der Stellen. „Jedes Schulamt löst das anders. Aber grundsätzlich ist es immer noch so, dass sich Interessenten nicht für eine konkrete Stelle, sondern nur für eines der fünf Schulämter bewerben können.“ Wie absurd und kompliziert der Bewerbungsprozess selbst im Online-Verfahren aussieht, demonstrierte Busch den anwesenden Medienschaffenden live. Die Krönung einer verwirrenden Suche nach den richtigen Stellen zum Klicken und Downloaden sei jedoch, dass am Ende der digitalen Bewerbung sämtliche Unterlagen ausgedruckt und auf dem Postweg ans Schulamt geschickt werden müssen. „Im 21. Jahrhundert ein Witz“, konstatierte der tlv-Landesvorsitzende.

Sein Stellvertreter Frank Fritze äußerte einerseits Verständnis für die Schulämter. „Die Kollegen dort machen das Beste aus der misslichen Lage und werden dabei sehr kreativ.“ Allerdings sei es nun einmal Fakt, so Fritze, dass der Prozess in Thüringen viel zu lange dauere. „Bevor überhaupt eine Antwort aus Thüringen kommt, haben die Bewerber schon feste Stellenzusagen aus den Nachbarländern.“ Fritze belegte seine Aussagen mit Erfahrungsberichten mehrerer Lehramtsabsolventen, die noch nicht oder nur mit Schwierigkeiten ihren Weg in den Thüringer Schuldienst gefunden haben. „Leider ist es so, dass Thüringen Lehrer für viel Geld ausbildet, ihnen aber nicht immer die Möglichkeit für einen reibungslosen Übergang ins Referendariat ermöglicht – sodass die Absolventen sich in anderen Bundesländern bewerben, wo sie zudem auch schnellere Zusagen erhalten. Nach Abschluss des Referendariats erhalten sie dann auch noch schnellere Stellenzusagen und sind damit endgültig für Thüringen verloren.“

Dass es auch anders gehen könnte, zeigten Busch und Fritze am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns auf, wo ein modernes, benutzerfreundliches Online-Portal die direkte Bewerbung an der Wunschschule ermöglicht. Damit künftig auch in Thüringen der Nachwuchs im eigenen Land bleibt, wo er so dringend gebraucht wird, stellte der tlv schließlich einen Forderungskatalog vor.

Dieser umfasst die folgenden Punkte:

  1. Es muss deutlich mehr schulscharfe Ausschreibungen und damit direkte Bewerbungen an den Wunschschulen geben.
  2. Der Bewerbungsprozess muss deutlich früher starten und erheblich beschleunigt werden.
  3. Nicht notwendige Einstellungsgespräche sollten abgeschafft werden: Diese werden in einigen Schulämtern auch dann durchgeführt, wenn es nur einen einzigen geeigneten Bewerber gibt.
  4. Wie in den Nachbarländern sollten auch in Thüringen die vorläufigen Zeugnisse für die Bewerbung anerkannt werden – ohne Nachteile für den Bewerber.
  5. Das Online-Verfahren muss auch komplett online durchführbar sein.
  6. Es ist für den lückenlosen Übergang vom Studium ins Referendariat und von dort zur Einstellung in den Schuldienst zu sorgen. Bisher gibt es hier zeitliche Lücken, in der die Absolventen kein Einkommen haben.
  7. Insgesamt ist die Transparenz des gesamten Einstellungsverfahrens deutlich verbesserungswürdig.
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